Review

Sonderlich originell waren die Plots der „Bloodfist“-Reihe nie, aber immerhin kopieren sich die Filme nicht untereinander, sodass sich „Bloodfist VI: Ground Zero“ auf den „Die Hard“-Pfaden versucht.
Das zu besetzende Gebäude ist in diesem Falle ein Raketensilo, das in der Auftaktsequenz auch schön flott eingenommen wird, sodass keine Zeit verschwendet wird. Dabei werden bekannte Muster mit etwas gewitzt variiert: Die Terroristen täuschen die Bewegungsmelder, indem sie massig Kaninchen aussetzen, geben sich als verirrte Touristen aus, als sie die Torwachen ausschalten und dergleichen, wenngleich alles mal wieder auf die Einnahme des Gebäudes und das Niedermetzeln der Wachleute raus läuft.
Fehlt nur noch der Held, mit dem keiner gerechnet hat, in diesem Falle Sergeant Nick Corrigan (Don ’The Dragon’ Wilson), der als Bote Geheimdokumente zum Silo liefern soll. Durch eine Verkettung von Ereignissen muss er bald im Alleingang den Kampf aufnehmen…

Rein von der Story her, verlässt „Bloodfist VI“ die bekannten Pfade von „Stirb langsam“ und „Alarmstufe: Rot“ selten: Nick hat natürlich eine Vergangenheit bei einer Spezialeinheit, Terroristen geben sich als Geiseln aus, um Nick zu kriegen, die Terroristen streiten sich untereinander, einige Militärs will das Gebäude sprengen, um die Sache zu beenden usw. So kommt zwar selten Hochspannung auf, auf welches Ziel die Raketen nun gerichtet sind, interessiert herzlich wenig, aber dank des hohen Tempos sorgt „Bloodfist VI“ für Kurzweil: Nach der etwas langen Einführung ist Nick fast pausenlos im Einsatz und es gibt nur wenige Verschnaufpausen.
Ebenfalls erfreulich ist die Tatsache, dass „Bloodfist VI“ noch zu den B-Actionfilmen mit einigen production values gehört. Die Kulissen sehen nicht so billig aus wie bei vielen anderen B-Versionen von „Stirb langsam“, für zünftige Explosionen und ein paar Hubschrauberszenen war auch noch Knete da und der Soundtrack ist auf gehobenem B-Niveau, wenngleich man natürlich keine so dynamische Musik wie „The Rock“ und Co. erwarten darf. Lediglich bei den Knarrensounds hätte man etwas mehr werkeln können; gerade die Sturmgewehre klingen viel zu lasch.

Einen Actionoverkill bietet „Bloodfist VI“ leider nicht, denn dafür sind die Konfrontationen allesamt etwas zu kurz, wenngleich die Menge zufrieden stellend ist. Neben ein paar Explosionen bekommt der Zuschauer eine gute Mischung aus Fights und Shoot-Outs geboten. Letztere sind auch ziemlich blutig, ziemlich gut choreographiert und zeigen leichte John Woo Anleihen wie beidhändiges Ballern, wenngleich „Bloodfist VI“ natürlich keine Woo-Klasse erreicht. Die Fights zeigen ebenfalls eine gute Choreographie, sind aber ebenfalls kurz und bieten nicht übermäßig viele spektakuläre Moves. Highlight ist sicherlich der Kampf zwischen Nick und dem Terroristen Ahmad (Michael Blanks).
Schauspielerisch ist dann weniger Grund zum Jubel, denn das Bild präsentiert sich durchwachsen. Don ’The Dragon’ Wilson spielt OK, aber nicht herausragend, seine „Bloodfist IV“-Kumpanin Cat Sasson ebenfalls. Oberfiesling Jonathan Fuller hingegen hat erschreckend wenig Charisma und einige der Terroristendarsteller overacten stellenweise. Lichtblicke in ihren Reihen sind nur der ruhige Marcus Aurelius und Kampfmaschine Michael Blanks.

Es gibt zwar bessere B-Versionen von „Stirb langsam“, wie z.B. „Cracker Jack“ oder „Deadly Takeover“, doch „Bloodfist VI“ bietet dem Genrefan trotz mangelnder Innovationen kurzweilige Unterhaltung mit derber Action und einigem Tempo. 6,5 Punkte für den vielleicht besten Film der Reihe.

Details
Ähnliche Filme