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Ein Kappa ist ein fischähnliches Wesen aus der japanischen Mythologie. Kappas haben auf dem Kopf eine Bewässerungsmulde, die immer feucht gehalten werden muss damit sie nicht austrocknen. Sie ernähren sich von Fisch und lieben Gurken, spielen Menschen gerne Streiche oder ziehen sie ins Wasser. Die Arbeiterin in einer Fischfabrik Asuka sieht einen Kappa im Hafen. Und sie stellt fest, dass sie diesen Kappa kennt, war er doch vor 17 Jahren ein Teenager namens Aiku, der in einem Teich ertrank, und dann als Kappa wiedergeboren wurde. Aiku liebt Asuka, schon seit mehr als 17 Jahren, aber Asuka steht kurz vor der Hochzeit mit ihrem Chef und möchte Aiku nicht als Dauergast in ihrer Badewanne haben. Also lässt sich Aiku in der Fabrik anstellen, damit er immer bei Asuka sein kann, die ihn für die Arbeit anlernen muss. Doch der Gott des Todes, der mit Aiku gerne mal ein paar Sake zu viel trinkt, hat aus Versehen ausgeplaudert, dass Asuka morgen bei Sonnenuntergang sterben wird. Ein Schock für Aiku, der seine Angebetete davon überzeugt zu fliehen. Wohin? Zu seinen Artverwandten, denn nur dort gibt es die Analperle, vor der der Gott des Todes zurückschreckt …

Eins, zwei, drei, vier. Eins, zwei drei.
Eins, zwei, drei, vier. Eins, zwei drei.
Die alte Frau setzt sich in Bewegung. Die alte Frau erhebt sich
Der Magen der alten Frau knurrt. 
Alte Frau! Alte Frau!
Die alte Frau überlegt, überlegt mit leerem Magen. 
Überlegt was sie tun soll.
Mit ihrem beschränkten Verstand. 
Mit ihrer dreckigen Fantasie.

Dies wird gesungen wie ein lustiges Kinderlied, oder eher noch wie ein Klassiker aus der Zeit der späten Neuen Deutschen Welle, und die Arbeiter der Fischfabrik tanzen beschwingt und grinsen in die Kamera.

Oder:

Ich bin entschlossen und bereit.
Ich bin entschlossen und bereit.
Nichts Gutes wird geschehen, mein fester Glaube war dumm.
Gehofft habe ich, weil ich jung war.
Bringt ihn um, bringt ihn verdammt noch mal um!
Bringt den verlogenen Kappa um.
Bringt ihn verdammt noch mal um!

Und hier tanzen und hüpfen und springen und plantschen Asuka und die Gruppe der Kappas im Wasser herum wie betrunkene Kindergartenkinder und haben sichtlich Spaß bei dem Versuch, so ausgelassen wie möglich herumzuhüpfen.

Was das soll? Nun ja, UNDERWATER LOVE ist ein Musical! Ein Pink-Musical!! Hier wird zu klassischem New Wave gesungen und getanzt (eher gehüpft), man hat Sex, und dazwischen wird ein Liebesdrama präsentiert das sich gewaschen hat. Im wahrsten Sinn, denn Aiku muss seine Bewässerungsmulde so nass wie möglich halten, damit er nicht austrocknet und seine Kraft verliert. Also steht er eigentlich ständig unter der Dusche, oder er wird von den Frauen in der Fischfabrik nassgespritzt. Alle Schauspieler scheinen dabei ein Maximum an Spaß zu haben, und viele Szenen wirken so improvisiert und absolut natürlich wie von Klaus Lemke gedreht. Vor allem Sawa Masaki als Asuka möchte man die ganze Zeit am liebsten in den Arm nehmen und knuddeln, so süß und liebenswert wie sie „spielt“.

UNDERWATER LOVE ist genau das durchgeknallte und abgefahrene Nippon-Kino, das seinen guten Ruf zu Recht hat. Hier verquickt mit Musik und Sex, mit vielen Lachern und ein klein wenig Tränen. Und mit dem Gott des Todes, den ich mir so wie hier irgendwie noch nie vorgestellt habe. Als Mann im engen blumigen Sommerkleid, mit Jesus-Latschen, dauerrauchend und –saufend, und mit Banzai-Stirnband um die wilde Haarpracht zu bändigen …

Schwere Empfehlung für alle die denken, sie hätten schon alles gesehen!

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