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Geheime Naziexperimente werden in jüngerer Zeit gerne als Aufhänger genutzt, um als vages Fundament für Zombietreiben zu dienen, - für eine entsprechende Vorgeschichte werden letztlich auch nur ein paar Uniformen und Hakenkreuze benötigt und schon kann ein Debütant wie David Ryan Keith mit wenig Budget erstaunlich viel auf die Beine stellen.

Die Loser Jackson und Russel des schottischen Küstendorfes Lobster Cove entdecken eine an den Strand gespülte Holzkiste und finden darin so etwas wie Kräuter. Kurzerhand verkaufen sie das Zeug als Tee an die Dorfbewohner, nichts ahnend, dass diese daraufhin zu aggressivem Mob mutieren…

Keith lässt sich leider zuviel Zeit, um die Figurenkonstellation im Dorf einzuführen. Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen wird Jackson für den Verfall des Ortes verantwortlich gemacht und wohnt nach einer Auszeit wieder bei den Großeltern. Indes versucht der ruchlose Unternehmer Bennett aus dem Dorf so etwas wie Kapital zu schlagen, indem er gnadenlos alle Gründstücke aufkauft. Hinzu kommen ein Säufer im Rollstuhl, Jacksons Ex, ein paar fleißige Teetrinker und ein Priester.

Obgleich den Beteiligten der Spaß bei der Sache anzusehen ist, will der Funke besonders im ersten Drittel kaum überspringen, denn trotz treffender Besetzung offenbart kaum ein Mime komödiantisches Talent und auch das Timing ist nicht immer optimal, zumal einige Gags komplett verpuffen. Mit den Nahaufnahmen grimassenschneidender Figuren driftet das Geschehen einige Male ins comichaft Alberne ab, charmante Situationskomik findet sich hingegen eher selten.

Im letzten Drittel wendet sich das Blatt ein wenig, als die ersten Dorfbewohner deutlich zu Aggressionen neigen, vermehrt Haushaltsgegenstände zweckentfremden und mit tiefer Stimme sprechen (wenn überhaupt noch). Es wird ein passables Tempo gefahren, es ist ordentlich Bewegung im Spiel, nur ein Splatterfeuerwerk sollte man nicht erwarten, denn einerseits mutieren die Dörfler nicht wirklich zu Zombies, da niemand gebissen wird und andererseits gibt es bis auf ein paar Kehlenschnitte, blutige Einschüsse und ein paar Fleischwunden durch die obligatorische Kettensäge nur wenig Blutvergießen.

Angeblich und laut Aussage der Macher wurde das komplette Treiben mit nur einer Kamera gedreht, - sollte dies der Wahrheit entsprechen, beweist Keith ein sehr gutes Gespür fürs Wesentliche, denn Schnitt und Editing lassen nicht viel zu wünschen übrig und auch die Wahl der Perspektiven ist fast durchweg gut abgestimmt. Gleiches gilt für den Score, welcher ein paar eingängige Parts liefert, die vielleicht nicht von ungefähr an Carpenters „Fog“ erinnern.

So wird ein Quirl zunächst nur gegen die Hecke gerichtet, die schlechte Synchro schafft es, den Priester mit Berliner Dialekt albern statt lustig klingen zu lassen, es gibt einen Flashback über das Schicksal des Rollstuhlfahrers, während Bennett permanent seine Bedienstete beim Golfen schikaniert. Zuletzt kommt es zu einigen Tumulten auf der Straße, da bis dato offensichtlich nahezu jeder Einwohner vom Tee getrunken hat.

Schade, dass die Chose erst zum Ende hin ihre Geschütze auffährt und ein unterhaltsames Treiben abliefert, welches besonders zu Beginn schmerzlich vermisst wird. Keith hat sich dabei offenbar besonders viel von Peter Jacksons Frühwerken abgeschaut und zuweilen wirken manche Momente auch trashig charmant, doch an anderer Stelle traut er sich nicht, noch skurriler, grotesker und bizarrer aufzutrumpfen.
Passable Ansätze sind durchaus vorhanden, doch im Gesamtbild fehlen der Biss und das Gespür für treffsichere Pointen, - wer ein Faible für Horrorkomödien aus dem Independentbereich hat, könnte dem Werk dennoch eine vorsichtige Sichtung einräumen.
5,5 von 10

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