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Eingeschlossen in einem Fahrstuhl, - Klaustrophobiker erleben ihren Alptraum, Filmfreunde von Kammerspielen auf engstem Raum sind indes Feuer und Flamme.
Bereits 1984 zeigte der deutsche Thriller „Abwärts“, wie man solchen Stoff mit viel Spannung umsetzen kann, 2010 mussten in „Devil“ dafür bereits übersinnliche Aspekte bemüht werden, während „Elevator“ seinem Titel volle Ehre bereitet und bei seinem Spannungsaufbau auf eine annähernd alltägliche Situation setzt.

Neun Menschen befinden sich im Fahrstuhl auf dem Weg zu einer Party: Der Aktienguru und Veranstalter der Feier Henry Barton mit seiner zehnjährigen Enkelin, der eingesprungene Ersatzkomiker Gerry, der Sicherheitsbeauftragte Mohammed, TV-Reporterin Maureen mit ihrem Verlobten Dan, ein Anlageberater, eine ältere Dame und die schwangere Celine.
Als der Lift im 49. Stockwerk stecken bleibt, ist man zunächst noch guter Dinge, doch dann kommt an Licht, dass jemand eine Bombe dabei hat…

Selbstredend spielt sich fast die komplette Handlung ausschließlich im Fahrstuhl ab, auf Nebenhandlungsstränge hat das Drehbuch glücklicherweise verzichtet, so dass die klaustrophobische Atmosphäre latent aufrecht erhalten und die zunehmend bedrohliche Situation der Passagiere nachvollziehbar bleibt. Leider bleiben die meisten Figuren zu oberflächlich gezeichnet und es kristallisiert sich kaum ein Sympathieträger heraus:
Die zehnjährige Göre ist indirekter Auslöser des Desasters, während der Komiker mit zynischen Kommentaren nervt. Indes ruft Reporterin Maureen bei ihrer Regisseurin an, die wiederum einen Live-Mitschnitt fordert, welcher auch prompt abgeliefert wird, - der Seitenhieb auf Sensations-Nachrichten um jeden Preis ist allgegenwärtig.

Im weitesten Sinne steht das Unterfangen im Zeichen der weltweiten Wirtschaftskrise, was sich bereits nach einer guten halben Stunde herausstellt, als die Person mit der Bombe enttarnt und auch gleich das Motiv preisgegeben wird. Danach stellen sich jedoch einige Logiklöcher ein, denn die alarmierten Hilfsdienste benötigen eine halbe Ewigkeit, um überhaupt mal zu reagieren, beim Erklimmen des Dachgitters ist man zu unentschlossen, während es im Umgang mit der Bombe mehrere Möglichkeiten gäbe, die jedoch allesamt nicht genutzt werden.

Dazwischen fällt immerhin eine interessante Figurenentwicklung auf, denn potentielle Helden mutieren zu Weicheiern, während die Passiven gegen Ende das Zepter in die Hand nehmen und auch der ein oder andere Nörgler tatkräftig zulangt. Das Maß an Konflikten ist überschaubar, da die Leute notgedrungen miteinander arbeiten und das Ausmaß der Bedrohung realistisch einschätzen. So wirkt das Treiben über weite Teile authentisch, nur mangelt es phasenweise an Abwechslung, da die Eingeschlossenen zu wenige Möglichkeiten nutzen.

Derweil arbeitet die Kamera grundsolide und ist stets nah am Geschehen, indem diverse Blickwinkel eingesetzt werden und trotz des engen Raumes mit unterschiedlichen Sichtweisen gearbeitet wird. Auch darstellerisch befinden sich überwiegend markante Mimen an Bord, nur der Score hätte zuweilen etwas stärker im Vordergrund mitspielen können.

Leider wirkt der letzte Akt ein wenig überhastet, obgleich das Spiel mit dem Countdown einigermaßen Suspense schürt und in Ansätzen ein wenig Blut fließt.
So hätte man die zwischenmenschlichen Konflikte etwas deutlicher ausarbeiten können und einige Figuren ein wenig aktiver agieren lassen dürfen, doch insgesamt vermag dieser Fahrstuhl-Thriller solide zu unterhalten, indem er seine Insassen nicht zu Übermenschen werden lässt, halbwegs nah an der Realität arbeitet und die klaustrophobische Stimmung angemessen transportiert. Kein spannender Reißer, aber ganz okaye und kurzweilige Unterhaltung auf recht engem Raum.
6 von 10

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