Review

Die Klauen des Klauen

„Herzrasen“ erzählt die Geschichte eines jungen Diebes in Köln, der geschnappt und weggesperrt wird. Mal wieder. Doch selbst in einer Art Psychiatrie kommt er von seiner kleptomanischen Leidenschaft und der schiefen Bahn nie richtig weg - und sogar eine neu lodernde Liebe (mit einem einstigen Opfer von ihm!) hilft da kaum bzw. hat ihre ganz eigenen Pläne… 

Klepto in der Klemme

Vor allem weil „Herzrasen“ meine „Schäl Sick“ im Köln der frühen 00er einfängt und ich z.B. früher genau zu der Zeit in der Nähe des Wiener Platzes - wo der Film beginnt - zur Schule gegangen bin, habe ich mir dieses „Drama mit krimineller Energie“ gegeben. Nur leider gibt's außer den paar netten Schauplätzen und engagierten Darstellerleistungen jetzt nicht allzu viel sonst zu entdecken. Ein typisches Drama der Öffentlich-Rechtlichen ist das für mich. Trocken, nicht sehr hübsch, ohne echte Überraschungen und Tiefe, voller Klischees, Längen und Berechenbarkeit. Belehrend und öde. Fernsehen zum Abschalten. Berieselung für Generationen vor mir. Aber nicht mehr für U40er. Minimal hatte ich in manchen Phasen Refn- und „Einer flog über's Kuckucksnest“-Vibes. Aber das wenn überhaupt lediglich in homöopathischen Dosen bzw. eher komplett herbeigewünscht als wirklich gesehen oder gefühlt. Deswegen wird „Herzrasen“ weder solchen Vergleichen noch Kriminalität oder Kleptomanie gerecht. Die kurze Laufzeit hat sich drastisch länger angefühlt als sie auf dem Papier ist… 

Fazit: Die Kölner Schauplätze aus meiner Jugend sind cool. Der Rest leider nicht. Eine Milieustudie ohne Milieu, eine Charakterstudie ohne Charakter, ein Gangsterdrama ohne Spannung. Ein Kampf gegen unterhaltungstechnische Windmühlen! 

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