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Die Franzosen überraschen immer wieder; diesmal mit offensiver, plumper Provokation statt mit künstlerischer Raffinesse. Sich nichtsahnend, also unvorbereitet, an diesen skurrilen Trip zu wagen, dürfte nach nur wenigen Minuten "Baise-moi" unweigerlich zu erstaunten Blicken führen - erstaunte Blicke über die hier an den Tag gelegte, brutal-sexuelle Gangart.

Die nicht unbedingt rühmliche Einzigartigkeit von "Baise-moi" liegt nämlich in der Kombination von robuster Gewalt mit pornografischen Elementen. Da holen männliche Protagonisten zu Beginn schon einmal ihr bestes Stück aus der Hose und vergewaltigen schonungslos ihr Opfer. Intensität und plakative Intimität ist dieser Vergewaltigungssequenz garantiert. Falls das Regiegespann Virginie Despentes und Coralie Trinh Thi schocken wollte, so gelingt ihnen dies jedoch auch nur in dieser Szene. Alle anderen explizit dargestellten Geschlechtsakte erfüllen nicht den Zweck des Schockens, mehr den des alles andere als erotisch in Szene gesetzten Vergnügens, und rauben dem Streifen jegliche glaubhafte Seriosität oder Intention.

Ziemlich überflüssig erscheint auch die Suche nach einem halbwegs brauchbaren Handlungsverlauf. Da blasen zwei Frauen einfach zum Marsch, eben nicht nur sprichwörtlich, und ziehen in einer Gewaltorgie durch die nähere Umgebung von Paris, bei der männliche Leichen ihren Weg pflastern. Einen echten Sinn ergibt das Ganze nicht, allerdings lässt der Filmstil erahnen, dass hier etwas Tarantino'sches erschaffen werden sollte. Es wirkt wie gewollt und nicht gekonnt, wenn man sieht, wie monoton hier mit dem Kopf durch die Wand gerannt wird. Merklich an der fast ausschließlich stümperhaft agierenden, wohl überwiegend nur aus Hardcore-Darstellern bestehenden Besetzung sowie der unsicheren Handkamera fiel das Budget ziemlich gering aus. Dennoch ist der dokumentarisch anmutende Kamerastil kein allzu großer Störfaktor, da er tatsächlich dazu beiträgt, ein möglichst authentisches Abbild des entsprechend unangenehmen Milieus einzufangen.

Wer also eine Vorliebe für sehr unkonventionelle, kontroverse und sinnlose Gewaltexzesse beinhaltende Filme hat, die für reine Pornografie noch zu viel Inhalt besitzen und für einen Actionthriller dann doch zweifellos zu inhaltslos sind, der kann einen Blick riskieren. Aus künstlerisch-ästhetischer Sicht ist "Baise-moi" allerdings ein Fall für die Mülltonne.

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