Review

Gesamtbesprechung (Folge 1-13)

Wer kennt nicht dieses Gefühl? Nach einer eindrucksvollen Serie vermischen sich oft gleichsam Stimmungen wie einerseits die Zufriedenheit nach der Sichtung, aber eben auch eine gewisse Bedrückung darüber, dass dieses geniale Erleben nun sein Ende gefunden hat.
Oftmals versucht man dann, ein ähnliches oder auch nur ansatzweise vergleichbares Werk zu finden. Doch nur allzu oft kehrt das behagliche Gefühl wieder, wenn sich herausstellt, dass die vielen Ableger dem Original nicht im geringsten das Wasser reichen können.
Ähnliche negative Vermutungen taten sich vor der Sichtung von Dantalian no Shoka auf. Nach einer solch unglaublich einzigartigen Serie wie Gosick, sollte nun Dantalian no Shoka tatsächlich im gleichen Fahrwasser schwimmen?
Und in der Tat findet man beim genaueren Hinschauen jede menge Parallelen wieder und so lassen sich - die oft zum Leidwesen von Dantalian no Shoka angestellten Vergleiche - nicht ganz vermeiden. Auch hier ist die kleine Hauptprotagonistin Dalian, eine zuckersüße Zimtzicke, die nur allzu gern ihr kleines Mäulchen voller Süßigkeiten und Leckereien stopft. Für so manchen Filmgeschmack dürften diese Szenen, selbst für nicht Diabetiker, zu einem akuten Zuckerschock führen. Alle anderen, auf die das Moe-Genre nicht gleich befremdlich wirkt, bringen statt dessen schmunzelnd ein „Kawaii“ über die Lippen. Konträr zum kleinen Vielfraß, aber eben auch zum männlichen Part in Gosick, ist der smarte und kampferprobte Lord Hugh Edward Disward. Zielsicher streckt er im Notfall mit seinem Revolver den einen oder anderen Widersacher nieder. Für Dalian ist also ihr neuer Begleiter, für die Mission zur Vernichtung aller gefährlichen Phantombücher, mehr als nützlich.
Doch auf die Liste der auffallenden Ähnlichkeiten mit Gosick können weiterhin die Kleidungsstücke sowie die Zeitepoche, die ebenfalls kurz nach dem ersten Weltkrieg angesiedelt ist, zur Notiz genommen werden. Nur sollte man sich nicht andauernd mit Vergleichen bemühen, sondern vielmehr die Serie, trotz der vielen Similaritäten, als eigenständiges Werk betrachten.
Und so fängt auch alles sehr vielversprechend und eigenständig mit einem Monolog vom Protagonisten Hugh Edward Diward an. Dieser resümiert in einem schönen Vorspann, über die Bücherleidenschaft seines Großvaters. In einem Brief vermachte er Hugh sein ländliches Anwesen und die gesamte Familienbibliothek. Nun, sechs Monate später, will er sich die ihm vererbte Residenz mal näher anschauen. Als er dann in dem leerstehenden Haus ankommt, findet er merkwürdige Spuren, die ihn über einen Geheimgang in das Kellergewölbe des Hauses führen. Dort unten trifft er auf die mysteriöse Dalian, die kreidebleich in schummriges Licht getaucht wird, welches goldschimmernd aus einem Wandloch des maroden Gemäuers hervordringt. Zunächst hält er das zierliche Mädchen doch tatsächlich für eine Puppe, bis sie beginnt die Seiten eines Buchs zu bewegen und dem Lord mit ihren violetten Kulleraugen fragende Blicke schenkt.
Und so geraten dann die Beiden, nach den poetisch anmutenden Bildern, in ihren ersten Dialog, der aufgrund des Wortlauts im Testament zu einem sehr amüsanten Missverständnis führt. Spätestens ab hier sollte klar werden, dass trotz des bedeutungsschweren und symbolträchtigen Anfangs, auch lustige Szenen durchaus zugelassen werden.
Dennoch sei erwähnt, dass die komischen Szenen zumeist aus der Situation heraus entstehen und ansonsten, in den zumeist ernsten Handlungsverlauf, nur eher selten mit einfließen. So ist es eben auch dieser knappen Dosierung geschuldet, das die Serie zumeist eine düstere und dramatische Atmosphäre erzeugen kann.
An dieser Stelle sei übrigens noch einmal abschließend anzumerken, dass es bei allen Ähnlichkeiten zu Gosick zwei entscheidende Aspekte gibt, welche die beiden Serien grundlegend voneinander unterscheiden: Dantalian no Shoka bedient sich offenkundig dem phantastischen Element und ist außerdem streng episodisch aufgebaut.
Dabei sind die Geschichten der einzelnen Episoden stets sehr facettenreich und pfiffig ausgefallen. Die Erzählungen drehen sich hauptsächlich um magische Bücher, Flüche, Mordserien und auch das Nachkriegsleben nach den Wirren des ersten Weltkrieges. Gerade am Anfang des Geschehens, lässt sich der Ehrgeiz hinter dem ambitionierten Schaffen des Regisseurs gut erkennen. So hat man sich doch sichtlich sehr viel vorgenommen. Bereits die ersten zwanzig Minuten sind förmlich vollgestopft mit wichtigen Informationen. Während viele interessante Aspekte stets das Interesse des geneigten Zuschauers fördern, bleiben auch Fragen mitunter zusammenhangslos im Raum stehen. Zugegeben dürfte das Entrée für den ein oder anderen vielleicht einen Tick zu temporeich inszeniert sein. Doch erfreulicherweise geht es in der zweiten Folge etwas gemächlicher zu und mit zunehmender Episodenzahl wächst dann auch das Interesse an der Rahmenhandlung. Trotz den abgeschlossenen Minigeschichten ist nämlich eine gewisse Kontinuität gewährleistet. Folgerichtig werden im weiteren Handlungsverlauf offenen Fragen Stück für Stück behandelt. So darf der Zuschauer unter anderem, der sich immer weiter vertiefenden Beziehung der beiden Hauptprotagonisten beiwohnen. Auch das Geheimnis der Phantombücher und deren oft verborgenen aber fatalen Kräfte, werden zunehmend durchleuchtet.
Dabei schafft es die Serie problemlos einen konstanten Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Lediglich der Showdown wirkt durch die Dauerspannung nicht so final, wie es sich vielleicht manch einer erhofft hätte. Einen Preis, den man allerdings angesichts der stets spannenden Vorepisoden, gerne bereit ist zu zahlen. Dennoch bleibt erwähnenswert, dass man den Abschluss trotz alledem als durchaus gelungen bezeichnen kann.
Allerdings gibt es neben der Grundidee und der Handlung selbst, einen weiteren wichtigen Faktor, mit dessen Ausarbeitung die Gesamtqualität einer Serie oft steht oder fällt: Die Rede ist von der Charakterzeichnung.
Und hier hat GAINAX seine Hausaufgaben gemacht - nun ja vielleicht auch nur abgeschrieben - aber dennoch ist das Ergebnis mehr als gelungen. Wie Eingangs erwähnt ist eben eine gewisse Ähnlichkeit mit den Figuren aus Gosick nicht zu verkennen. Dennoch vermögen es die Charaktere auf eigenen Beinen zu stehen. Neben dem liebenswerten Gespann Dalian und Hugh, das sich nur allzu oft neckt, gibt es weitere interessante Figuren die zu gefallen wissen. So hat man mit der weltoffenen Camilla einen gelungen Gegenwurf zur oft quirligen Dalian im Petto, die mit ihren Gefühlen zu Hugh offener umgeht und somit zur Konkurrentin für sie avanciert.
Auch der "Libricide Officer" Hal und seine vorlaute Begleiterin Flam, die scheinbar der gleichen Bestimmung folgen wie unsere Hauptprotagonisten, sind ein sehr interessantes Duo. Nur leider haben sie, ähnlich wie die teuflisch bösen Gegenspieler, zu wenig Screentime. Hier merkt man dann doch, dass es sich „lediglich“ um eine zwölfteilige Serie handelt. Somit bleibt der Fokus dann doch deutlich beim Hauptgespann.
Was den Zeichenstil und die Animationen angeht, ist Dantalian no Shoka ein sehr spezieller Fall. Viele Hintergründe sind oftmals „nur“ abfotografiert und wurden dann nachträglich am PC auf den Animelook umkonvertiert. Sicherlich gilt eine solche Vorgehensweise bei Fans der japanischen Zeichenkunst oftmals als verpönt. Dennoch kann man nicht leugnen, dass die Bilder sehr intensiv und stimmungsvoll ausgefallen sind, ob sie nun von der Hand gezeichnet wurden oder nicht. Vor allem die traumhaft schöne Gegend in der ländlichen Idylle Englands versprüht das gewisse etwas.
Animationstechnisch ist die Serie wiederum auf gutem Serienniveau. Die Bewegungen sind flüssig und die Effekte recht ansehnlich. Außerdem sollte man erwähnen, dass sich trotz anfänglicher Skepsis, die Figuren doch recht gut in die „nicht handgezeichneten“ Hintergründe einfügen. Insgesamt gibt also Dantalian no Shoka, was Zeichenstil und Animationen angeht, eine gute doch recht eigenwillige Figur ab. Klingt doch unterm Strich eigentlich ganz gut oder?
Apropos Klänge. Der Soundtrack der Serie kann sich wirklich hören lassen. Wieder einmal dominant sind klassische Stücke, die gekonnt die oft romantisch viktorianisch anmutenden Bilder treffend musikalisch untermalen und das Gehör des Zuschauers zu verwöhnen wissen.

Fazit:
Mit Dantalian no Shoka versuchte das Studio GAINAX bei der aktuellen Erfolgswelle von Gosick mitzuschwimmen. Dennoch schuf man eine Serie, welche nur oberflächlich dem Meisterwerk vom Studio Bones entlehnt wurde. Die anfängliche Skepsis weicht recht schnell einem wohligen Sehvergnügen. Die Kurzgeschichten sind spannend und abwechslungsreich gestaltet und fügen sich passend in den Hauptplot. Dieser hält spannende Fragen bereit, die den Zuschauer über die gesamte Dauer der Serie beschäftigen. Die Bilder sind, obwohl sie nur abfotografiert wurden, sehr stimmungsvoll aufgenommen. Auch die ansehnlichen Animationen und der famose Soundtrack wissen zu gefallen.
Somit hat Dantalian no Soka genau das Rüstzeug im Gepäck, welches eine sehr gute Serie ausmacht.

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