Das Malaiische Kino ist, wenn überhaupt, außerhalb des Landes nur für seine unzähligen Horrorfilme um allerlei Geistergestalten in Verbindung mit dem muslimischen Glauben als Heilung in der Not und ansonsten noch die Komödien bekannt. Selbst für das geringe Finanzaufkommen der dortigen Filmwirtschaft noch eher preisgünstig angesiedelte, dafür aber auch stetig willkommene Unterhaltungsware der eifrig nach mehr davon nachfragenden Bevölkerung. In Sachen Action so gut wie unbefleckt, und, laut damaliger Eigenwerbung erst 2007 mit Kinta 1881 in das Martial Arts Genre und dies auch ohne Nachfolger in dem Bereich eingestiegen, liegen die Erwartungen für Syamsul Yusofs KL Gangster von vornherein auf einem eher zweischneidigen Schwert platziert. Doch anders als das versuchte, durchaus teure, auch ansprechend intendierte, aber letztlich doch scheiternde Epos von C.L. Hor liegt der Schwerpunkt dieser Skop Production Sdn. Bhd. auf den schlichten und umso willkommeneren relaunch allseits gängiger Triaden- und Bloodshedthemen. Sei es eine Kopie, ein Hommage, oder die Bebilderung eigener filmischer Erinnerungen, trotz der für Viele ungewohnten Sprache und Gesichter ist dies Werk nichts weiter und nichts weniger als die Wiederauferlebung einst allseits anwesender kantonesischer modern day Action [ Die ausgelösten Kontroversen mit der PEKIDA, der "Pertubuhan Kebajikan dan Dakwah Islamiah Malaysia", einer ihrer Verlautbarung nach Muslimischen Missionars- und Fürsorgeorganisation einmal ausgenommen ]:
Kuala Lumpur, Malaysia.
Der ehemalig mit an der Spitze der Unterwelt stehende Malek [ Aaron Aziz ] hat wegen einer Intrige seines Kollegen Shark [ Syamsul Yusof ], dem Stiefsohn des Gangsterkönigs King [ Ridzuan Hashim ] im Gefängnis gegessen. Bei seiner Freilassung findet er vorübergehend Bleibe bei seinem besten Freund Fadil [ Zizan Raja Lawak ], da das eigene Elternhaus mit der ihn verstoßenden Mutter, der mit Drogen handelnden Schwester Zeti [ Sheera Iskandar ] und des noch für Dragon [ Corrie Lee ] tätigen, aber mittlerweile seine eigene Gang zusammenstellenden Bruders Jai [ Ady Putra ] nicht gerade die erste Anlaufstelle für den nun einen legalen weg einschlagen wollenden Malek ist. Doch trotz seiner Verweigerung und dem Ausschlagen diverser Angebote kann er sich dem Ausbruch der Gewalt, erst mit Fäusten, dann mit Baseballschlägern bis hin zu Schusswaffen nicht entziehen.
Dabei hätte auch diese Arbeit durchaus den Weg eines breit angelegten und in die Tiefe der Erzählung gestaffelten dramatischen Dichtung gehen können; ist die Geschichte und auch die Masse an Figuren und ihre stetig aufkommenden Diskrepanzen miteinander dafür spielend und für auf jeden Fall viel mehr als nur 77min da. Doch gerade der erste kurze Abschnitt der Einleitung, die voice over Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse aus Sicht von Malek stellt bereits die Merkmale der Inszenierung auf und die Weichen für das noch Folgende dar. Im Grunde verhält sich das nun Gezeigte wie einst Tragic Hero (1987) zu Rich & Famous (1986), ist quasi der Zweite, der Explosivere und wesentlich Gestraffte Teil, der anstatt mit Gerede und Aufbau wie im Vorgänger nun mit den Reaktionen und Destruktionen selber aufwartet. Das Umfeld für gewohnt hitzige Debatten, empört schwelende Schlagadern und einem Gefühl kurz vor dem Adrenalinüberschuss ist schon angelegt, das Feld bestellt, müssen nur noch die Früchte geerntet werden. [ Nach dem überragenden Einspiel an den Kinokassen, da mit über 4 Mio. USD einen neuen Rekord aufstellend, soll das Prequel im Nachhinein gedreht werden und ist bereits beschlossene Sache; Drehbeginn Oktober diesen Jahres.]
Rückblickend hat Regisseur Yusof vor allem in der Zeit zwischen 2008 und 2010 das herrische Filmemachen erlernt; psychologisch sicherlich nicht und auch emotional alles andere als verfeinert, aber jetzt auf das Nötigste und Wichtigste in der spartanischen Gestaltung beschränkt. Bisher vor allem den Ruf mit dem erfolgreichen Evolusi: KL Drift Zweiteiler erarbeitet, einem mehr oder minder Zwitter aus Soap Opera, The Fast & the Furious und Initial D, wurde in den Jahren besonders das Tempo der Schilderung und die Erregung der Szenen darin mit auf das noch aushaltbare Extrem gesteigert. Wo zuerst noch die lange schmachtige Wortkunst, die traurigen Blicke und das Sinnieren im Vordergrund stand, geriet in der Fortsetzung und noch einmal gesteigert auch hier das große Gebaren, das gegenseitige Anfauchen, drohende Gestikulieren in knappen Sätzen zum Allheilmittel. Die Pose, schwelendes Testosteron bis hin zur Parodie dessen, unersättliches Machismus - Verhalten eigentlich optisch oft eher lächerlicher Gestalten.
Auch hier ist das ungezügelte Debattieren mit erhöhten Puls und Blutdruck an der Tagesordnung, ein stumpfes helter skelter Verhalten, in dem alle Beteiligten scheinbar schon unmittelbar vor dem nächtlichen Showdown stehen, auch wenn in der Erzählung selber der Morgen erst angebrochen ist. Mit einiger Gewöhnung an dieser überbordenden Hektik, der schon verschwenderischen Energie in Dialog und oft unwichtigen, da wiederholenden, die Provokation aber immer und immer wieder am Schwelen haltenden Nebenszenen hat dies Maßlose durchaus seinen Reiz und auf jeden Fall auch den gewünschten Effekt. Unterstützt durch ständig treibenden, wie abgehackt durch die 180 bpm Plattensammlung springenden Dance & Electronic Score und einem groben, raffenden, frames schlicht auslassenden Schnitt wie bei Michael Winner wird sich durch die Unterwelt Kuala Lumpurs gebolzt. Ein eigentlich ziemlich schmieriges und aufgrund größere Spektakel meidend auch trüb armseliges Milieu, dass an bessere low budget Tage des HK Kinos der späten Achtziger und Frühen Neunziger erinnert, und in der wenigen Charakterisierung von Figuren und Herkunft noch erneut bestätigt wird.
Ähnlich wie dort und damit auch den Fähigkeiten bzw. Unfähigkeiten der bestimmt enthusiastischen, aber nun einmal weitgehend untrainierten Darsteller entsprechend sind auch die Martial Arts-, oder doch eher Boxeinlagen gehalten. Rau geprügelt wird sich fleißig, aber choreographische Glanztaten vor und hinter der Kamera darf Niemand erwarten, der sich das lokale Geraufe in der Karaokebar, der Fast Food Bude, und anderen bescheiden verelendeten Stätten anschauen will. Ein eckiges Gehaue, immerhin mit Schmackes, einigen Stunts der engagierten Belegschaft, die zwar das Bein nicht richtig und schon gar nicht gerade gestreckt in die Luft bekommt, aber sich trotzdem willig in die die mit manchen effect shots dekorierte Balgerei stürzt. Eine Holzhammertaktik, die nicht schön ist, aber mit Blut und Straßenkämpfermentalität spielend seinen Zweck erfüllt.