Review

Unnatural Born Fuckups

Zwei vom Leben gezeichnete französische junge Frauen im Fick-, Mord-, Lust- und Rachemodus - ein brachialer Roadtrip zweier Freundinnen und Psychopathinnen, den man fast nur lieben oder hassen kann… 

The French Swingerclub Massacre

Mir oft als heftiger Tabubrecher und „Partnerfilm“ zu sowas wie „Irreversible“ dargelegt, kreuzten meine Wege „Baise-moi!“ schon vor Jahrzehnten auf Filmmessen und unter einschlägigen Videothekentresen. Ganz geguckt habe ich ihn seltsamerweise aber nie. Obwohl man im gewissen Alter, etwa als Teenager, ja gerne solchen „Rotz“ und solche „Limitbreaker“ aufsucht und feiert. Eventuell aus den falschen Gründen. Im Nachhinein bin ich happy, dass ich gewartet habe. Auf das richtige Alter, auf die richtige Stimmung, auf eine (auch wenn’s blöd klingt) gewisse Reife und filmische Übersicht, Einordnung, Einschätzung. Denn letzte Nacht hat mir „Baise-moi!“ fast schockierend gut gefallen. Ich war hin und weg. Anfangs muss man sich an die amateurhafte Art und Optik und Sprunghaftigkeit etwas gewöhnen. Aber dann gibt’s kein Halten und kein Zurück mehr. Nichtmal achtzig Minuten pure Ekstase. Der reinrassige Wow-Faktor, der weibliche Rundumschlag und die Umstülpung der „Gesetze“. Weit mehr als nur hardcore, weit mehr als nur Rape&Revenge, weit mehr als Feminismus, Schocker, Rebellin, Kein-Fick-Geberin. Das hat was von „La Haine“, von „Thelma & Louise“, von PornHub und von Snuff, von Kunsthochschule wie vom Bordstein. Ein Film sieht rot und macht was er will. Natürlich mit höchster Vorsicht zu genießen. Aber mir hat’s sehr gefallen. Bellt nicht nur sondern beisst auch. 

CD-Player immer am Abzug

Fazit: roh, rau, real, rattig und radikal… „Baise-moi!“ ist fantastisch gealtert und noch immer ein schockierender kleiner Straßenfeger zwischen Porno, Revengereisser, Gangsterthriller und Amateuralleswager. Sehenswert. Zwischen Sean Baker, Gaspar Noé und Quentin Tarantino. Polarisierendes Paradebeispiel. Räudig, kompromisslos, übel. Aber höchst sehenswert. 

Details