Für den fürs US-Fernsehen produzierten Haunted-House-Horror-Mehrteiler „Haus der Verdammnis“ verfasste niemand Geringerer als Horrorautor Stephen King das Drehbuch und beteiligte sich an der Produktion. Die Regie übernahm Craig R. Baxley, veröffentlicht wurde die Reihe 2002.
Ein Film wie „Es“ bewies seinerzeit, dass sich eine TV-Produktion nach King’scher Romanvorlage nicht zwangsläufig hinter Kinofilmen zu verstecken braucht. Jedoch fungierte dort King weder als Regisseur, noch als Drehbuchautor. Kings eigene Ausflüge in den Horrorfilmbereich waren meist eher geringerer Qualität und ähnlich verhält es sich mit dem vierstündigen Epos „Haus der Verdammnis“. Man bekommt es mit einer Mixtur typischer King-Ingredienzien zu tun; am auffälligsten und dominantesten ist dabei die mehrköpfige Gruppe von Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten. Zusammengetrommelt wurde diese von Dr. Joyce Reardon, die das Anwesen „Rose Red“, in dem es kräftig gespukt haben soll, zusammen mit eben jener Gruppe erneut zum Spuken herausfordern und erforschen will. Die Handlung beginnt dabei relativ vielversprechend, die einzelnen Charaktere werden mal mehr, mal weniger intensiv vorgestellt und nach Betreten des „Rose Red“-Anwesens macht die anschauliche Kulisse schnell deutlich, dass das mit Sicherheit kein gemütliches Kaffeekränzchen wird.
Doch viel zu schnell beginnt „Das Haus der Verdammnis“ eher belanglos vor sich hinzuplätschern. Die teils handgemachten, teils computeranimierten Gruseleffekte sind mal mehr, meist aber weniger gruselig und nutzen sich aufgrund ihrer Ähnlichkeit irgendwann ab – bei dieser Filmlänge wahrlich kein Wunder. Von King könnte man nun erwarten, dass zwecks punktgenauer Charakterisierung der Protagonisten die Schauwerte in den Hintergrund rücken und man beginnt, sich für die Figuren zu begeistern, sie genau kennenzulernen und mit ihnen mitzuleiden, mitzulachen, mitzufiebern. Doch weit gefehlt – was King in seinen Romanen normalerweise vorzüglich gelingt, muss hier doch als ziemlich missglückt bezeichnet werden. Die Gruppe übersinnlich Begabter agiert nicht nur angesichts ihrer Erlebnisse verwunderlich emotionsarm, nein, größtenteils sind sie auch noch uninteressant bis richtiggehend unsympathisch – letzteres nicht immer beabsichtigt. Definitiv beabsichtigt ist dies aber im Falle Emery Watermans, mit maximalem Overacting maximal nervig gemimt von Matt Ross. Positive Akzente zu setzen vermag eigentlich nur das Geschwisterpärchen Rachel, genannt „Sister“, und Annie Wheaton, gespielt von Melanie Lynskey und Kimberly J. Brown. Dem ganzen Rest der ausdruckslosen Mischpoke ist man beinahe geneigt, einen schnellen Abgang herbei zu wünschen, in der Hoffnung, damit die Handlung zu straffen.
Jene suggeriert nämlich irgendeine besondere Verbindung der telekinetisch begabten Autistin Annie zum Gruselhaus und gibt sich allgemein bedeutungsschwanger und betont mystisch. Doch obwohl nun wirklich mehr als genügend Zeit dafür vorhanden wäre, werden kaum nachvollziehbare Erklärungen für die geheimnisumwitterten Vorgänge geliefert, kein großes Geheimnis gelüftet, kein Aha-Effekt provoziert. Das wäre prinzipiell gar nicht so schlimm, würde die Handlung nicht immer wieder so tun, als würde die Geduld des Zuschauers mit einem entsprechenden Ende belohnt werden. So aber ist man gezwungen, einfach hinzunehmen, was passiert und sich selbst grundlegende charakterliche Änderungen einzelner Rollen zu versuchen, selbst wohlwollend zu deuten, möchte man nicht vorzeitig auch den letzten Spaß an dieser aus einer zwischen leidlich und gerade noch solide unterhaltsam einzuordnenden Aneinanderreihung gängiger Genrecharakteristika bestehenden, innovationslosen Melange verlieren.
Unterm Strich würde ich „Haus der Verdammnis“ als enttäuschend, aber noch durchschnittlich einordnen. Alles kann man nicht falsch gemacht haben, sonst hätte ich bei vier Stunden Film schon zu einem früheren Zeitpunkt das Interesse verloren. Richtig funktionieren tut das aber alles nicht und es bereitet mir alles andere als Vergnügen, zu sehen, wie King seine eigenen, weitaus besser, wenn nicht sogar teilweise grandios und unerreicht eingesetzten Ideen halbgar aufwärmt und für Produktionen wie diese verwurstet. Seinen unvermeidlichen Cameo-Auftritt hat Stephen King übrigens als neugieriger Pizzabote.