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Man ahnt schon, was kommen wird, als Roger Brown (Aksel Hennie) sich aus dem Off vorstellt – hier wird ein Held sühnen müssen. So geschmeidig und selbstironisch er sich auch auszudrücken weiß, entsteht doch der Eindruck, das es sich bei ihm um ein ziemliches Arschloch handeln muss, wenn natürlich auch ein sympathisches. Trotz seines Jobs als erfolgreicher Headhunter, kann er seinen luxuriösen Lebensstil nur finanzieren, indem er ausgesuchten Kunden, die sich um einen Job bei ihm bewerben, ihrer Kunstwerke beraubt. Seiner schönen Frau Diana (Synnove Macody Lund) gaukelt er vor, allein mit seinem Gehalt ihre Villa zu finanzieren. Zudem beschenkt er sie reichlich, was ihn aber nicht davon abhält, sie gleichzeitig zu betrügen und ihren Kinderwunsch zu ignorieren. Man spürt schnell, hier arbeitet Jemand hart an seiner Profilneurose, die er mit seiner Körpergröße von 1,68m begründet.

Er selbst bezeichnet sich nebenbei als ausgezeichneten Menschenkenner, weshalb es etwas verwundert, dass er gleich den nächsten Raub ins Auge fasst, als er den Geschäftsmann Clas Greve (Nikolay Coster-Waldau) kennenlernt. Dieser strahlt schon physiognomisch den Gewinnertypen aus und hat keine Ähnlichkeit mit Rogers sonstigen Opfern, aber die Tatsache, dass dieser einen wertvollen Rembrandt in seiner Wohnung hat, lässt ihn jede Vorsicht vergessen. Der Gedanke, dass es diesmal nicht so leicht werden wird, kommt ihm schon, als er – nach dem Raub noch in der Wohnung des Bestohlenen – seine Frau anruft, ihr Handy aber im Nebenraum klingelt, wo sie es im Bett von Clas Greve vergessen hatte. Doch bevor er seine Frau damit konfrontieren kann, findet er seinen Kompagnon, der für ihn die Alarmanlagen bei den Diebstählen lahmgelegt hatte, tot in seinem Auto. Er hatte sich an einem Stachel auf dem Fahrersitz vergiftet, der für Roger bestimmt war.

Bis hierhin reicht die Vorgeschichte, die das Herzstücks des Films vorbereitet – eine einzige wilde Verfolgungsjagd, in der Roger versucht seinem Häscher zu entkommen und dabei in die aberwitzigsten Situationen gerät. Positiv daran ist das hohe Tempo, das der Film durchgehend abliefert, auch entbehren die einzelnen Szenen nicht einer gewissen abstrusen Komik, aber wirkliches Vergnügen kann man nur daran gewinnen, wenn man keinerlei Wert auf stimmige Charaktere und die innere Logik einer Geschichte legt. Es wird nie wirklich deutlich, warum Greve ihn so rigoros ermorden will und bei seiner Jagd jederzeit weitere Morde begeht. Der Film konstruiert diese Situationen zwar so, dass immer Roger in Verdacht gerät, aber das ist eher die Folge von Zufällen, die keineswegs bewusst von Greve geplant sind. Im Gegenteil wirkt seine sehr grobe Vorgehensweise höchst unprofessionell, was gänzlich dem Eindruck widerspricht, der in der Vorgeschichte von ihm behauptet wird.

Dadurch entsteht das größte Manko, dass bei einem Actionthriller wie „Headhunters“ vorstellbar ist – trotz der erheblichen Brutalität und diverser Cliffhanger, ist er nie wirklich spannend, da das Verhalten der Charaktere vorhersehbar bleibt, sieht man von einer späten überraschenden Wendung ab. Diese wirkt nicht nur sehr konstruiert, sondern leitet den verlogenen Schluss ein, der die intelligenteste Grundidee des Films, einen nicht ganz anständigen Helden in den Mittelpunkt zu stellen, letztlich wieder ad absurdum führt – in dieser Hinsicht kann „Headhunter“ jeder romantischen Komödie erfolgreich Paroli bieten.

„Headhunter“ ist definitiv kein guter Film geworden, aber einen gewissen Unterhaltungswert kann man ihm nicht absprechen, wenn man die Story nicht allzu ernst nimmt und sich daran erfreuen kann, wie ein Held für sein bisheriges Leben teilweise recht originell büßen muss. (5/10)

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