Also, jetzt muß ich schon mal eine Lanze für Baise Moi brechen (wenn man bitte dieses unfreiwillige Wortspiel entschuldigt, *hüstel*), denn die Rezeption desselben basiert in vielen Fällen schon auf falschen Voraussetzungen. Soweit ich den Film verstanden habe (und auch die div. Interviews mit den Macherinnen), handelt es sich hier mitnichten um ein "sozialkritisches" noch um ein "feministisches Kunstwerk", sondern einfach um einen Hypergewalt-Splattermovie. Das kann man Scheiße finden oder nicht, aber ich fand's sehr unterhaltsam. Was allerdings (meist die Männer, von denen die meisten ohnehin am Wochenende gewisse Filme aus dem Netz ziehen, unterstelle ich mal) an den Hardcore-Sequenzen so anstößig fanden, wird mir ein ewig Rätsel bleiben, denn warum sollte man Gewalt detailliert darstellen, aber nicht wie ein Schwanz in eine Möse (oder sonstwohin) fährt? Gilt übrigens auch für Hollywood. Also, schon mal einen Punkt für Ehrlichkeit, der allerdings wackelig steht, denn close-ups, in denen Kondome sichtbar werden, machen eine Vergewaltigungsszene auch nicht glaubwürdiger. Bitte, ich will hier nicht den safer sex verunglimpfen, ein Verzicht auf diese Nahaufnahme hätte es auch getan. Diese ganze "Kunst oder nicht" Debatte fußt ja nur auf dem Skandal, den der Film in Frankreich ausgelöst hatte und in dem sich namhafte Regisseure/innen verbal auf die Seite von Despentes und Trinh-Thi gestellt haben. Das war aber ein reines Politikum und wenn alles, was in Frankreich diskutiert wird, bei uns als "Kunst" gälte, dann lebten wir in einem Museum. Wirklich nervig sind allerdings sind die Leute, die anläßlich Baise Moi plötzlich den Moralischen kriegen und die Jugendschutzorganisationen beschuldigen "versagt" zu haben. War der Film nun ab 18 oder nicht? Keiner ist gezwungen ins Kino oder in die Videothek zu gehen. Und von wegen feministisch: ich wollte nur darauf hinweisen, daß in jedem James Bond Filmchen mehr Männer getötet werden als hier, allerdings auch von Männern, aber warum sollten Frauen nicht ebenfalls das Recht haben, Männer zu töten? Die Stories in eben erwähnter Agentenserie sind wesentlich "unlogischer" als die von Baise Moi, weil letzterer nämlich gar nicht vorgibt, eine zu haben. Wer also mit Filmen wie z. B. "Maniac" (W. Lustig) und "I spit on your Grave" (M. Zarchi) was anfangen kann, ist auch hier gut bedient.
PS: Der Videokameraeinsatz ist übrigens weniger nervig als in 28 Days Later.