Leslie Charteris war der Erfinder des berühmten Diebes mit den Initialen S.T, also "The Saint" (Der Heilige). Er wurde auch gerne als moderner Robin Hood bezeichnet, da er gestohlene Ware gerne an die Eigentümer zurückgibt, oder gewisse Summen von Bösewichten einfach spendet. Natürlich schlug Simon Templar daraus Kapital, die Serie mit Roger Moore in der Hauptrolle startete Anfang der 60er Jahre und beherbergt auch die beiden Spielfilme "Hermetico - Die unsichtbare Region" und "Die sizilianische Mafia". Besonders im Entstehungsland England erfreute sich die Krimiserie größter Beliebtheit, für Hollywood ein guter Grund an diesen Erfolg anzuknüpfen. Doch Jonathan Hensleigh (Stirb Langsam - Jetzt erst recht, Jumanji) und Wesley Strick (Kap der Angst, A Nightmare on Elmstreet) schluderten nur eine hanebüchene Geschichte hin, welche der Australier Phillip Noyce (Die Stunde der Patrioten, Der Knochenjäger) mit knappen siebzig Millionen Dollar in die Tat umsetzte. Für jeden Liebhaber der Serie ein Schlag ins Gesicht, doch egal, hauptsache die Einnahmen stimmten, was leider auch der Fall war.
Der Meisterdieb Simon Templar (Val Kilmer) erledigt die kniffligsten Aufgaben, nun wird er vom russischen Industriellen Ivan Tretiak (Rade Serbedzija) angeheuert, um der Wissenschaftlerin Dr. Emma Russell (Elisabeth Shue) eine Formel für die kalte Fusion abzujagen. Tretiak und sein Sohn Ilya (Valeri Nikolayev) planen so die gesamte russische Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen und Präsident Karpov (Yevgeni Lazarev) abzusetzen. Zuvor haben sie die gesamten Heizölvorräte verschwinden lassen, im kalten Russland herrscht eine Revolution. Doch Templar verliebt sich nicht nur in Emma, sondern erkennt auch rechtzeitig den Hintergedanken seines Auftraggebers. Mit einem gewieften Plan will er Tretiak zu Fall bringen.
Eine dämlichere Story hätte man nicht aus dem Hut ziehen können. Da hortet Tretiak die gesamten Heizölvorräte unter seiner Bude und will mit einer nie zuvor erprobten Formel bei der russischen Bevölkerung punkten. Die krude Geschichte hat solch einen Bart und obendrein klischeeträchtige Fieslinge. Russland kommt dabei sehr schlecht weg, hier kooperiert sogar die Rote Armee mit der Mafia. Aber anstatt sich auf den Plot zu konzentrieren, serviert uns Noyce eine langweilige Romanze, die den Großteil des Films einnimmt. Nur Templar hat seine wahre Freude, denn er darf sich jede Minute in ein anderes Kostüm schwingen und stets in einem anderen Dialekt daherplappern. Über unseren Helden erfahren wir viel zu wenig, die Sequenz gibt ein wenig Aufschluss über seine verkorkste Kindheit und wie er begann seine speziellen Fähigkeiten zu entwickeln. Trotzdem, wer die Serie nicht kennt, für den ist Simon Templer hier wirklich ein Geist, ein einfaches Abziehbild von einem Charakter. Natürlich handelt es sich hierbei mal wieder um den letzten Auftrag, denn dann sind die fünfzig Millionen auf dem Konto erreicht und das Chamäleon will sich faul vor den Ofen legen. Doch dem Zuschauer dürfte es schon im Auftakt dämmern, mit was er es hier zu tun bekommt.
Noyce scheint sein Handwerk entweder verlernt zu haben oder er hatte keinen Bock. Jedenfalls ist der Einbruch mit kleinem Zweikampf dermaßen unspektakulär und unspannend, schlechter hätte man es nicht in Szene setzen können. Allgemein fallen die extrem sprälich gesähten Actionszenen sehr hölzern und zahm aus. Ein paar Verfolgungsjagden und Versteckspiele stehen auf dem Speiseplan, Simon ist seinen Häschern zu überlegen, Spannung will daher kaum aufkommen. Aber eigentlich steht die Lovestory zwischen unserem Geist und Emma im Mittelpunkt, das langweilige Gesülze raubt einem besonders in der ersten Halbzeit den letzten Nerv. Gegen Ende ist das Erzähltempo wenigstens höher, Templar muss sogar mit im Untergrund lebenden Rebellen zusammenarbeiten. Doch die Frage aller Fragen, wo kriegt der Gute immer seine Kostüme her ? Er wechselt seine Verkleidung schneller als ein normaler Mensch nur braucht, um die Hose hochzuziehen. Das Ganze ist einfach nur lächerlich und Hauptdarsteller Val Kilmer (Batman Forever, Spartan) quält sich mit begrenzter Mimik und Gestik durch diesen Film, genauso wie bei Noyce hält sich sein Enthusiasmus schwer in Grenzen. Immerhin Elisabeth Shue (Hollow Man, Link, der Butler) scheint ihren Job ernst zu nehmen und gibt sich Mühe. Der Rest des Feldes kann in keinster Weise Akzente setzen, alles spielt sich auf zu durchschnittlichem Niveau ab.
Ein durchweg langweiliger und unspektakulärer Aufguss der sympathischen Serie. Vielleicht für Faschingsfreunde interessant, da Kilmer hier andauernd sein Aussehen verändert. Die Story ist Quatsch mit Soße, die Action lahm und Kilmer gibt sich kaum Mühe. Graeme Revells Score ist aber klasse, ein paar brauchbare Ansätze sind auch vorhanden, doch nichtmal das jüngere Publikum dürfte sich gut unterhalten fühlen.