Review

Von Norris Brothers Entertainment für CBS produzierter Actionthriller, der die folgenden beiden The President's Man (2000 & 2002) quasi vorweg nimmt, der Star Chuck Norris natürlich selber, auch Texas, Dallas verlässt man nicht, der Walker, Texas Ranger Stammregisseur Michael Preece führt Regie und Chuck sowie Aaron Norris sind am Drehbuch beteiligt und natürlich der Produktion, ihr Schaffen, in ihrem Sinne, ihr Werk. Eric steckt auch irgendwo, als Second Unit Director nämlich anwesend, der Rest ist die Fortführung der bekannten Methoden, der ausführlich genutzten Fernsehformel, nur unter einem anderen Namen, eine Art Ausprobieren, wie weit man das Rezept behalten kann, ohne die Zuschauer zu vergraulen, zudem wurde international reichlich der Videomarkt mit diesen Werken bestückt und mit Erfolg auch abgenommen, Norris war nicht bloß Aushängeschild und Geldesel für Golan/Globus, sondern seit Ende der Siebziger ein gefragter Name und tatsächlich auch einmal Box Office Heroe; ob man es glauben möchte oder nicht:

1983 wird der zehnjährige Logan Fallon Zeuge der Morde an seiner Familie durch Mafia-Schläger. Nach der Tragödie wächst Logan auf einer Ranch in Taos, New Mexico, auf, die Jake Fallon [ Chuck Norris ], ein ehemaliger Army Ranger und Träger des Distinguished Service Cross, und Ben [ James Gammon ], dem väterlichen Onkel bzw. Großvater mütterlicherseits gehört. Erwachsen geworden und selber in die Fußstapfen seines Lehrmeisters Jake getreten, infiltriert Logan [ nun: Eddie Cibrian ] unter dem Namen "Jimmy Testa" den Unterweltclan, der für den Tod seiner Familie verantwortlich ist. Unter den Fittichen von Sal Mercado [ Jeff Kober ] arbeitet er sich die Mafia-Leiter hinauf. Unterdessen überprüft FBI-Agent John Downing [ Joe Spano ] – der selbst die Fallon-Mörder seit über einem Jahrzehnt verfolgt – die alten Fallakten, nachdem Logan ihn anonym kontaktiert hat.

Norris gestattet dabei seinem zweiten Mann an der Seite gar die Nennung vor dem Titel, das ist sonst nicht der Fall gewesen, entweder er oder keiner, ansonsten hört es sich schon an und sieht auch aus wie Fernsehen der Neunziger, das kann niemand täuschen, das will es wahrscheinlich auch gar nicht, das hat man aufgegeben, man ist stolz auf die Herkunft der kleinen Mattscheibe. In Chicago '83 beginnt dabei die Geschichte, das ist neu, wird hier noch in die Kindheit zurückgeblickt, natürlich nicht die von Logan Senior, sondern Logan Junior, der mit sich alleine Baseball spielt. Eine familiäre Idylle wird aber gezeigt, Vater, Mutter, Sohn und Tochter, nur heftig bewacht auf einem Grundstück, der Papa berühmt, er war auch im Fernsehen, er hat sein Gesicht gezeigt und eine Rede gehalten, das passt anscheinend nicht jedem. Der Wachschutz in Uniform, ein Hund bellt auch wo in der Gegend, die Friedlichkeit pur, alle sind zufrieden. Ein Vater - Sohn - Gespräch folgt noch vor dem Zubettgehen, es wird sich entschuldigt fürs viele Fernbleiben, für die Polizisten im Vorgarten, es wird ein wenig die Prämisse vorgestellt, die Verhaftung eines Gangsters angestrebt, deswegen die Überstunden, das Verbrechertum und seine Machenschaften schädigt eine Familie hier. Der Sohn hat Ängste und er hat ein böses Gefühl, eine Art Omen, der Papa Staatsanwalt mit einem Job zu tun, der noch Jahre dauern und die Generationen überspringen wird.

Vorahnungen und telepathische Verbindungen sind mit das Thema, ansonsten der Kampf vom Guten gegen das Böse, mehrere Angreifer im Haus, die Cops keine Gegenwehr, es braucht Jemand Spezielles, der die Drecksarbeit erledigt, es braucht den Norris, die anderen sind unfähig. Etwas Blut wird gezeigt, ein Kindestod auch, das zweite im Krankenhaus mit einem Trauma, der Onkel nimmt sich dem an, er spürte die Gefahr ebenso, ein Versprechen wird gemacht und eingelöst, knappe 90min später. Melancholisch wird die Musik eingespielt, weich zu Beginn, es bleibt etwas länger bei 1983 stehen in der Zeit, erst verändert sich der Ort, von Chicago auf die Ranch in Taso, New Mexico, 1000 Morgen Land, es wird viel geschwiegen auf der Fahrt, dafür geht es in die Weite der Landschaft, in die Isoliertheit und Unberührtheit, in die Fürsorge und das Verarbeiten der Vergangenheit, im Ankommen in der Gegenwart. Ein ruhiges, rustikales Verfahren, eine simple Struktur mit kleinen Details, zwei fremde Männer, nur einer blutsverwandt als neue Gesellschafter, als neue Begleiter, als Erzieher des Jungen hier, das sieht eher aus wie Hallmark, die meisten Zuschauer würden ohne Norris wahrscheinlich schon abschalten, oder vor spulen, je nach Verfassung; es gibt im Übrigen ein Foto von Delta Force 2: Columbian Connection, eine neue Familie, ein Anfang nach dem Ende, eine Anpassung an die Umstände.

Eine spirituelle Verbindung wird geboten, zwei Menschen spüren die Gefahr schon vorher, wie eine Ampel, grün, gelb und rot, sie ahnen die Bedrohung, eine übernatürliches Geschehen, eine Hilfe in der Gefahr, ein Wissen in der Not; ein Geschenk vom Gott, so wie der Film hier (nicht). Natürlich kommt dann das Training, das sieht man auch ausgiebig in The President's Man, allzu viel eingefallen ist den Autoren dort wie hier nicht, ein Abklappern vom Üblichen, erst die Übung, dann der Ernstfall, nicht unbedingt die Rache, eher eine Notwehr. Nach einem Drittel Laufzeit ist man dann im Hier und Jetzt angelangt, Norris ist nicht gealtert, der Junge schon, er ist jetzt selber ein Mann, er hat den Roundhousekick gelernt, immerhin, in ganzen 15 Jahren, die Ranch sieht auch immer noch so aus, die Bilder bleiben dünn. Der Kinderdarsteller war in Ordnung, der erwachsene ist es auch, er ist austauschbar und beliebig, genauso wie die 'Nachfolger' in den anderen Werken, es hat auch keiner eingeschaltet oder die Leihgebühr bezahlt wegen diesen Leuten, sondern dem vermeintlichen Hauptdarsteller, der eher in den Hintergrund rückt und mehr Mentor als Mittelpunkt ist. Die Ruhe und die Pause hat er sich auch verdient nach all den Jahrzehnten Machen und Schaffen, er gibt die Lehren weiter, und er spielt zuletzt dann doch den Retter in der Not, vorher wird sich eher ausgeruht und der Lebensabend genossen, nur noch in Teilzeit anwesend, er hat reduziert, um die Früchte seiner Arbeit zu ernten, das Feierabendbier auf der Veranda, hinten die Vögel am zwitschern, schön ist es hier.

Ein Motivationsfilm zu Beginn, viel Training und "I want you to keep practicing.", und "Good, attaboy.", in die Army geht es später, eine Operation schon steht an, die Zwischenphase übersprungen, mit einem Kleinkriegsfilm dann endlich gestartet, für paar Minuten. Eine Befreiungsaktion aus dem Dschungel irgendwo in Panama, ein Alleingang durch die Söldner, ein paar Schüsse und ein paar Tritte, "Did you order a pizza, sir?". Hubschrauber konnte man sich noch leisten, immerhin, dazu ein Sprint durchs Minenfeld, Aufregung bei den Aktiven im Film und beim Zuschauer, die Spannung unermesslich, auch ein paar (Staub)Explosionen präsentiert, Onkel Chuck ist stolz dafür. Dramaturgisch hält Preece das sehr simpel, es gibt Rückblenden noch und nöcher, auch Einspielungen von gerade gesagten Sätzen, eine Wiederholung binnen weniger Minuten, bloß nichts zu Vergessen. Der deutsche Titel bezieht sich natürlich auf Chuck Norris - Hitman (1991), einer der letzten rabiaten Arbeiten vom Norris, dort ein brutales Racheszenario, hier theoretisch auch, nur vermehrt familientauglich, es ist fürs Abendprogramm, für die Primetime gehalten, nicht ausschließlich die Volljährigen, eher die Heranwachsenden. Enter the Hitman ist auch allerhöchstens die zweite Filmhälfte, das davor die Einleitung, das danach ein Infiltrieren in die Unterwelt, das Heranpirschen an den Oberboss, das kommt bekannt vor, eine Kopie seiner selbst, ein Nachahmen mit nahezu gleicher Struktur, ein Propagieren von Selbstjustiz, man informiert das FBI nur. Ein wenig Prügelei im Hinterhof und eine 'Beweisführung' des Könnens auf einem Bootssteg sind die einzigen weiteren Actionmomente, das ist alles bisschen sparsam, alles ein bisschen wenig. Neben dem Undercoverplot, wenn man das so nennen mag, gibt es noch einen Subplot mit einem gewalttätigen Nachbarn, der seine Lebensgefährtin und deren Sohn verprügelt, was natürlich auch emotional gesteigert in die Aufmerksamkeit gebracht werden soll, und wie alles andere mit dem ganz dicken Pinsel gestrichen ist, mit der Axt geschrieben. Eine Art Crime installiert, eine mafiöse Organisation und der Kampf dagegen, mehr mit Gerede als mit Taten, wie eine Originstory auch verfasst, als Pilotfilm, der nicht weiter verfolgt wurde; der Hauptdarsteller kann selber kicken, und es gibt einen Indoor-Shootout als Finale, mit Chuck im Scherenschnitt und einem Sprung durch die Windschutzscheibe, aber richtig abendfüllend ist das nicht.






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