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Aufpoliertes Kino - Update einer außerhalb Chinas vollkommen unbekannten, innerlandes aber dafür umso erfolgreichen Fernsehserie gleichen Namens, die nach guten achtzig Episoden und einer Animation, einem Onlinespiel und auch Bühnenadaption nun die nächste Steigerung in der Medienlandschaft, den nicht nur seltenen, sondern auch schwierigen Schritt von der heimischen Mattscheibe weg auf die große Leinwand spendiert bekam. Die Mission der Übertragung wurde dabei finanziell überaus erfolgreich und weitere "Specials" versprechend getätigt, was sich für Außen-stehende der Materie bei dem Anblick des einzelnen Erzeugnisses zwar schwerer nachzuvollziehen, im Kontext aber durchaus zu verstehen und gar als folgerichtig hinzunehmen ist. Nicht nur, dass man die lieb gewonnenen Darsteller der seit Januar 2006 bei China Central Television ausgestrahlten Sitcom alle wieder vereinigt hat, auch lässt sich das Stammpublikum leichter mit dem Gewohnten als einem Unerwarteten oder gar Anonymen ködern, zumal das umrahmende Genre der period piece Martial Arts Komödie selber momentan sowieso den Höhenflug der klingelnden Kinokassen betreibt:

Ming - Dynastie. Swordsman Town.
Das Tongfu Inn von Tong Xiangyu [ Yan Ni ] und ihrem Angetrauten Bai Zhantang [ Sha Yi ] läuft aufgrund der Rezession nicht mehr so gut, Kunden bleiben entweder ganz aus, oder machen Ärger und prellen die Zeche. Zu der letzteren Klientel gehört Pei Zhicheng] [ Yue Yueli  ], ein korrupter Beamter der Finanzbehörde, der sich ebenso um das Entgelt für Kost und Logis drücken will und zudem noch sein eigenes Süppchen kocht. Zusammen mit seiner Geliebten Chichi [ Zhang Meng ] und dem Lohnkiller Ji Wuli [ Wang Lei ] entwickelt er ein Betrugsschema, bei dem die Häuserpreise künstlich hoch- und die vorherigen Bewohner teils mit Lügen, teils mit Gewalt vom Grundstück getrieben werden. Darauf fällt nicht nur die gesamte Bevölkerung, sondern auch Tongs Bedienstete und gute Bekannte Guo Furong [ Yao Chen ] mit ihrem gleichso angestellten Ehemann Lü Xiucai [ Yu Entai ] herein; die nach den ersten Todesfällen aufhorchende Constabel Zhu Wushuang [ Ni Hongjie ] und ihr Kollege Ye Xiaoliu [ Xiao Jian ] aber zum Glück nicht.

Ein aus Alt mach Neu und so die Hausmannskost bietend, verzichtet man in diesem Ableger auch aus guten Grunde auf das ganz teure Spektakel, geht die kleinen Schritte, stellt nur Gebräuchliches noch einmal erneut vor, ohne die Spuren zu routinierter Konzeption zu verraten, und begrenzt sich zyklisch auch auf diesen Lebenskreis. Selbst Neueinsteigern werden trotz fehlender Vorstellung keine Überraschungen und – bis auf den sprunghaft rasanten Beginn – auch keine Verwirrungen in der Abfolge von Harmonie aus Einfalt und Anstand geboten, wobei allein den Figuren selber aufgrund mangelnder Kenntnis der Vorgeschichte natürlich etwas rein Schemenhaftes, Eindimensionales und getreu ihrer Blässe und Aufgeregtheit auch leicht Uninteressantes anhaftet.

Denn Verweise auf Früheres in der Historie halten sich erwartungsgemäß kurz bis überhaupt nicht vorkommend, ist der Hintergrund der jeweils um 19:30h ausgestrahlten Serie, obwohl mit dem Interieur des Gasthauses als Zentrale ebenfalls klein und von vornherein überschaubar [ "too many people, really annoying" ] und gerade auch damit wohl attraktiv heimelig geraten, nach vier Jahren Entwicklung inkl. Plotveränderung nicht nur viel zu ausschweifend für eine Zusammenfassung, als auch als förmlich und gleichzeitig alltäglich vorausgesetzt. Komplikationen hinsichtlich der Personenkonstellation sind auch spätestens nach den ersten Minuten der Geschichte als gelöst zu betrachten, hält man sich in der Schar der handelnden Figuren auch auf ein gutes Dutzend überhaupt nur agierender und etwa die Hälfte davon wichtiger und bereits verstärkt mediatisierter Gestalten zurück. Kleiner ist nur noch das Set, existiert im Grunde wieder nur das Restaurant und eine Maueranlage im Freien, einmal der Ort des Guten, einmal der Hort des Bösen. Die Stadt drumherum scheint wie die Komparsen ab der Eröffnungsszene wie auch in der Serie komplett zu verschwinden. Ein besser eingerichtetes, hübsch dekoriertes, durchaus um den Effekt filmischer Mittel wissendes Theaterstück, verdient in Ansehen und Ansehung, dass sein eigenes Universum auch am Rande der Gesellschaft liegend, wenn dort auch mit schon flotten cineastischen Popanz, wesentlich kräftiger Farbe und einigen ästhetischen Schachzügen errichten kann.

Wo in dem anderen überraschend populären Vertreter der Zunft, Kevin Chu Yen-pings Just Call Me Nobody mit der Provinz Liáoníng im Nordosten der Volksrepubik auf eine bestimmte Region und Bevölkerung, der Angehörigen der Han-Nationalität des Landes gezielt wird, ist hier die Sympathie des couch potatoes mit seinem heimeligen und irgendwo auch familiär lieb gewonnenen Zeitvertreib der entscheidende Hebel zum Herzen. Bedingungsloser Zusammenhalt in der in-crowd, in der vor dem Fernseher und in der comedy troup in ihm. Unverständnis oder zumindest Fragezeichen für die Ausgeschlossenen. Auf die Sympathie kommt es an, ob man sich wohl fühlt, muss es nicht immer komfortabel und großzügig oder besonders, sondern kann es unter guten Freunden auch einfach nur lauschig und halt bequem, zwangslos sein. Wissend um diesen Vorteil erfüllt die China Film Group Film / China Movie Channel Produktion auch die eher einfachen Bedürfnisse, für die Anhängerschar mit Leib und Seele, sind die Scherzchen vergleichsweise ebenso stereotyper und eigentlich auch bedeutungsloser Natur, wie die Rollen für Neulinge doch eher fade und so unmaßgeblich in der sowieso mild satirischen Dramaturgie bleiben. Immerhin vergeht durch die Seichtigkeit in der Erzählung, die oft mit allerlei visuellen Mätzchen auch in den wenigen Actionszenen und selbst Einschnitten zu anderen Darstellungsformen wie Zeichentrick, Karaoke - Musikclip, Werbesendung, einer TV - Rückblende als projizierte alte Filmspule aufgepeppt wird, die Laufzeit durchaus wie im Fluge. Bedient man auch die Gegebenheiten und Anforderungen der Gattung mit aus Erfahrung sicherer Hand und stellt sich so als problemlos gefälliges, sicher auch neue Liebhaber gewinnendes Kurzweil hin.

Auch die narrative Überschneidung von der Aktualität entspringenden und so zeitgenössischen Themen wie der Finanzkrise in Abstimmung mit dem späteren Immobilienboom kann dabei durchaus seinen stimulierenden Vorteil aus den Zutaten Dominoeffekt, Wirtschaftslektion und Verlachkomödie verbuchen; selbst wenn weder dies Motiv noch die Ausführung eine neue Erfindung sind oder unabhängig davon nach höheren Weihen rufen. Ein Wong Jing schreibt und dreht es nicht anders, schlechter, und dies seit Jahr und Tag, vom Royal Tramp Zweiteiler bis aktuell Treasure Inn.

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