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Anfang der Achtziger Jahre in Springfield/Ohio: die Studentin Amy (Brittany Belland) überlegt, ins Verbindungshaus der Alpha-Gamma-Theta-Schwesternschaft einzuziehen, die an diesem Abend eine Kennenlern-Party veranstaltet. Die neuen Kommilitoninnen sagen ihr zu und so wird sie neues Verbindungs-Mitglied - was jedoch keiner weiß: ein irrer Mörder hat es auf die jungen Damen abgesehen. In seinem Versteck hat er Fotos seiner Opfer angepinnt und kündigt deren Ableben mit verstellter Stimme am Telefon an, was jedoch zunächst als dummer Streich den männlichen Verehrern der Studentinnen zugeordnet und nicht weiter ernst genommen wird. Als dann das dritte Mädchen verschwindet, schlägt einer der beiden jungen Burschen endlich Alarm und erstattet Vermisstenanzeige. Ein Detective nimmt sich der Sache an, doch bis er endlich selbst den Killer am Telefon und damit eine heiße Spur hat, geschehen weitere Morde. Wird es ihm gelingen, die verbliebenen Mädchen zu schützen und den meist mit einem Klauenhammer zuschlagenden Mörder zur Strecke zu bringen?

Mit seinem Low-Budget-Slasher The Sleeper präsentiert Regisseur Justin Russell eine reichlich konventionelle Story, wie man sie gefühlt schon tausendmal gesehen hat: Wenig persönlicher Hintergrund, etwas hölzerne Dialoge und der Fokus eindeutig auf die Nachstellungen des irren Mörders gerichtet (dessen Gesicht filmdramaturgisch schon viel zu früh gezeigt wird), dazu ein Score, der dem Zuschauer in jeder Sekunde überdeutlich anzeigt, wann es brenzlig wird. Nein, auf diese Weise baut sich eine Spannung gar nicht erst auf, und spätestens wenn der Detective in Sakko und Borsalino ermitteln geht (weil es für eine Polizei-Uniform nicht gereicht hat), wird einem der Amateur-Status des Streifens schmerzlich bewußt. Unter diesen Umständen mag es für den einen oder anderen Genre-Freund sogar zur Qual werden, den Film bis zum Ende anzuschauen.

Berücksichtigt man jedoch den Umstand, daß The Sleeper eine ausgesprochene Hommage an die legendären Slasher der Achtziger ist, bei denen der Regisseur bewußt keine neuen Ideen, sondern scheinbar wahllos Motive aus den seinerzeitigen Highlights wie Freitag der 13. oder Halloween etc. zusammengetragen und sein Hauptaugenmerk auf das Retro-Feeling konzentriert hat, kommt man dank einer geänderten Erwartungshaltung zu einem ganz anderen Ergebnis. Die Entscheidung, gelangweilt abzuschalten oder trotz der drögen Handlung dabeizubleiben und auf Details zu achten, mag man nach einer guten Viertelstunde Laufzeit fällen.

Entscheidet man sich für Letzteres, wird man mit vielen kleinen Details belohnt, an die der Regisseur, offenbar ein glühender 80er-Slasher-Fan, gedacht hat: Angefangen vom Wählscheibentelefon mit seinem sonoren Klingeln über die zeitgenössische Kleidung und Frisur sowie die Pop/Disco-Musik (inklusive Tanzszene) bis hin zum typischen Schnitt, wenn der Mörder zuschlägt: Ein weit ausholender Arm, der von oben nach unten aus dem Bild verschwindet und in der nächsten Einstellung dann das blutige Resultat mit (oft) einem malträtierten (und als solches erkennbaren) Latex-Schädels, kaum jedoch das eigentliche Eindringen des Mordwerkzeugs. Zu den weiteren kopierten Merkmalen zählen die überaus hübschen Mädchen (von denen eine kurz oben ohne zu sehen ist) und deren Verehrer, die einigermaßen natürlich auftreten, was für die (durchwegs) Laiendarsteller prinzipiell als Lob zu werten ist. Auch die mangelnde Charakterzeichnung sowie die Darstellung des Killers als röchelnder Mittvierziger in dunkler Kleidung und Handschuhen, dessen Beweggründe man zu keiner Zeit erfährt, gehören zum Retro-Paket dazu, genau wie der unspezifische Filmtitel (Sleeper - Schläfer gibt es keinen) und nicht zu vergessen der auf einem Gesicht festgefrorene Schlußbildschirm, auf dem dann langsam die Credits in blutroter Schrift durchscrollen.

Abstriche muß man freilich beim Setting und der Ausstattung machen, denn der engagierte glatzköpfige Detective hat eine nahezu leere Tafel neben sich hängen (keine Verbrechen in Springfield?) und muß wie erwähnt in Privatklamotten ermitteln (der Kollege draußen bekam wenigstens ein blaues Hemd und eine dunkle Jacke, wenngleich auch keine Polizeimütze), und der Streifenwagen (von einem lokalen Filmservice angemietet) sieht mit seiner unauffällig kleinen Police-Aufschrift auch nicht sonderlich echt aus, wenn er in 2 Szenen von rechts nach links kurz ins Bild fährt. Der Umstand, daß der ganze Film für die vergleichsweise ein Taschengeld darstellende Summe von 30.000 $ realisiert wurde, rechtfertigen jedoch diese und ein paar kleinere andere Mängel.
Was Justin Russell gegenüber den Originalen jedoch tatsächlich verändert hat, sind jene seinerzeit meist ohnehin kurz geschnittenen (und zu zahlreichen Beschlagnahmen und Zensuren führenden) Slasher-Szenen, die er ganz betont graphischer ausführt als damals: ohne sie allerdings zu zelebrieren, bleibt die Kamera stets etwas länger auf den handgemacht schwabbelnden Gummiteilen - da muß man teilweise schon schmunzeln...

Nach den üblichen Gesichtspunkten sind das einerseits maximal 3 Punkte, aus der Sichtweise eines Fans, der die vielen Kleinigkeiten nach über 30 Jahren mit einem Augenzwinkern noch einmal Revue passieren läßt, ist dieser mit viel Herzblut unternommene Versuch eines Retro-Slashers jedoch als größtenteils gelungen zu bezeichnen und mit gut 8 Punkten zu honorieren: Ein "Fan-Werk" für ein freilich kleines Nischen-Publikum. 6 Punkte.

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