Fischer fischt Frau erzählt aus dem Leben an der ostfriesischen Küste. Hein Schüpp (Peter Heinrich Brix) ist Krabbenfischer mit Herzblut. Die Gegenwart ist es, welche diese wortkarg-schrullige Type schließlich einholt. Daniel Speck, der bereits andere Integrationskomödien geschrieben hat, nimmt sich der Globalisierung an, indem er auf das Kleine in den entlegenen Winkeln blickt.
Anfangs wähnt sich Hein noch als freier Mensch, der auf seinem Krabbenkutter der eigene Herr ist. Sein Geld zieht er aus der See und er entscheidet, wann und wie er es sich nimmt. Die Gesamtsituation um ihn herum hat sich verändert. Seine Frau Rieke (Anna Loos) hat ihn verlassen. Die Briefe mit Ihren Forderungen öffnet er nicht. Die anderen Fischer verkaufen sich und ihre Kutter an einen holländischen Großbetrieb. Die Preise werden gedrückt. Selbst andere urige Dorfbewohner halten Hein für rückständig, weil er sich der Entwicklung entzieht. Auch Krabben pult man nicht mehr in Ostfriesland, wie es seine Mutter noch überzeugt betreibt.
Heute werden die Fänge 3000 km mit dem LKW nach Marokko gefahren, verweist Fischer fischt Frau. Flinke Frauenhände befreien dort die Tiere von ihren Krusten, bevor die verarbeitete Ware ihre Rückreise antritt, um zurück an der Nordsee auf dem Brötchen zu landen. Heins Freund Matze (Bjarne Mädel) fährt so einen LKW. Er ist es auch, der Hein den Floh ins Ohr setzt, in Marokko eine Frau finden zu können. Diese wollten keine Abenteuer, sondern heiraten. So ein Typ wie Hein sei da gerade der Richtige. Nun geht der Diesel kaputt, so daß Hein den Kurzurlaub wagt, welcher tatsächlich zur Folge hat, daß Mona (Sanaa Alaoui), die schnellste Krabbenpulerin am Ort, sich auf einen Besuch auf Probe an die ostfriesische Küste einläßt.
Es ist flach und grün beschreibt die Nordafrikanerin ihren ersten Eindruck der kargen, ostfriesischen Landschaft. Der unter Regie des Norddeutschen Lars Jessen entstandene Film Fischer fischt Frau beschreibt darauf hin einen recht leisen Kulturclash, welcher in den Figuren kaum besser gewählt sein könnte.
Mona ist eine moderne Frau, die sich nicht zuhause einsperren lassen, sondern anpacken will. Sie hat Sprachen studiert und ursprünglich auf eine Karriere in der Tourismusbranche spekuliert. Ihre geschiedene Ehe hatte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht, weshalb sie sich von der Familie trennte, um als Krabbenpulerin für ihren Unterhalt zu sorgen. Im ländlichen Ostfriesland charakterisiert man mit Fischer fischt Frau deutsche Reserviertheit in Potenz. Hier war man als Neuankömmling von einer 10km entfernten Insel vor Kurzem noch ein Zugereister, welcher sich selbst eine Begrüßung erst erkämpfen mußte. Hier können einfache Worte schon Zeugnis größter Zuneigung sein. Dies erleichtert Mona das Leben an der Seite eines Fischers nicht wirklich.
Es ist der mangelnde gemeinsame Zeichenvorrat, eine unterschiedliche Interpretation von Sprache und Gestik, welche die Muster einer klassischen, mit Hürden besetzten Liebeskomödie ausmalt, die zusätzlich durch eine unvollendete Scheidung angefacht wird. Fischer fischt Frau ist eine Integrationserzählung, die tiefer geht als Abziehbilder von Fremdenhaß und Chancenlosigkeit. Es geht um eine traditionell verschlossene Kultur, welche durch wirtschaftliche Prozesse erschüttert damit umgehen muß, daß sich enge Verbindungen zwischen Kontinenten ergeben.
Als die Fremdheit brechende Gemeinsamkeit entdeckt man die Nordseekrabbe als Bindeglied. Die Annäherung ist geprägt durch beidseitige Erwartungshaltungen, Ernüchterung und gegenseitige Arrangements. Nur zu deutlich legt man mit Fischer fischt Frau die Notwendigkeit einer Öffnung nahe, die ein gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen ermöglicht. Nur zu höhnisch wirkt da die Einseitigkeit des Integrationskurses, welchen Mona dennoch mit Freude absolviert, weil sie gewillt ist. Doch wie sie auch höflich bei einem Familienbesuch das Fleisch an den Rand ihrer Portion Bohnen, Birnen und Speck schiebt, ein gemeinsames Auskommen würde durch einen Lernprozeß der Gastgeber ebenso profitieren.
Dennoch ist Fischer fischt Frau keine Predigt. Es ist eine Erkenntnis, welche sich zu den präzise geschliffenen ostfriesischen Wortkaskaden gesellt. Peter Heinrich Brix beweist dabei auch außerhalb von Büttenwarder seine Prädestinierung für Norddeutsche Charakterfiguren, indem er sensibel eine in oftmals sehr dezenten Details aufgezeigte Gefühlsachterbahn durchspielt. Wer von Bjarne Mädel hingegen den neurotischen Ernie aus Stromberg erwartet, wird überrascht sein, wie er sich seine Sympathien auch zwar nicht von vollkommenem Glück gesegnet, aber doch in gewisser Lebensfestigkeit erhält. Es ist nur förderlich, wie Sanaa Alaoui charmant und lebenslustig der ostfriesischen Stoizistik in Fischer fischt Frau weniger die orientalisch-fremde, sondern eine modern-weltoffene Exotik entgegensetzen kann.
Wirtschaftliche Nöte norddeutscher Familienbetriebe, internationale Wandlungen und geschiedene Ehen prägen das Fernsehspiel aus dem Jetzt. Fischer fischt Frau ist eine Liebeskomödie die besonnen auf Aktualität abgestimmt vollkommen undiktatorisch gelassenen Schwung aus Lebensumständen und Fortschrittsambitionen bezieht. Fern der Ballungsräume findet sich ein durchaus plausibler Anlaß für das Auftauchen der Fremden. Das Auslassen von Patentlösungen und nur partielle Aufhebung von Konflikten appelliert still an ein Weiterdenken in einer Welt, die nun auch im Ländlichen zusammenrückt. Das ist gut durchdachte Fernsehunterhaltung, die uns daran erinnert, nicht nur auf Standpunkten zu verharren, sondern ihnen auch zu entwachsen.