Review

Und die Frage die sich alle stellen, kann ich nur mit einem "Durchaus gelungen" beantworten.
Ich fand ihn gut. Nicht sehr gut, aber gut. Eigentlich genau, was ich erwartet habe. Gibt es das Wort Premake schon? Wenn nein, hätte der Film wohl ein Anrecht darauf. Aber es war ja absehbar. Andere Station, gleiches Szenario. Und da es ja auch ursprünglich ein Remake werden sollte, braucht man es wohl nicht so eng sehen.
Im Gegenteil. Man sollte froh sein, sowas heutzutage nochmal im Kino zu sehen. Natürlich kann der Film Carpenters Vorlage zu keiner Zeit erreichen. Der ist einfach durch die Bank perfekt. Aber auch dieser hier hat seine guten
Momente. Die Atmosphäre ist ok. Nicht so dicht und beklemmend, wie sie vielleicht hätte werden können. Aber wenn die Protagonisten zu ihrer Version des Bluttests schreiten, kann man durchaus mal den Atem anhalten.

Und Frau Winstead? Jap, die macht ihre Sache mehr als ordentlich. Bringt sogar ein wenig frischen Wind ins Genre. Natürlich auch hier wieder kein Vergleich zu einem R.J. MacReady, aber ok. Auch der Rest ist gehobener als die übliche Slasherkanonenfutterware. Aber auch hier wäre noch mächtig Luft nach oben gewesen. So schlimm wie der Chief es in seiner Kritik beschreibt find ich es allerdings nicht. Carpenter hat das damals besser hinbekommen. Auch wenn man quasi nichts über die Charaktere erfahren hat, so waren sie einem doch sympathisch. Das funktioniert hier leider nicht so ganz. Aber es gibt dennoch ein paar nette Gestalten. Und natürlich auch ein paar die nur einem Zweck dienen: Den Bodycount erhöhen.

Und der ist nicht gerade niedrig. Die Station ist voll besetzt. Ich denke, es ist kein Spoiler, wenn ich schreibe, dass es am Ende nicht mehr so ist. Jeder der Carpenters Thing kennt, weiss ja in etwa, wie viele Norweger es schaffen. Die anderen gehen teilweise recht ansehnlich vor die Hunde. Womit wir bei einem der im Vorfeld am heftigsten diskutierten Punkte wären. Den Effekten. CGI Bockmist? Keineswegs! Man merkt natürlich in jeder Thing Szene, dass hier Computereffekte am Werk waren. Manche hätte man sicherlich auch besser machen können. Aber im Gesamtbild fand ich sie nicht weiter störend. Aber es bleibt doch die Frage, besonders bei einem Carpenter und The Thing Fetischisten wie mir, wie hätte das alles auf die andere Art ausgehen? Wie schon in einem anderen Post vermerkt hoffe ich, dass die alten Effekte irgendwie den Weg auf den Heimkinomarkt finden. Nur als Extras oder gar als ganzer Film. Wobei letzteres sicher reine Utopie ist. Leider.

Aber, wie gesagt: so geht es auch. Und die Thing Szenen sind doch teilweise recht schaurig in Szene gesetzt. Manchmal für meinen Geschmack fast schon zuviel. Aber es bleibt auch noch Zeit für andere Dinge. So kriegen Miss Winstead und ihr blonder Protegee auch sowas wie eine kleine Einführung. Aber damit wird sich nicht lange aufgehalten. Gott sei Dank. Denn der Film hat ein ordentliches Tempo und sowas hätte sicher viel Wind aus den Segeln genommen.

Kenner des "Originals" dürfen sich über viele kleine Schmankerl freuen die gut die Brücke zu Carpenters Film aufbauen. Sie es die erfrorene Leiche vorm
Funkgerät, die Axt in der Wand, oder das Mensch-Ding vor der Station im Schnee. Alles ist da, wo es hingehört. Man merkt dem Regisseur an, dass er viel von Carpenter und dessen Film hält. Sehr viel Liebe zum Detail. Hut ab. Leider aber nicht in einer Sache.
In Carpenters Film schauen sich die Mac und Co Videoaufzeichnungen der Norweger an. Dabei ist klar und deutlich zu sehen, wie sie das Raumschiff aus dem Eis freisprengen. Das wird hier ausgelassen. Und für mich nicht begreiflich wieso. Hat der Regisseur doch sonst alles richtig gemacht in Bezug auf den Anschlussfilm. Ein leider viel zu großes Logikloch. Zumindest für Eingefleischte.

Was der Film auch gut macht: Er lässt Fragen offen und das finde ich gut. Wenn man nach einem Film noch über selbigen grübelt, der einem zum Nachdenken anregt, so hat der Film für mich vieles richtig gemacht. Und so gibt es auch hier einige Diskussionsansätze. War XY wirklich ein Ding? Wann hat es wen erwischt? Wer hat was gemacht?

Noch was negatives? Nichts gravierendes. Aber ich fand, dass alles teilweise nicht wirklich nach 1982 aussah. Das haben erste Trailer ja auch schon vermuten lassen. Ich denke alte, handgemachte Effekte hätten hier wesentlich dazu beigetragen, als dieser neumodische Computerkram. Aber sei es drum.
Bringt ja leider auch nichts, dem ewig hinterher zu weinen.

Ein kleines Schlusswort: Dass The Thing 11 den von 82 auch nur in keinster
Weise erreichen kann, war von vornherein klar. Darum sollte man, so finde ich, auch nicht weiter groß drauf rumreiten. Er macht seine Sache gut. Hat schöne, schockige Momente. Es gibt kaum Leerlauf. Spannung ist dann nach gut einer halben Stunde durchgehend vorhanden und man schafft es auch tatsächlich mit manchen Charakteren mitzufiebern. In meinen Augen so gut wie alles richtig gemacht. So gut es eben ging, mit diesem genialen Vorgänger im Nacken.
Bekommt verdiente 8/10

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