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Wir alle wissen ja, warum man im bulgarisch-rumänischen Grenzgebiet möglichst nicht Urlaub machen sollte, aber zum Glück ist die Menschheit der Moderne so aufgeklärt wie simpel und tut es trotzdem.

Oder zumindest tun sowas Philip und Veronica, angeblich britische Touristen, die sich offenbar mal eine Runde Bukarest unter Ceaucescu anschauen wollen und deswegen mit ihrem fahrbaren Untersatz ostwärts rollen.

Lugt da schon Dracula ums Eck? Nein, heute mal nicht, stattdessen kommt am Satanssee (Il lago di satana = Originaltitel) heute mal die Urlaubsvertretung zum Einsatz, nämlich das Biest Vardella (The She-Beast = Alternativtitel). Vardella ist übrigens so eine Art monströse Hexe, kein Vampir (Revenge of the Blood Beast = Alternativtitel), die keineswegs nur nach Sonnenuntergang unterwegs ist.

Tatsächlich spielen wir hier die alte Leier von Fluch und Schicksal und dass sich Geschichte wiederholt, man kennt das schon. Philip und Veronica sind also dank guten Kartenmaterials in der Butnik gestrandet, einem Nest namens Vaubrac (was irgendwie eher französisch klingt) und kommen bei dem arg robusten Wirt Ladislav Groper für die Nacht unter. Der Name ist ein In-Joke (Groper ist englisch für Grabscher), aber Ladislav spricht offenbar problemfrei englisch und so läuft die Sache einigermaßen, anfänglich zumindest, als der Wirt noch den Trottel mimen muss.

Eine Mahlzeit ist auch drin und dann naht auch schon der lokale Okkultfachmann und spinnerte Drumrumredner Von Helsing (aha, aha…), der hier der örtliche Sagenbeauftragte ist. Wie wir im Prolog bereits sehen konnten, wurde dereinst vor 200 Jährchen hier die mörderische Vardella mittels einer Hexenwippe im örtlichen Lago verklappt, nachdem sie mit ihrer Vulkanakne gesegnet diverse Leutchen gekillt hatte. Und sowas hat immer Folgen bis in die Gegenwart.

Das ist natürlich nicht die Realität unserer Gäste aus merry old england, die von durchaus bekannten Gesichtern dargestellt werden: Philip von einem Ian Ogilvy  in absoluter Erntefrische, der später noch reichlich Karriere auf allen Fernsehschirmen ("Simon Templar"-Neuauflage) machen sollte und Veronica von der legendären Barbara Steele, die ja in diversen italienischen Gruselfilmen der 60er ihr absolut perfekt geschnittenes Gothic-Babe-Face verewigte, irgendwo zwischen Scream Queen und anämischer Blutsaugerin. Frau Steele, die übrigens hier so ziemlich am Ende ihrer großen Zeit vor der Kamera angekommen war, soll der Legende nach für einen Tag Drehzeit damals tausend Öcken bekommen haben, was das Drehteam natürlich derart ausnutzte, dass sie 18 Stunden am Stück arbeiten musste. Was aber dennoch nichts anderes heißt, als dass sie den halben Film abwesend ist. Was nicht schlimm ist, denn sie trägt hier einen dunklen Mittelscheitel zur Schau, der ihr Lon-Chaney-Lächeln definitiv zu einem grauenhafteren Anblick macht als das Hexenmake-up des Vardella-Stand-Ins.

Es kommt, wie es kommen muss: Groper linst voyeuristisch und grabscht und bekommt dann aufs Maul und als man zur Weiterreise bläst, verunglückt man natürlich GENAU an der Stelle am Kiesgrubenufer, wo noch immer (solide Arbeit) die Reste der Hexenwippe stehen. Das Urlaubsauto plumpst ins Wasser und der wackere LKW-Fahrer, der den Unfall mit verursacht hat, birgt auf die Schnelle zwei Körper: einmal Philip (soweit i.O.) und die Leiche von…trara…Vardella. Das sorgt in Vaubrac und Umgebung für helle Aufregung und Von Helsing (der in einem knallgelbe Uraltmobil herumfährt und in einem höhlenartigen Haus residiert), taucht noch ein paarmal auf, um weiter schön umständlich drumrum zu reden, was bei dem ungeduldigen Philip gar nicht gut kommt, denn Veronica ist nun mal wech und das ist bei der Wiedereinreise schwer zu erklären.

Den Rest kann man sich denken, denn Vardella bekommt alsbald den großen Bewegungsdrang, meuchelt ein paar Komparsen und findet erst Einhalt, als Adeliger und Tourist ihre Kräfte bündeln…

Alles in allem: gar nicht mal so schrecklich, aber das Budget dürfte bei 10.000 Dollar gelegen haben und viel von den knapp 74 Minuten ist arge Zeitschinderei. Statt Vardella lang und schmutzig meucheln zu lassen, wird der Plot mit viel zu viel Ladislav und dem unkonstruktiven Von Helsing gefüllt. Allerdings ist das ist in hellen Farben alles angenehm aufgenommen, aber so ein, zwei Tropfen oder Liter Blut hätten es schon getan.

Wer mag, soll sich das ruhig mal gönnen, der Film ist durchaus frei abrufbar, aber man erwarte keine Großtaten. Wenn mal (incl. Vorspulen) noch ne knappe Stunde bis zum Gang ins Bett hat.(3,5/10)








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