Auch wenn das 1968-Original der Geschichte um die Affen, die statt der Menschen die Welt beherrschen, aus heutiger Sicht nur noch eine naiv anmutende Gesellschaftskritik aufweisen kann, so war dessen Intention zum Zeitpunkt rassistischer Unruhen und des Vietnam-Kriegs plausibel. Nun wäre es ebenso naiv, diese Gesellschaftsprobleme als überwunden anzusehen, aber mit einer Umkehrung der Rollen - hier die intelligenten Tiere, dort die primitiven Menschen - wäre heute kein Innovationspreis mehr zu gewinnen, genauso wie die Empörung ausbliebe, wenn ein Mann eine sehr menschlich wirkende Affenfrau küsste.
Ein Prequel zu "Planet der Affen" zu entwerfen, birgt entsprechende Gefahren - entweder man entfernt sich zu sehr von der ursprünglichen Story, um eine aktuelle Gesellschaftskritik zu vermitteln, oder man verwässert die gesamte Thematik, um mit aktueller Technik einen Action-Film über den Kampf "Mensch gegen Affe" auf die Leinwand zu bringen. Tatsächlich treffen beide Varianten auf "Planet der Affen: Prevolution" zu, aber der Film ist trotzdem oder gerade deswegen gelungen. Statt Rassismus und Aufrüstungswahn, steht hier die Kritik an rigorosem Profitdenken und unkontrollierbarem Forschungseifer im Mittelpunkt, so wie es tatsächlich zum Show-Down einer intelligent geführten Affenhorde mit den wie üblich nur herumballernden Menschen kommt - das es funktioniert, liegt daran, das der Film sich in allen Bereichen wohltuend zurückhält.
Anders ausgedrückt ist "Planet der Affen: Prevolution" ein eigenständiger Film geworden, der ein wenig von dem Mythos der Urserie lebt und von dem wissenden Schauer, dass am Ende die Affen die Welt regieren könnten, der aber über die Andeutung dieser Situation nicht hinaus geht. Erstaunlich ist, dass es der Film nicht nötig hat, mit übertrieben negativ gestalteten Figuren zu polarisieren, sondern die menschliche Gesellschaft in einer Normalität zu zeigen, die allgemein akzeptiert ist. Weder das Verhalten des Firmenbosses Steven Jacobs (David Oyelowo), für den die Gesetze der Rendite gelten, noch des Leiters des Affenkäfigs, John Landon (Brian Cox), in dem die Tiere wenig artgerecht, aber den Umständen entsprechend, gehalten werden, sind übertrieben gezeichnet, so wie auch die Reaktion des Nachbarn Hunsiker (David Hewlett), der Angst vor dem Schimpansen Ceasar hat, und der mit dem an Alzheimer erkrankten Vater (John Lithgow) des Forschers Will Rodman (James Franco) nicht umgehen kann, nachvollziehbar, wenn auch wenig sympathisch ist.
Im Gegenteil ist Jacobs Reaktion, die Forschungsarbeit seines Laborleiters Rodman einzustellen, als ein mit einem neu entwickelten Serum getestetes Affen-Weibchen Amok läuft, sehr vernünftig und die Anweisung, die übrigen Tiere einzuschläfern, üblich. Das der Tierpfleger Franklin (Tyler Labine), nachdem er diesen Anweisungen gefolgt ist, ein neu geborenes Affen-Baby nicht auch noch töten will, sondern es Rodman übergibt, wird emotional genauso zurückhaltend vermittelt, wie die Tatsache, dass dieses Baby für den Amoklauf der Auslöser war und nicht die Nebenwirkung des Serums. Nur deshalb riskiert es Rodman, das Mittel seinem zunehmend dahin siechenden Vater zu injizieren, der daraufhin erstaunliche Fortschritte macht und teilweise bessere Fähigkeiten erreicht, als vor seiner Alzheimer -Erkrankung.
Der Film konzentriert sich auf die Entwicklung des hyper-intelligenten Affen Caesar, in dessen Genen die Auswirkungen des Serums schlummern, dass seiner Mutter verabreicht wurde, und der Freundschaft zu Rodman, ohne jemals den üblichen Tier - Mensch Abstand aufzuheben. So hat die Beziehung Rodmans zu der hübschen Tierärztin Caroline (Frieda Pinto), die in ihrer selbstverständlichen Gestaltung schwer zu überbieten ist, nur einen wesentlichen Moment, als Caesar von einer Baumkrone aus zusieht, wie Rodman Caroline küsst. So eng die Beziehung zwischen den Beiden sein mag, nie werden die Grenzen der Zugehörigkeit überschritten, letztlich auch der Auslöser dafür, dass sich Caesar zunehmend seinen Artgenossen zuwendet.
Die Qualität des Films liegt darin, die hier gezeigte Entwicklung nicht einigen Verrückter oder machthungrigen Zeitgenossen zuzuschieben, sondern diese als nicht einschätzbaren, sich jeder Kontrolle entziehenden Prozess darzustellen, der selbst am Ende des Films in seinen Ausmaßen noch keinem Menschen bewusst ist. Entsprechend gibt es in "Planet der Affen: Prevolution" weder den voraussehenden Warner vor der Katastrophe, noch einen Helden, der diese im letzten Moment verhindert. Es gibt nur sympathischere und weniger sympathischere Zeitgenossen, von denen einzig der Sohn des Leiters des Affenkäfigs als sadistischer Tierwärter negativ hervor sticht.
Das ist der Tatsache geschuldet, dass es sich bei dem Film nebenbei um einen Block-Buster-Film handelt, der auch ein gewisses Spektakel veranstalten will. Das Verhältnis zwischen Charakterentwicklung und Action bleibt aber immer stimmig, so wie diese nie zum Selbstzweck wird. Das der Film seine kritische Botschaft sehr dezent verbreitet, ist ihm dagegen nicht anzulasten, da er genauso darauf verzichtet, übertrieben emotional zu argumentieren - überzeugend ist er dagegen in seiner Beschreibung eines Prozesses, der nicht verhindert werden kann und der damit auch einen Blick auf das Primitive im Menschen freigibt (8,5/10).