Review

Mit dieser Review möchte ich mich nun erstmalig Chuck Norris (Hellbound) widmen. Allgemein gilt Norris ja als präziser, aber wenig eleganter Holzhacker unter den Kampfsport-Darstellern. Seine Markenzeichen sind vor allem die starke Gesichts-, Schulter- und Rückenbehaarung, sowie dass die von ihm gespielten Figuren stets extrem leicht zu provozieren sind. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die "Missing in Action"-Filme sowie sein legendärer Fight gegen Bruce Lee in "Die Todeskralle schlägt wieder zu". Herrscht mal wieder Leere in der Haushaltskasse und ist kein neues Filmprojekt in Sicht, so ist sich Onkel Chuck auch nicht zu schade im Shopping-TV aufzukreuzen. Weniger bekannt sind hingegen seine billig herunter gekurbelten Filmchen, die er oftmals auch mit Brüderchen Aaron Norris produziert. Dazu gehört eben auch "Enter the Hitman", wo Norris den Therapeuten für seinen Neffen macht, der durch Mafiakiller seine Familie verlor. Leider ist dem Norris nur die Gewalt als Therapie bekannt...

Als Kind muss Logan Fallon (Eddie Cibrian) mit ansehen, wie Mafiakiller Sal Mercado (Jeff Kober) im Auftrag von Don Talgorno (R.D. Call) seine Familie ermordet. Sein Onkel Jake (Chuck Norris) nimmt den verstörten Jungen auf. Gemeinsam trainieren sie die verschiedensten Kampfsportarten. Jahre später sinnt Logan auf Rache und will sowohl Talgorno als auch dessen Handlanger Sal Mercado zur Strecke bringen. Allerdings gestaltet sich das Unternehmen schwieriger als erwartet...

Hauptdarsteller Eddie Cibrian (The Cave) ist mimisch noch untalentierter als Steven Seagal oder Dolph Lundgren. Auch actionmäßig hat dieser schmierige Schönling außer mit 'ner Desert Eagle herumfuchteln und wenigen Martial Arts-Einlagen nix drauf. Vielleicht hatte man ihn auch nur gecastet, damit Chuck Norris nicht ganz so schlecht abschneidet, da er hier lediglich nur einen Nebenpart inne hat. Norris zeigt, wenn er mal auftaucht, seine übliche Kicker-Show, die keinen mehr vom Hocker hauen dürfte. Mit Jeff Kober (Extreme Rage) und R.D. Call (Im Vorhof der Hölle) hat man für die Schurkenseite zwei regelrechte Hackfressen verpflichtet, die kaum was zu tun haben, ehe sie sang- und klanglos abgemurkst werden.

Über 60 und hoffentlich die baldige Rente im Visier kann Chuck Norris was seine Kampfkünste angeht natürlich nicht mehr mit Kollegen wie Jet Li, Jackie Chan oder Jean-Claude Van Damme mithalten. Daher beschränkt er sich nur auf etwas Gekloppe und einer Art Special-Move, der eher vom Wrestling stammen könnte als vom Kickboxen. Im faden Showdown taucht Onkel Chuck dann wie aus dem Nichts auf, um seinem Neffen beizustehen. Der Brüller ist dann auch, als Norris die Wumme fortwirft, um mit beiden Füßen durch die Windschutzscheibe eines Autos zu jumpen, wodurch der sich am Steuer befindende Obermotz ins Ausseits gekickt wird. Ansonsten wird bezüglich der Action etwas halbherzig gepunisht, weshalb bei einem Actionfreund wie mir nie wirklich Freude aufkam. Auch inhaltlich entpuppt sich das von den Norris-Brüdern verfasste Drehbuch nur als eine Light-Fassung von qualitativ besseren Selbstjustiz-Thrillern. Nix gegen Selbstjustiz im Film, da ich diese gerne in Streifen der Marke "The Punisher", "Walking Tall" oder "Zum Töten freigegeben" sehe. Doch Onkel Chuck würzt die hier demonstrierte Selbstjustiz mit dem üblichen Ami-Pathos, der mehr als nervt. So will sich der gedrillte Neffe natürlich zum Zinnsoldaten ausbilden lassen, weil er das Gefühl hat, dies tun zu müssen. Selbstverständlich pflichtet ihm Onkel Chuck schulterklopfend bei, da er einst selbst aus besagten Gründen zur Armee ging. Was bleibt dem Neffen denn auch anderes übrig, da der bärtige Onkel ihm eine vernünftige Schulausbildung anscheinend vorenthalten hat. Da kann ja nicht allzu viel bei rumkommen. Dennoch wollte ich bereits bei dieser Szene auf einen anderen Sender schalten. Das Ganze wurde dann von Norris-Spezi Michael Preece (The President's Man) in billigster TV-Soap-Manier abgefilmt, so dass "Enter the Hitman" auch optisch alles andere als beeindrucken kann.

"Enter the Hitman" gehört eindeutig zum Bodensatz filmischer Actionbeiträge. Zwar war Chuck Norris nie ein besonders begnadeter Actionstar, doch so schlecht wie hier habe auch ich ihn noch nie gesehen. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich von ihm noch nicht allzu viele Werke "bewundern" konnte. Kann also auch gut sein, dass Onkel Chuck immer so mies agiert, wie man es hier geboten bekommt. Wenn demnächst also wider mal 'n Norris-Streifen im TV läuft, besser umschalten und etwas anderes mit Schwarzenegger, Willis oder Stallone suchen.

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