"Ich werde Berge zerteilen, um dich zu finden!"
Kriegsherr Khalar Zym (Stephen Lang) stößt auf der Suche nach dem letzten Bruchstück der sagenumwobenen Maske von Acheron, die ihrem Träger gottgleiche Macht verleiht und mit der Zym seine Frau aus dem Reich der Toten zurückholen kann, auf ein Dorf von Barbaren. Er überfällt das Dorf, tötet dabei Corin (Ron Perlman), den Vater von Conan (Leo Howard / Jason Momoa), und erbeutet das letzte Stück.
Jahre später streift Conan als Dieb und Sklavenbefreier durch die Lande, stets auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters. Dieser ist mit seiner Tochter Marique (Rose McGowan) auf der Suche nach einer Frau reinen Blutes, das er für sein Ritual benötigt. Zufällig stößt auch Conan auf die gesuchte Person: Die Templerin Tamara (Rachel Nichols).
1982 kam mit “Conan der Barbar” ein düsteres Fantasy-Abenteuer, das sich nur geringfügig an die Romane von Robert E. Howard hielt, allerdings trotzdem zur Referenz im Genre zählt. Die charmante wie stilvolle Barbaren-Action konnte mit einer imposanten Inszenierung überzeugen. Ebenso einer guten Portion Ironie und einem Hauptdarsteller, der trotz weniger Worte vollends die Leinwand einnahm.
Davon enthält Marcus Nispel's ("Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre") Neuverfilmung nichts. Er geht den umgekehrten Weg, liegt näher an den Romanvorlagen und setzt auf moderne Elemente des Kinos, die sich durchsetzen konnten. Entstanden ist dabei ein Hochglanz-Actionfilm ohne Seele.
Zumindest der Einstieg ist noch einigermaßen passabel. Hier baut "Conan" durch imposante Szenen und einer sichtbaren Annäherung zu “Conan der Barbar” einen stimmungsvollen Rahmen auf. Der hält allerdings nicht lange. Nach den ersten 30 Minuten baut Nispel seine Fantasywelt nicht mehr weiter aus, sondern flechtet eine Actionszene an die nächste.
Die kurzen Pausen dazwischen dienen dem verzweifelten Versuch eine Handlung aufzubauen. Dank Logiklücken, Klischees, oberflächlicher Figurenzeichnung und sinnfreien Dialogen wirkt dies aber holprig bis unfreiwillig komisch.
Selbst ohne den Vergleich zu “Conan der Barbar” hat die Neuinterpretation kein Gerüst was Bestand hält. "Conan" ist reißerisch, bedient sich einer ganzen Palette von Elementen aus Piraten-, Action- und Horrorfilmen, die weder neu noch unterhaltsam sind. Dazu ein Protagonist, der zwischen Wohltäter, Dieb und Kumpel hin und her schwankt, keinesfalls aber die Züge eines Barbaren vorweist.
Brutale Kampfszenen in mal grauen, mal dunklen Bildern und viel zu große Einstellungsgrößen bei einer entfesselten Wackelkamera, die jeden Überblick bei den zahlreichen Actionszenen unmöglich macht, sind die rhetorischen Mittel, die zumindest ein moderates Maß an Authentizität in eine archaische Sagenwelt transportieren sollen. Dabei übertrumpft "Conan" sogar die Variante aus 1982, in Form von gefühlten 3 Litern Blut bei jedem Schwertstreich. Auch, wenn nur das Kettenhemd getroffen wird.
Dass dabei trotzdem keine Stimmung aufkommen will, liegt nebst unglaubwürdig agilen Kampf-Choreographien an dem vor sich her dümpelnden Soundtrack. Die musikalische Begleitung fällt zwar orchestral aus, es fehlt ihr aber an Wucht.
Jason Momoa ("Baywatch") bringt zwar die passende Physis mit, vom Charisma und der Präsenz Arnold Schwarzenegger's ist er aber weit entfernt. Einzig auf die visuellen Werte degradiert taumelt er geradlinig durch die Kulissen. Das gleiche Schicksal ereilt Rachel Nichols ("Alias – Die Agentin", "G.I. Joe").
Rose McGowan ("Planet Terror") sowie Stephen Lang ("Avatar") kämpfen gegen ihre eindimensional beschriebenen Rollen. Einzig Ron Perlman ("Drive", "Hellboy"-Reihe) schafft es zumindest kurzzeitig ein glaubhaftes Abbild darzustellen.
"Conan" ist ein moderner Actionfilm ohne Weltenaufbau und Atmosphäre. Hochglanz findet sich in allen Ecken, seien es die Pin-up Darsteller, prollig-sinnfreie Dialoge und agile Actionsequenzen. Marcus Nispel nimmt sich nur zu Beginn etwas Zeit die martialische Welt zu beschreiben. Obwohl er näher an den Romanen verweilt, als es "Conan der Barbar" tat, bildet sich der Protagonist nicht zu einer Bezugperson. Nispel verpasst es seinem Helden einen greifbare Rahmen zu geben und setzt stattdessen auf effektreiche, blutige Bilder, die allerdings kaum unterhalten können.
2 / 10