Review

When Judgement Day Approaches Who Is On The Shortest Path To Hell?

In Hongkong geht ein Frauenmörder um, der schwangeren Frauen den Bauch aufschlitzt und den Fötus entnimmt. Der Polizei geht ein heißer Verdächtiger ins Netz: ein junger, wortkarger Mann namens Kit. Motiv und Beweise fehlen, doch die Ermittler sind sich sicher, dass er hinter den Bluttaten steckt.
Derweil wird einem als Zuschauer Kits jüngste Vergangenheit mittels Rückblende erzählt: Dort ist Kit mit der geistig behinderten Wing zusammen. Als er mit ansehen muss, wie seine Freundin von Polizisten brutal vergewaltigt wird, brennen bei ihm die Sicherungen durch. Seither sinnt Kit auf Rache…

REVENGE: A LOVE STORY ist ein beinharter, knochentrockener Rache-Thriller – so finster wie eine mondlose Prärienacht, so trist wie das russische Ödland. In seinen ersten Momenten fühlt man sich stark an den Todsünden-Thriller SIEBEN erinnert. Auch optisch blitzt schon bald die Brillanz des Films durch, zu erkennen an einer Zeitlupen-Ästhetik die wir aus Filmen wie THE FALL oder ANTICHRIST kennen.
Ab der Mitte verfliegt der Zauber aber merklich. So hochwertig und genial wie REVENGE zu Beginn tut, ist er nämlich leider bei weitem nicht. Der Film ist zweigeteilt: Zum einen hat man den krassen Thriller, auf der anderen Seite die fragile Liebesgeschichte zwischen Kit und der behinderten, aber bildhübschen Wing. Beide stoßen sie unverschuldet auf übertrieben harte Polizeibrutalität, Folter und Vergewaltigung inklusive. Dies beflügelt Kit dann – gut, jetzt kann ich’s ja eigentlich ausplappern – schwangere Polizistengattinnen auszuweiden und Jagd auf bestimmte, vom rechten Weg abgekommenen Gesetzeshüter zu machen (damit ist echt nicht zuviel verraten, der Film selbst gibt diese Erklärung bereits ziemlich früh preis), womit wir wieder im Thriller-Genre angekommen wären, dessen Anteil hier eindeutig überwiegt.
So weit so gut. Bis dahin eigentlich alles okay. Was dann allerdings harsch enttäuscht, ist der Verlauf des Rachefeldzuges. Dieser läuft teils schon brutal ab, unterm Strich kommen die bösen Cops aber beinahe zu glimpflich davon. In Sachen Gore ist dennoch ein bisschen was geboten: Der Film geht beispielsweise der Frage nach „Was passiert, wenn man in den Bauch geschossen wird, nachdem man Benzin getrunken hat?“ – Antwort: Erst kotzt man Lava, dann fängt man vollständig Flammen. Gut, dass wir um diese Erkenntnis bereichert wurden…
Racheengel Kit macht eigentlich eine ganz brauchbare Figur. Die Sympathien sind eindeutig auf seiner Seite. Seine Widersachen schinden und prügeln ihn, bis nur noch Matsch von ihm übrig ist. „Ein Häuflein Elend verübt Rache“ – dieses Prinzip kennen wir aus zahlreichen Filmen, wie z.B. KING OF THE ANTS, HARRY BROWN, A BITTERSWEET LIFE oder zuletzt I SAW THE DEVIL. Leider muss man sagen, dass REVENGE: A LOVE STORY – vom reinen Rachegehalt her wohlgemerkt – keinem der eben genannten das Wasser reichen kann. Dafür passiert hier einfach zu wenig. Nichtsdestotrotz, hat man es hierbei mit einem packend erzählten, emotional aufrührenden Stück Film zu tun. Das muss man ihm bitte lassen!

REVENGE ist in Kapitel mit tiefsinnigen Titeln untergliedert, was im Endeffekt aber nichts zur Sache tut. Seine großen Themen sind Polizeigewalt (z.B. eine Maglight als Schlagstock) und Vergewaltigung von geistig Behinderten, was im Asiatischen Raum tatsächlich ein ernstzunehmendes Problem darstellt. Filme wie RED TO KILL und FATAL ENCOUNTER befassten sich bereits mit eben jener Thematik.
Die Schauspieler sind durch die Bank gut. Der ganze Film ist in zappendusteren Bildern gehalten. Grau, sepia und dunkelgrün bestimmen die Farbpalette.
So richtig schlecht ist im Grunde nur der Showdown. Dieser fällt nicht wirklich so aus, wie man sich das gewünscht hätte, auch wenn das wahrscheinlich Geschmackssache ist. Der Film endet jedenfalls mit der Moral:

There Is No Revenge As Complete As Forgiveness.

Hach! Wohl war, wohl war… NICHT! Erzähl das mal dem bulligen Oberschüler, der dich in der Grundschule immer gehänselt hat. Oder dem Typen, der dir ungestraft die Parklücke vor der Nase weggeschnappt hat. Oder dem Entführer deiner Kinder – nur mal so als Beispiel. Die werden sich doch alle ins Fäustchen lachen. Oh nein, Rache ist ein ureigener Instinkt, der so unendlich tief in jedem Menschen verwurzelt ist und auf Erfüllung hofft. Das Ausleben dieses Dranges ist nur in der modernen Gesellschaft nicht mehr so leicht… Und genau deshalb brauchen wir Filme, in denen die Bösen ihr Fett ab kriegen und zwar so richtig dicke!

…Schön, dass wir das auch geklärt hätte. Drum kommen wir jetzt auch ohne weitere unnötige und Nerven zehrende Umschweife zum
Fazit:
Beinhart, knochentrocken und zappenduster! Anfangs sehr stark, ab dem Mittelteil leicht schwächelnd, das Finale stellt dann leider nicht mehr ganz so zufrieden. Im Vergleich zu Rachefilmen wie OLDBOY, I SAW THE DEVIL oder von mir aus auch dem Remake von I SPIT ON YOUR GRAVE hat REVENGE: A LOVE STORY keine guten Karten. Fans fernöstlicher Brutalo-Thriller sollten ihn jedoch nicht ungesehen an sich vorüber ziehen lassen. Es handelt sich hierbei um alles andere als einen schlechten Film.

Details
Ähnliche Filme