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Yeah, eine weitere Neuauflage eines Klassikers! Wie bitte? Hatten wir noch viel zu wenig in der letzten Zeit? Ach was, die Namen aufgewärmter Klassiker, neue Darsteller, ein auf das allernötigste gekürztes Script, Abziehbilder als sympathietragende Charaktere... - einmal kräftig umrühren, und fertig ist der halbgare Blockbuster von heute.

 
Aber alles der Reihe nach:
 Das Original aus dem Jahre 1982 mit Größen wie Schwarzenegger, Mako, James Earl Jones und Max von Sydow ist ein Klassiker. Obwohl dem Film (nicht zuletzt aufgrund der spärlichen Schauspielkünste des Hauptdarstellers) zu Anfang kein großer Erfolg vorausgesagt wurde, hatte er schnell für sich einen festen Platz im Fantasy-Genre erobert. Der stimmungsvolle und kongeniale Soundtrack aus der Feder von Basil Poledouris ist sogar heute noch ein Geheimtip unter vielen Fantasy-Fans. Aber ich möchte mich nicht zu lange auf den Vorgänger versteifen, daher weiter im Text.

 Nun, statt Arnold S. steht nun Jason Momoa (Stargate Atlantis, Game of Thrones) vor der Kamera. Nun, rein äusserlich kann man dem Hawaiianer nichts vorwerfen: Er scheint durchtrainiert, hat sogar augenscheinlich etwas mehr raubtierhaftes, als der gute Arni. Im großen und Ganzen machen alle Darsteller hier ihre Sache ganz ordentlich, wenngleich auch keine oscarreifen Leistungen darunter waren.

Ron Perlman als Vater von Conan kommt hier am Ehesten noch souverän rüber. Als Schwachpunkt möchte ich Stephen Lang als Bösewicht anführen. Selten habe ich einen stereotyperen Bösewicht als ihn erlebt, was aber auch der Rolle im Script geschuldet sein kann.

Da es um einen Actionfilm geht,liegt es natürlich nahe, auch die Martial-Arts Komponente zu betrachten. Dabei fiel mir aber auf, dass die Choreographie der Schwertkämpfe war schneller, aber nicht schöner geworden ist. Wobei dies wahrscheinlich aber weniger an Momoa liegt, der ja schon bei Stargate Atlantis seine Kampfkünste unter Beweis stellen durfte.

Das Set, die Kostüme, die Aussenaufnahmen, Gore-Effekte und (S)FX - alles ist auf ziemlich hohem Niveau und weiss zu gefallen, auch wenn man hier tief in die Klischee-Kiste gegriffen hat. Den Soundtrack kann man getrost als tiefstes Mittelmass bezeichnen. Er ist schmalzig, aufdringlich und in keinster Weise so stimmungsvoll wie der OST des Originals, der aus der Feder
von Basil Poledouris stammt. Es ist eine Musikuntermalung, die man bereits beim Abspann wieder vergisst, und die mich nicht dazu animiert, den Soundtrack auf CD zu kaufen.

 Woran hapert es dann? Ich bin es leid, andauernd wieder zu einem ähnlichen Schluss bei den gerade angesagten
"aufgewärmten" Blockbustern zu kommen: Die Story wurde verhunzt.

 "Moment mal! Story? Wir reden hier doch über Conan, den Barbaren!"

 Ja, das tun wir. Aber während das Original mit seinen über 2 1/2 Stunden Laufzeit bereits Probleme hatte, die
epischen Romanvorlagen abzubilden, so schafft es diese Neuauflage in keinem Stück. Hätte man nicht die Anfangsstimme aus dem Off, die mal schnell verkündet, wie gemein und grausam die Welt ist, und die kurz das Königreich und die Hauptpersonen namentlich erwähnt - es wäre beliebig austauschbar: Ein wenig
Wüste, ein bisschen Gemetzel, hier mal ein bisschen Sand. Während man von Schauwerten also gut unterhalten wird, tröpfelt die Story so vor sich hin, und zwar ohne einen wirklich aufzusaugen und in Beschlag zu nehmen.

Von einer Art der Charakterbildung kann hier also keine Rede sein. Das 20-minütige Intro, welches die Vergangenheit von Conan beleuchtet, muss hier zum Verständnis des Barbaren eben reichen. Eine ähnlich flache Gestaltung wurde den anderen Charakteren zuteil, egal ob Conan's Love Interest Tamara (Rachel Nichols), seinem arabischen Kumpan, der mit ihm durch die Lande zieht, oder dem Bösewicht samt seiner Tochter: Man kann sich nicht wirklich in die Charaktere hineinversetzen - die Figuren werden einfach nicht zu Sympathieträgern.

Nach Pathfinder (welcher ebenfalls von Herrn Nispel stammt, nur so am Rande), der Serie "V" und Total Recall einmal wieder ein ganz klarer Fall eines total unnötigen Remakes.
Weil ich stellenweise ganz nett unterhalten wurde, und weil es durchaus schlimmeres Popcorn-Kino gibt, gebe ich dem Film eine 5.

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