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"Der Legionär" ist einer von Jean-Claude van Dammes letzten Kinofilmen. Schon nach dem starken "Maximum Risk" ging es zwar langsam, aber kontinuirlich bergab. Die Idee zu diesem Actionabenteuer stammt von Jean-Claude selbst und seinem alten Kumpel Sheldon Lettich, der schon mit dem Belgier in "Geballte Ladung" für Action satt sorgte. Herausgekommen ist ein Berg voller Klischees, den Regisseur Peter MacDonald (Rambo III, Unendliche Geschichte 3) in schicke Bilder packt. Mit den Produzenten Moshe Diamant und Samuel Hadida brachte man es auf ordentliche 35 Millionen Dollar, für einen derartigen Film eine echte Summe.

Marseille 1925: Der Boxer Alain Levefre (Jean-Claude van Damme) soll bei einem Kampf in der zweiten Runde zu Boden gehen. Mafiaboss Lucien Galgani (Jim Carter) zahlt ihm dafür eine ordentliche Summe. Doch Alain haut seinen Gegner Julot (Joe Montana) zu Boden. Von nun ist Alain auf der Flucht. Sein bester Kumpel wird erschossen und Alain schafft es in das Büro der Fremdenlegion zu flüchten. Dort schreibt er sich ein und landet mitten in der Wüste von Marokko. Im Engländer Mackintosh (Nicholas Farrell), dem Italiener Guido (Daniel Caltagirone) und dem Schwarzen Luther (Adewale Akinnouye-Agbaje) findet er schnell neue Freunde, doch die Legion ist die Hölle. In der heissen Wüste muss Alain gegen die Berber kämpfen und bald auch gegen zwei von Galganis Killern.

"Marschier oder stirb" lässt grüßen, leider hat es bei Lettich nur zu einer Kopie gereicht, die sich bei so ziemlich jedem Klischee bedient. Zu Beginn ist Alain noch in Marseille und will Galgani obendrein noch die Freundin klauen. Mit ihr will er sich nach Amerika absetzen, nur warum lässt er sich nicht einfach zu Boden fallen und streicht die Kohle ein ? Dann wäre ihm seine geplante Flucht gut gelungen. Aber der Stolz kann auch ein Leid sein und so findet sich Alain schnell im Rekrutierungsbüro der Fremdenlegion wieder. MacDonald fackelt nicht lange und schickt seinen Star nach einer knappen Viertelstunde schon in die Wüste. Es folgt ein hartes Training mit unsympathischen Ausbildern, eine kleine Prügelei mit einem Großkotz und natürlich schließt man Freundschaft mit ein paar Klischeecharakteren, die von verschiedener Nationalität sind.

Die heisse Wüste Marokkos hat MacDonald in Hochglanzbilder eingefangen. Die nostalgischen Uniformen, die alten Waffen und kargen Einrichtung lassen die 20er Jahre wieder aufleben. Hier hat man wirklich keine Kosten gescheut, um authentisch in Szene zu setzen. Die Fremdenlegion war unerbittlich und verheizte ihre Soldaten in sinnlosen Schlachten. Das bekommt Alain bald zu spüren, denn das Training ist beendet und man macht sich auf einen langen Marsch durch die Wüste auf. Es gilt ein Fort zu erreichen in der Nähe der Grenze, um die Berber aufzuhalten. Zwischendurch gibt es die üblichen Botschaften, zum Beispiel steht der Mut über allem, es ist eine Ehre im Kampf zu fallen und gestorben wird ebenfalls nur patriotisch. So hat man viele Dialoge schon mal gehört, das Geschehen bleibt stets vorhersehbar. Jedoch leben auch einige Charaktere ab, die man liebgewonnen hat.

Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den Actionszenen und hier bringt MacDonald seine Erfahrungen aus "Rambo III" mit ein. Die Konfrontationen zwischen der Legion und den Berbern fallen ziemlich spektakulär aus, aber es gibt nur wenige. So bleibt der Angriff am Wasserloch, eine kurze Schlacht am Fort und das Finale, welches den absoluten Höhepunkt darstellt. Bei den Wüstenkämpfen wird im Sekundentakt gestorben, zahlreiche Waffen wie Messer, Schwerter, MGs oder Granaten kommen zum Einsatz. Überall Explosionen und Leichen, dank MacDonald fühlt man sich mittendrin und der Bodycount ist recht hoch. Für eine FSK 12 Freigabe ist "Der Legionär" wirklich sehr heftig, denn es gibt einige blutige Einschüsse zu begutachten. Das wahre Talent des Belgiers wird jedoch vernachlässigt, was den meisten Fans sicher bitter aufgestoßen ist. Bis auf den Boxkampf und eine kleine Klopperei im Quartier hat Van Damme keinerlei Kämpfe zu bestehen. Und selbst diese zwei Fights fallen old schoolig aus, ohne jegliche Martial Arts Einlagen.

Insgesamt dürfte es ein wenig mehr Action sein, aber die 94 Minuten vergehen trotzdem wie im Fluge. Jean-Claude Van Damme (Harte Ziele, Mit stählerner Faust) macht seine Sache ganz gut, obwohl sein Charakter schauspieltechnisch nicht sonderlich viel zu tun hat. Steven Berkoff (Octopussy, Rambo II) nimmt man den gnadenlosen Sgt. Steinkampf gut ab, auch bei der restlichen Darsteller-Riege besteht kein Grund zur Klage.

Der Film hätte durchaus eine höhere Wertung verdient, wäre da nicht die vorhersehbare Story, welche kein Klischee auslässt und mit viel Pathos aufwartet. MacDonald hat einen guten Job gemacht, besonders die Schlachten sind schick in Szene gesetzt, auch die Kulisse wird voll genutzt. Die Darsteller können sich auch sehen lassen und auch fast ohne Zweikämpfe, dürfte "Der Legionär" die Fans des Belgiers größtenteils zufrieden stellen.

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