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Teenagerin Alicia (Anna Karczmarczyk) ist ein eher stilles, unauffälliges Mädchen und neu in der Schule, da sie erst vor ein paar Monate in die Stadt gezogen ist. Eher zufällig gerät sie an die Clique der lauten, selbstbewussten und etwas ordinären Milena (Dagmara Krasowska), zu der noch zwei andere Mädchen gehören, Kaja und Julia. Diese drei Mädchen finanzieren sich ihre teuren Klamotten, Smartphones und andere Statussymbole dadurch, dass sie sich für Sex bezahlen lassen. Sie sprechen offensiv Männer in der Shopping Mall an, die dann entweder "anbeissen" oder nicht. Zunächst ist Alicia eher etwas angewidert davon, allerdings hätte sie auch gerne ein besseres Handy und ihr Verehrer, Mihal, ist zwar nett, aber sehr schüchtern. Das Ganze eskaliert langsam, als Julia aus der Clique, schwanger wird und in ein Jugendheim soll und Alicias Widerstand gegen den bezahlten Sex schwindet...

Der Debütfilm der polnische Regisseurin Katarzyna Roslaniec aus dem Jahr 2009 schildert ein im ersten Moment bizarres soziales Phänomen, dass, wenn man nachforscht, gar nicht so selten ist: Konsumprostitution. Und anders als klassische Prostituierte sprechen die jungen Shopping Girls ihre "Kunden" direkt in der Mall an und sagen auch "Sex gegen ein neues Handy". Die Mädchen des Films kommen aus z. T. zerrütteten Familien (v. a. Julia oder auch Ala, die ihre Mutter in flagranti mit einem jungen Mann überrascht und dieses Wissen geschickt zu ihrem Vorteil ausnutzt), aber primär sind sie genervt von der Armut und wollen sich etwas Schönes leisten. Dass sie letztendlich nicht anders als professionelle Nutten sind, kommt ihnen gar nicht in den Sinn, schließlich wollen sie ja nur mal einen sexy Rock oder neue Schuhe - und anders geht es halt nicht, die Eltern haben ja auch kein Geld.
Milena, die Anführerin der Clique, verachtet Männer schließlich immer mehr und will mit Ala/Alicia sogar zusammenziehen. Beide unterhalten sich an einer Stelle des Films darüber, wie es wohl sei, wenn Sex einmal Spaß machen würde - eine bittere Erkenntnis.
Die interessanteste Figur ist natürlich Ala, die langsam zu einem Mitglied der Clique mutiert, sich schminkt und aufreizendere Klamotten trägt, aber nie so krass wie Milena wird. Zwar wird auch sie immer "raffinierter", aber immer wieder versucht sie es mit dem schüchternen Mihal, jemand, der ihr viel näher steht als die laute Milena.
Anna Karczmarczyk spielt Ala überzeugend mit der nötigen Zurückhaltung und Stille, die immer mehr in Milenas Sog hineingezogen wird.
Allerdings bleibt der Film in der Konstellation etwas zu sehr konventionellen Figurenkonstellationen verpflichtet (Schwache wird stark, Starke wird schwach), um wirklich zu überraschen, allerdings ist Ala's Figur so interessant, dass es nie langweilig wird, ihr zuzusehen.
Gut war zudem der polnische Hip-Hop als Soundtrack des Films, der tatsächlich die Stimmung des Films gezielt unterstrich, ohne zu nerven oder zu irritieren.
Vermutlich gibt es das Phänomen der Konsumprostitution überall, nämlich da, wo sich eine schöne, meist junge Frau von einem älterem, meist reichen Mann aushalten lässt. Wegen innerer Werte sind die Ladys sicher nicht mit faltigen Typen zusammen, die ihre Väter sein könnten.
"Galerianki - Shopping Girls" beschreibt quasi die Hartz-4-Version dieses Phänomens. Prägnant (nur 75 Minuten lang), gut gespielt, am Ende etwas zu dramatisch und manchmal holprig inszeniert, aber dennoch insgesamt sehenswert.

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