Geheiligt werde dein Tarnname
Für „The Saint“ hat Val Kilmer liebend gerne seinen zweiten Auftritt als Batman abgelehnt - eine gute Entscheidung, muss man im Nachhinein sagen. Erstens weil man weiß, was aus „Batman & Robin“ wurde, zweitens weil man weiß, wie unglücklich er beim Dreh als Fledermausheld war und drittens weil diese kurzweilige Cold War-Agenten-Mischpoke mit ihm in allerlei Verkleidungen gar keine übler Zeitvertreib in „Mission: Impossible“-Tradition und mit massig 90s-Flair ist. Wir folgen einem Meisterdieb und Verwandlungskünstler, der sich im Wettlauf mit bösen Russen um eine neue, unendlich mächtige Technologie befindet und der sich dabei in die schöne Wissenschaftlerin verliebt, die die Formel vollendet hat…
Schnurrbart & Sprachkunst
Wo der Held Kronleuchter abschiesst, damit diese auf die bösen Buben fallen und er nicht als Mörder dasteht. Wo man nur kurz auf ein riesiges Gebäude wie den Kreml gucken muss und direkt in einem der Fenster die Person sieht, die man sucht. Wo der Soldat als Türsteher der US-Botschaft arbeitet und dennoch unsere wichtige Wissenschaftlerin den Rest des Films eskortieren will/darf. So ein Film ist „The Saint“. Und auch wenn sich das noch dümmer liest als anschaut, bin ich ihm deswegen kaum böse. Er ist genauso Comic oder Videospiel wie Spionagethriller. Val Kilmer geht in seinen etlichen „Rollen“ sichtbar auf. Das muss eine wahre Erlösung für ihn nach seinem ganz persönlichen Batman-Debakel gewesen sein. Und in Frau Shue verknallen sich nicht nur Karate Kids. Von der Action bleibt nichts länger als fünf Minuten hängen, über Russland hängt dagegen eintönig und dauerhaft ein Blaufilter. Dröge für's Auge. Einen heroischen Score sucht man vergebens. Und Russlands Streben nach einem „großen Reich wie einst“ macht heute wohl mehr Angst als damals. Insgesamt ist „The Saint“ charmanter und temporeicher Unsinn.
Fazit: flotte, aber irgendwie auch leere Kreuzung zwischen Espionage- und Superheldenaction, der man Kilmer zumindest nicht fehlendes Engagement vorwerfen kann… Ein bisschen Bourne in früher und weniger gut. Und an Karneval. Mit vielen Akzenten.