Oh weh, wenn ich schon ein Datum als Filmtitel lese, dann sind die Sorgen schon groß, da kann ja nur Konfektionsware kommen.
Den informierten Filmfan kann vielleicht die Tatsache beruhigen, daß hier Darren Lynn Bousman auf dem Regiestuhl saß, aber es ist leider nicht der Bousman von "Repo: The Genetic Opera", sondern der von "Saw IV" und "Mother's Day".
Wie alles endelt: Also Weltverschwörungen und Untergangsszenarios für das aktuelle Jahr 2012 zum Trotz: der 11.11.2011 ist oder war der ominöse Tag, wo sich alles ändert/geändert hat/ändern wird. Das leiern die Internetjunkies, genannt die "Elfer" (hach, wie originell) rauf und runter und da fühlt sich unser armer Held, der Thrillerautor Joseph Crone (oha, biblischer Vorname) natürlich bestätigt, hat die Zahl doch einen äußerst ungünstigen Einfluß auf sein Leben: Mutter an einem Elften abgefackelt, der Bruder im Rollstuhl gelandet, Frau und Sohnemann an so einem Datum gemeuchelt und um 11 Uhr 11 fährt ihm auch noch einer den Wagen zu Klump.
Heute (im Film) ist der 7.11.11 und sein Dad liegt in Barcelona im Sterben - zweifelt da jetzt noch jemand, daß selbiger genau am Elften des Monats sterben wird?
Ich mach es kurz: "11-11-11" ist einfach ein tierisch abgedroschener und deshalb kacköder Okkulthorror, der endlos mit der Frage rumfrickelt, wer hier von den bösen Mächten eigentlich in den Fokus genommen wird, Joseph oder sein Priesterbruder Samuel (oha, noch ein...ihr wißt schon...), der hier als Licht der Welt durch die Gegend juckelt und rollt. Alle murmeln hier fiese Andeutungen oder lassen den Beruhigungssermon gegen Zahlenparanoia vom Stapel, überall zeigen sich dämonische Gestalten und Formen; ein Durchgeknallter fummelt ständig mit einer Waffe rum und salbadert zusammenhangsloses Zeugs und auf den Videobildern der Hausüberwachung zeigen sich seltsame Figuren. Und alles jubelt und schaut nur auf die Uhr, wann wir endlich zu dem unvermeidlichen Plottwist kommen, der uns endlich über das Offensichtliche aufklärt.
Bis es soweit ist, scheucht eine mörderisch mies gewählte Synchro das Publikum durch einen Plot Marke "Anfahren mit angezogener Handbremse", der stets mächtig andeutet, aber alles dann doch in der totalen Schwebe hält. Damit das auch überdeutlich wird, läßt Bousman, subtil wie er nunmal ist, einen intensiven Graublau-Filter über jedes Bild legen, was stark farbentsättigend wirkt und für das richtige "Incoming-Doom"-Feeling sorgt.
Wenn wir dann wenigstens noch eine Figur hätten, mit der man durch die Hölle und zurück müßte und die das nicht verdient, aber der Nervfaktor verhindert auch hier das Notwendigste an Sympathiefaktor.
Timothy Gibbs als Protagonist ist von Szene 1 an so fertig und durch, daß man eigentlich nur noch den Abzug betätigen müßte und Michael Landes als sein Bruder ist komplett religiös-beratungsresistent, wie man es von einem Gottesmann erwarten kann. Argumentativ hacken die beiden alsbald ständig aufeinander rum, da wird Gott, das Schicksal und der malade Daddy gedisst und letzterer stiehlt sich immer wieder aus dem Bette, um mysteriöse Andeutungen zu machen. Die augenrollende Haushälterin hätte auch gut in das "Omen" oder das "Kuckucksnest" gepaßt und die schnuckelige Sadie aus der Selbsthilfegruppe läuft so auffällig in Dauerschwarz rum, daß ihre chronische Hilfsbereitschaft irgendwie doch nicht so ganz echt sein kann.
Natürlich ist das Ende der Welt mal wieder nahe, auch wenn wir hier den Leibhaftigen persönlich ausnahmsweise in Ruhe lassen, aber wenn es dann am Ende endlich ans Eingemachte geht, wird das vorher Gezeigte nicht eben erhellender, sinnvoller oder sättigender. Anstatt Häppchen zu verteilen und ein Puzzle zusammen zu setzen, wird hier ständig nur mehr Verwirrung gestiftet oder bestenfalls auf der Stelle getreten und so opulente Locations wie in Barcelona so derbe mit einem Farbfilter zu verheizen, ist schon mal Dilletantismus auf ganz hohem Niveau.
Ich bin mal fies und verrate den Schluß nicht, der allerdings auf der ganz hohen Scheißegalebene ein Sesselchen stehen hat, weil der letzte Nerv schon vorher getötet wurde. Atmosphäre wird jedenfalls nicht für fünf Cents produziert.
Bestimmt findet sich der Eine oder Andere, der das alles total spannend und atmosphärisch findet, creepy und doomig, für mich ist das nur ein uninspirierter Schnellschuß, gegen den sogar Stinkkäse wie "Stigmata" eine runde Sache sind. Aber vielleicht brauchte Bousman auch nur den Scheck und hat auf ein uraltes eigenes Skript zur Vertragserfüllung zurück gegriffen, um dann "The Devil's Carnival" drehen zu können. In der Videothek steht auf jeden Fall ne Menge Besseres. (3/10)