Review

Fast 30 Jahre nach Carpenters bahnbrechenden The Thing - das Ding aus einer anderen Welt wagte Regisseur Matthijs van Heijningen eine Neuauflage dieses Klassikers. Als Prequel getarnt erzählt das 2011er Thing allerdings genau dieselbe Geschichte wie damals, als Kurt Russell und Konsorten gegen den schleimigen Parasiten aus dem ewigen Eis kämpften. Insgesamt ist dies dann schon die dritte Verfilmung desselben Stoffs, da das Ur-Thing bereits 1951 von Christian Nyby auf die Leinwand gebracht wurde.

Trotz des vorgegebenen Plots kann diese in Ontario abgedrehte Produktion jedoch eine gewisse Eigenständigkeit für sich reklamieren, was in einigen kleineren Modifikationen begründet liegt: Zum einen wurden zwei Damen in die ursprünglich männliche Wissenschaftler/Techniker-Runde eingeführt, zum anderen ist der Replikations-Parasit diesmal eher als Riesenkrebs dargestellt (zumindest zu Beginn) statt als schleimtropfender Spinnenfüßler. Weiters gibt es ein etwas anderes Ende inklusive eines kleinen Plottwists - diese Variationen schaffen zumindest etwas Abwechslung. Den Carpenter-Film, den ich zu den besten 20 Filmen aller Zeiten rechne, kann man auch nicht kopieren - zumindest nicht wirklich.

Was die Darsteller betrifft, so übernimmt dem Zeitgeist entsprechend diesmal eine der erwähnten Damen (Mary Elizabeth Winstead als Kate Lloyd) die Rolle von MacReady - zunächst noch eine zurückhaltende Expertin unter dem Kommando des unterkühlt bis arrogant auftretenden Dr. Halvorson (Ulrich Thomsen) bewahrt sie fast als einzige einen kühlen Kopf und analysiert messerscharf die zu erwartende Invasion des Parasiten. Nett aber bedeutungslos sind die vielen norwegisch sprechenden Skandinavier, die bald einer nach dem anderen draufgehen. Dafür haben wir dann zwei Amerikaner, einer weiß und einer schwarz, die zunächst verschwinden und erst später wieder auftauchen - das wars dann aber schon an internationalem Publikum. Andere Europäer oder zumindest einige Kanadier hätten die Sache etwas aufwerten können, so aber bleibt die Figurenzeichnung eher flach und eindimensional: Lloyd und ein Skandinavier mit Flammenwerfer sowie der weiße Amerikaner sind dann ziemlich die letzten, die nach diversen Attacken des Monsters noch übrigbleiben.

Zu gefallen wußten die herrliche kanadische Schneelandschaft sowie auch der Gag mit dem Raupenkastenwagen, der zu Beginn senkrecht in eine Gletscherspalte rutscht - storytechnisch weniger sinnvoll schien mir der nicht näher beleuchtete Hubschrauber-Absturz sowie der finale Besuch im Raumschiff unter dem Eis, der absolut keine Aufklärung oder Überraschung bietet. Was die SFX betrifft, so gehören die handgemachten Effekte im 1982er Thing zum Besten, was jemals als schleimiges Monster über die Leinwand/Bildschirm gekrochen ist - dies zu toppen, ist meines Erachtens in den seitdem vergangenen 36 Jahren noch kaum einem Film/Studio gelungen. Da aber 2011 bereits Computer-Animationen zur Verfügung standen, durfte man besonders gespannt auf die Umsetzung des alien-artigen Monsters sein. Um es vorweg zu nehmen, an Rob Bottins 1982er Meisterwerk kommt der 2011er Scherenkrebs nicht im entferntesten heran, dennoch würde ich das diesmal am Computer erstellte Monster als ordentlich durchkomponiert betrachten, auch wenn man dessen CGI-Herkunft das eine oder andere Mal erahnen kann. Die verpixelte Säule im Alien-Raumschiff am Schluß dagegen ist eine überflüssige, fast schon peinliche Computer-Spielerei...

Ich fand dieses Remake(!) an sich nicht schlecht - die Bezeichnung Prequel stammt ja auch nur daher, daß die letzten 2 Minuten des Films ziemlich detailgetreu die ersten beiden Minuten des Carpenter-Films kopierten, was ich übrigens eher als eine Art Verbeugung vor dem 1982er Meisterwerk interpretiere. Was dieser Neuauflage allerdings fehlt, ist die psychologische Dichte der Erzählung - das stete Misstrauen zwischen den einzelnen Team-Mitgliedern, die einen Gutteil der Spannung des Carpenter-Films ausmacht, auch das offene Ende, das mehrere Deutungen zuläßt: all dies findet im 2011er Thing keinen Niederschlag. So bleibt es bei einem immerhin leicht überdurchschnittlichen Horrorstreifen: 7 Punkte.

Details
Ähnliche Filme