Review

Remakes müssen ja nicht immer schlecht sein.
Das vergißt man manchmal, wenn man eher "der guten alten Zeit" verhaftet ist, während der überwiegende Teil der Welt alles, was älter als 10 Jahre ist schon als angestaubten Müll ansieht, der dringend einer Überarbeitung bedarf.
Im Falle von "Fright Night" gilt das Original von Tom Holland als kleines Juwel des Genres, weil es Teenagerhorror und klassische Gruselelemente mischte, gleichzeitig aber auch ein paar sehr moderne (und graphische) Effekte benutzte. Roddy McDowell wurde für seine ironische Darstellung des TV-Grusel-Moderators Peter Vincent (gebastelt aus den Herren Cushing und Price) gefeiert und der Film war erfolgreich genug, um sogar noch ein Sequel nachzulegen, das ebenfalls gut angesehen ist.

Also eigentlich eine gute Grundlage für ein Remake, vor allem, wenn man bemerkt, daß "Fright Night" von 1985 nicht so gut gealtert ist wie andere Genrebeiträge wie etwa "Lost Boys". Obwohl Hollands Film in Inszenierung und Tricks große Qualitäten aufweisen konnte, war das Drehbuch leicht angegraut und hatte in Charley Brewster Schulkumpel Ed mit Stephen Geoffreys sicherlich die nervtötenste Horrorfigur seit langem. Hauptdarsteller William Ragsdale per se war eigentlich konturenarm und Amanda Bearse als Love Interest war viel zu alt. Der Film wurde hauptsächlich von seinem Humor und der Ausstrahlung McDowell und Chris Sarandons gerettet, der den verführerisch-charmanten Vampir Jerry Dandridge gab.

Den darf im Remake von Craig Gillespie jetzt Colin Farrell spielen und er tut es auf ganz andere Art und Weise als Sarandon (den er übrigens in einem Cameo verfrühstücken darf). Drehbuchautorin Marti Noxon verzichtete nämlich auf die klassischen Horrorbezüge, den typischen Hammer-Charme, der als Kontrast zum blutsaugenden Mördervampir stand, sondern modernisierte von Grund auf.
Aus der puscheligen typischen US-Vorstadtsiedlung wurde hier eine urbane Hölle, eine Trabantenstadt im wüstigen Nirgendwo kurz vor Las Vegas, quadratisch, praktisch und öde, in der jedes Haus gleich gebaut, gleich designt und gleich eingerichtet wirkt. Dort zieht man nicht hin, sondern weg - also das perfekte Plätzchen für Leute, die einfach mal so verschwinden (weil sie ermordet werden).
Trotzdem erweisen sich die Teens noch als halbwegs zufrieden - und Noxon bricht weiter munter Konventionen (kein Schulball!), führt Ex-Nerd und hübsches Girlie zusammen und verzichtet auf allzu starke Betonung der typischen Klasseneinteilungen an Schulen. Einzig die Beziehung zu seinem Freund Ed, die auf Betreiben von Protagonist Charley eingeschlafen ist, wird noch thematisiert - und das sogar so bissig und humorvoll, daß man für beide Seiten Verständnis aufbringt.

Auftritt Vampir Jerry Dandridge: der steht irgendwann kurz vor Einbruch der Dunkelheit endlich mal im Garten, oberkörperbetont und schwitzend, während Toni Collette als Charleys Mutter die Hormone aus den Poren sickern. Farrells Portrait wirkt erst so charmant wie das von Sarandon, doch an seinen unruhigen Blicken erkennt man schon, daß man es hier eher mit einem kaum gebremsten Monster zu tun hat, das wie ein Hai auf Blut ausgerichtet ist. Farrell ist totale Physis, er strahlt kaum kontrollierbare Energie und Gewalttätigkeit und wirkt im Verlauf des Films mehr und mehr wie ein nicht zu stoppender Serienmörder. Dazu paßt der Einbau von Gefängniszellen im Haus und eines großen grubenähnlichen Keller unter dem Haus. Der moderne Vampir ist nicht mehr als der Soziopath der Woche.

Und dennoch wirkt "Fright Night 2011" erstaunlich frisch, der klassische 80er-Teenie-Horror bekommt ein Make-Over der postmodernen Art und das hat nicht nur etwas mit 3D zu tun, das hier nicht so verschwenderisch, aber doch wirksam eingesetzt wird und mehr dadurch glänzt, daß die Plastizität und Tiefenschärfe in den Trabantenhäusern und während einer nächtlichen Wüstenfahrt im Auto dem Film neue optische Dimensionen verleiht.
Natürlich mischen sich auch hier Witz mit einigen harten Effekten (Blut spritzt gern mal dem Zuschauer entgegen), aber die TV-Show der Vergangenheit ist nun einem Vampirjäger einer Las-Vegas-Bühnenshow gewichen, der sich nebenbei noch tatsächlich für Okkultes interessiert.
Statt einer amüsanten Reminiszenz wie Roddy McDowell präsentiert man nun den Ex-Doctor-Who David Tennant als großmäuligen, dauersaufen- und fluchenden Entertainer mit Vergangenheit, der aber erst von seinem Restmut überzeugt werden muß.

Inhaltlich hat Marti Noxon alle wesentlichen Elemente aus dem Original bewahrt: die Figurenkonstellation ist die gleiche geblieben, nur ist die Freundin etwas weniger unscheinbar, die Mutter etwas aufmerksamer und der beste Freund weitaus weniger nervig. Kleine Referenzen wie Jerrys Apfelkonsum oder eine Club-Sequenz sorgen unter Fans des Vorgängers für Vergnügen und anstelle von würdevoll geschaffenem Stillstand im Herzen von Amerika dreht Gillespie den Regler recht schnell voll auf.
Keine endlosen Diskussionen, keine lange Einführung: der Film ist nur ein paar Minuten alt und noch nichts Wesentliches passiert, da wird die Vampirtheorie schon an Protagonist Charley weitervermittelt, der diesmal nicht selbst entdeckt, daß sein Nachbar ein Vampir ist. Auch später spielt man dann mit mehr mit den Genrekonventionen, als daß man mit ihnen arbeitet - eine Sequenz um das Betreten eines Hauses ist da sehr geschickt eingebaut, doch relativ früh geht man in die Vollen, macht aus dem Testosteronflagschiff plötzlich eine rasende Wildsau, die terminatorlike kaum gestoppt werden kann und so für reichlich Leichen unterwegs sorgt.

Darstellerisch ist weitestgehend alles okay: Farrell führt zwar konkurrenzlos das Feld an, aber auch Anton Yelchin mit Freundin Imogen Poots können bestehen, ohne dagegen farblos zu wirken. Christopher Mintz-Plasse (aka "Superbad"s McLovin) bringt einige sehr schöne Ecken und Kanten in seinen Nerdcharakter und Toni Collette entledigt sich der typischen Serienmutter recht routiniert, auch wenn hier vieles an Noxons "Buffy"-Vergangenheit erinnert.
Ein bißchen enttäuschend nur David Tennant als neue "Peter Vincent"-Inkarnation, die gegen McDowell nur verlieren konnte, hier aber einen ganz ordentlichen Start hinlegt (wenn der satanische Bühnenstar sich entblättert, bis auf die Haut). Später fehlen dem Skript für seinen Showdowneinsatz leider einfach ein paar verbale Pointen, wie der ganze Showdown etwas abgehackt geschnitten wirkt und allein in Bezug auf das Set an sich ein paar bessere Szenen verdient hätte.

Trotzdem ist "Fright Night" im neuen Kleide ein sehr origineller und äußerst unterhaltsamer Horrorfilm geworden, der sein eher mieses Einspiel bei weitem nicht verdient hat und das Original rückblickend doch in ein paar Punkten deutlich übertrifft, vor allem in Sachen Action, Tempo und Blut, ohne dabei die Figuren aus dem Blick zu verlieren.
Und im Zeitalter des caffe-latte-geschäumten Remake-Wahnsinns ist das aller Ehren wert. (7/10)

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