Wie ein guter Tatort, nur mit mehr bärtigen Männern und Elchen
Ich wiederhole mich, wenn ich stets zum Konsum skandinavischer Filme insbesondere Thrillern aufrufe. Oft ist die dort präsentierte Mischung aus Atmosphäre, Härte und guten Darstellern mit für uns relativ unverbrauchten Gesichtern sehr zu empfehlen. DIE NACHT DER JÄGER ist zudem ein klassischer Krimi, es gibt einen Mord, Verdächtige und es gilt den eigentlichen Täter zu überführen. Und wie meist gibt es auch den Zwist zwischen der lokalen Polizei und der Staatspolizei aus der Hauptstadt sowie familiäre geprägte Spannung zwischen diversen Beteiligten. Mittels dieser Zutaten bekommen wir einen sehr soliden und atmosphärischen Beitrag zu sehen, der lediglich etwas zu lang mit seinen über 2 Stunden Laufzeit geraten ist.
DIE NACHT DER JÄGER ist die Fortsetzung von HUNTERS – DIE SPUR DER JÄGER, aber er lässt sich auch ohne diesen als isolierter Krimi verstehen und die Verknüpfungen zwischen beiden sind recht überschaubar. Die Geschichte des ermordeten Mädchens hält sofort zwei Verdächtige parat und erfahrene Krimifans wissen, dass dies meist nicht die am Ende Schuldigen sind. Im speziellen Falle von DIE NACHT DER JÄGER ist allerdings schon nach 15 Minuten klar wer es ist, aber das ist kein wirkliches Problem, denn dann geht es eben darum, Beweise zu finden die den Verdächtigen auch wirklich überführen. Dazu lässt Kommissar Erik Bäckström (Rolf Lassgard), den man als Kurt Wallander aus WALLANDER kennt, auch keine Spur und Idee aus.
Er ist der Fakten orientierte und sympathische Kommissar der zwischen allen Parteien vermitteln muss und eine gute Fragetechnik besitzt und das Wesentliche nicht aus den Augen verliert. Insgesamt werden wir an einen mittelschnellen TATORT erinnert, aber es gibt eine Menge mehr düsteren Look und die die Handlung umgebende schwedische Natur ist jederzeit gut greifbar. Im Rahmen des bedächtigen Aufbaus der Geschichte gibt es auch einige Klischees was insbesondere die Bösen des Films betrifft die als gar garstige Zeitgenossen dargestellt werden. Das schmälert allerdings nicht das Sehvergnügen, was allerdings locker um 15 Minuten hätte gekürzt werden können um etwas mehr Straffheit in der Dramaturgie zu erlangen.
Deswegen ordne ich DIE NACHT DER JÄGER nicht ganz oben in der Beliebtheitsskala ähnlicher Filme ein. Neben Rolf Lassgard als Staatspolizist ist insbesondere Peter Stormare als örtlicher Polizist Torsten zu nennen, der seine vielschichtige Rolle sehr gut mit Leben füllt. Sein Charaktergesicht konnten wir ja schon in Dutzenden internationalen Rollen und z.B. zuletzt in THE LAST STAND und HÄNSEL UND GRETEL: HEXENJÄGER bewundern. Regisseur Kjell Sundvall ist ja hauptsächlich mit den KOMMISSAR BECK Folgen beschäftigt. Unabhängig davon ist mir auch sein letzter Krimi DER LETZTE MORD noch gut im Gedächtnis.
6/10 Punkten