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Regisseur Clifton Ko, der sich 2006 mit der Alan Tam- und Hacken Lee-Vermarktung We Are Family ja eher einen Fehltritt erlaubt hat, lieferte 1988 qualitativ noch etwas ganz anderes, wirklich lustiges ab, wie das in die Jahre gekommene Ente gut, alles gut, bei dem nicht nur die Schauspieler sichtlich Spaß hatten. Wen wundert's auch, helfen hier die drei Hui-Brüder kräftig nach, selbst wenn Sam Hui nur in einer sinnlosen winzigen Nebenrolle zu sehen ist.

Auch wenn Ente gut, alles gut in erster Linie eine durchgeknallte 80er-Jahre-Komödie ist, übt sie gleichzeitig Kritik an den sich wandelnden Essgewohnheiten der Chinesen. Waren es lange Zeit traditionelle Gerichte wie etwa die typische Grillente, schwappte schließlich auch die Welle an rücksichtsloser Amerikanisierung und Etablierung diverser Fast-Food-Ketten bis nach China.

Das muss auch Michael Hui als traditioneller Grillentenrestaurantbesitzer am eigenen Leib erfahren. Denn seit gegenüber solch eine "Fried Chicken"-Kette eröffnet hat, bleiben ihm die Kunden aus. Das mag aber auch daran liegen, dass es seine unzufriedenen, schlecht bezahlten Mitarbeiter mit der Hygiene und Kundenfreundlichkeit nicht allzu genau nehmen. Ein neues Konzept muss also her, um mit dem neuen glänzenden Hühnchenrestaurant gegenüber mithalten zu können. Da wird das Restaurant renoviert und hip—aber nicht unfallsicher—eingerichtet und weil man freilich nicht das Budget hat, um mit lauten poppigen TV-Werbungen auf sich aufmerksam zu machen, müssen Hui und Co. eben improvisieren und ihre Adressschilder bei jeder sich bietenden Gelegenheit in diverse Nachrichtenkameras halten, nur um am Ende doch nicht gesehen zu werden. Als einer von Huis Mitarbeitern (Ricky Hui) auch noch zum Feind überläuft, weil er da besser behandelt und bezahlt wird, ist das Maß voll. Man befindet sich im Krieg—Maskottchen gegen Maskottchen, familiäre Tradition gegen moderne Disziplin in der Fast-Food-Küche, man will sich gegenseitig niederbrennen, Rezepte stehlen oder den Gesundheitsinspektor auf den Hals hetzen. Und zu allem Überfluss hat Hui auch noch große Probleme mit seiner keifenden Schwiegermutter, die am Ende doch den Rettungsanker für alle darstellt.

Liebenswerter, infantiler 80er-Jahre-Hongkong-Klamauk und reichlich Wortwitz, der leider schon in der englischen Übersetzung einiges an Sinn verliert (und im Deutschen wohl noch mehr), machen den hektischen Streifen zu einem netten Ausflug in die Vergangenheit, in der beliebte Stars noch eine Brille tragen durften und Leute in ihrer ganzen Hässlichkeit wie Ricky Hui immer noch charmant-liebenswert rüberkommen konnten, in der jeder Gag akzeptabel war, so lange er nur irgendwie als witzig gesehen wurde, in der absurde Situationen vor einer komplexen Story standen und Filme unglaublich infantil wirken und gleichzeitig zynisch-intelligent ein Stück Gesellschaftsentwicklung kritisieren konnten.

Freilich gibt es in Ente gut, alles gut einige weniger gelungene Strecken, doch der Humor, der hier klar im Vordergrund steht, funktioniert meistens—für den geneigten Zuschauer, wohlgemerkt—noch immer so gut wie damals. Und da darf man froh sein. Schade, dass die Michael Hui-Ära danach so langsam zu Ende ging.

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