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"Ihr Affe. Er hat gesprochen."

Wissenschaftler Will Rodman (James Franco) arbeitet an einer Versuchsreihe zur Entwicklung eines Medikamentes für die Bekämpfung von Alzheimer. Bei seinen Tierversuchen stellt er bei einer Schimpansin eine Steigerung der Intelligenz fest. Das Tier versucht allerdings auszubrechen und greift dabei Mitarbeiter und den Führungsstab an. Der Grund für das aggressive Verhalten des Tieres war allerdings nicht das Medikament, sondern die mütterliche Funktion zum Schutze ihres Nachkommen. Einzig dieses Affenbaby kann Will lebendig aus dem Pharmaunternehmen retten, während die restlichen Versuchstiere eingeschläfert werden.
Es stellt sich heraus, dass der nun Caesar genannte Affe den Einfluss des Medikamentes übernommen hat. Neben seiner Intelligenz steigt auch sein motorisches Verhalten und sein Erinnerungsvermögen. Will führt daher seine Versuche privat weiter und testet neue Präparate bei seinem an Alzheimer erkranktem Vater Charles (John Lithgow). Mit enormen Erfolg. Schon in kurzer Zeit regenerieren sich seine Gehirnfunktionen und die Krankheit scheint besiegt. Caesar's Intelligenz und Wahrnehmung gleichen sich allerdings gleichzeitig immer mehr dem Menschen an, sodass er nicht dauerhaft als Haustier gehalten werden kann.

Hollywood-Neuling Rupert Wyatt verpasst der "Planet der Affen"-Reihe eine Frischzellenkur und erzählt die Geschichte vom Aufstieg der Affen, in Anlehnung an "Die Eroberung vom Planet der Affen" von Anfang an neu. Was der Regisseur auf die Leinwand bringt, ist in einem durch größtenteils seelenlose Remakes und krawallartige Fortsetzungen gebeutelten Kinojahr erstaunlich. "Planet der Affen: Prevolution" ist eine funktionierende Mischung aus Mainstream-Unterhaltung und starker Handlung, die besonders durch den hervorragenden Einsatz der Performance-Capture-Technik überzeugen kann.

Ansätze eines komplexen Dramas finden sich in der Konstellation der Figuren. Die persönliche Misere zwischen der Hauptfigur Will und ihrem Vater ist ein funktioneller Beginn für die sich später offenbarenden Ereignisse. Der Einstieg über die menschlichen Figuren ist aber nur vorübergehend, denn der Fokus verschiebt sich immer mehr auf den wirklichen Star: Den Affen Caesar.
Die digitale Figur erhält durch die Performance-Capture-Technik und dem zugrunde liegenden Schauspiel von Andy Serkis, der bereits Gollum und King Kong aus Peter Jackson's Werken zum Leben erweckte, eine unglaublich verständliche Mimik, die sie enorm nachvollziehbar macht. Die Entwicklung von Caesar geschieht in kleinen Schritten und über viele Jahre hinweg. Subtil wird die erschreckende Wandlung von unterwürfigem Haustier zu eigenständigem Rebell durch Erlebnisse und Erfahrungen in der menschlichen Welt beschrieben. "Planet der Affen: Prevolution" geht hier den richtigen Weg und bindet den Zuschauer an eine ambivalente Figur, die eine verständliche Charakterwandlung durchmacht.

Das Charakterdrama wird immer wieder durch kurze actionreiche Segmente aufgelockert, die im Finale in einer fulminanten Konfrontation zwischen technologisch gestützen Menschen und brachialen Affen mündet. Technisch bietet "Planet der Affen: Prevolution" bis dahin nicht nur die spektakuläre Animation der digital erstellten Affen, sondern auch dynamische Kamerafahrten, die erstaunliche Landschaftsbilder zutage führt.

Neben der außerordentlichen Präsentation von Andy Serkis' Affen werden die weiteren Darsteller schon beinahe zu Statisten. James Franco ("127 Hours", "Spider-Man"-Reihe) strahlt stets eine große Natürlichkeit aus und unterstreicht damit die Verbindung zwischen ihm und seinem tierischen Gesellen. Den Rest trifft es mangels visueller Präsenz schlechter. Gerade für Freida Pinto ("Slumdog Millionär") fällt die Rolle als Tierärztin arg glatt aus. Dagegen hat es Tom Felton ("Harry Potter"-Reihe) sowie John Lithgow ("Dexter") ein wenig besser getroffen.

"Planet der Affen: Prevolution" gelingt es seine intelligente Geschichte packend zu erzählen und in Form von nachvollziehbaren Charakteren zu dramatisieren. Die Anzahl an Actionszenen ist übersichtlich, dafür aber wuchtig gehalten. Der bombastische Soundtrack, die beeindruckende Technik und die dynamischen Kamerafahrten erschaffen eine dichte Atmosphäre. Abgerundet wird der Film mit diversen eingebetteten Zitaten und Hinweisen zur Reihe aus den 70ern sowie einem möglichen Übergang zu ihnen während dem Abspann. Nur ein paar Längen während der Einstiegsphase trüben das sonst souveräne Werk. Knappe...

9 / 10

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