Während Robert Pattinson mit seinem „Twilight“-Ruhm ernsthafter Schauspieler werden wollte, wollten seine „Twilight“-Kollegen Taylor Lautner und Kellan Lutz lieber Actionstars werden. Während es bei Lautners Reputation noch zu Kinoflops wie „Abduction“ reichte, musste sich Lutz direkt mit B-Ware wie „Arena“ begnügen.
„Arena“ fühlt sich an wie auferstanden aus den Ruinen eines Videoregals der 1990er, mit seiner Prämisse um im Internet übertragene Gladiatorenkämpfe, die der exzentrische Logan (Samuel L. Jackson) organisiert. Dabei kloppen sich die Protagonisten vor Greenscreen die Rübe bis zur Erschöpfung weich, ehe das blutgeile Publikum dann nach römischer Art über Weiterleben oder Exitus des Besiegten entscheidet. Dabei werden Szenarien nachgespielt (in der Auftaktszene passend zum Sujet gleich in Römermontur), in einem „Bloodsport“-mit-Waffen-Szenario, das man aus Werken wie „American Samurai“ und „Shootfighter“ kennt, während die Wemmserei vor animierte Kulisse Erinnerungen an „Expect No Mercy“ und derlei Schoten erweckt.
Wie in den ähnlich gelagerten Klopper „Steel Force“ lässt Logan die Protagonisten für sein perverses Unterhaltungsprogramm einfach kidnappen, in einem Bunker einsperren und bei Nichtgehorsam bestrafen. Aufgrund der Blutlust seines Publikums ist steter Nachschub vonnöten, weshalb er heuer den früheren Feuerwehrmann und Rettungssanitär David Lord (Kellan Lutz) von seinem Lockvogel Milla (Katia Winter) kidnappen lässt. Der säuft und sucht eh Schlägereien, nachdem er seine Frau Lori (Nina Dobrev) verlor. Die relativ prominente Nennung von Nina Dobrev im Vorspann ist der größte Hohn des Films, da sie vielleicht zwei oder drei Minuten auf dem Bildschirm zu sehen ist.
David durchläuft die Routine derartiger Arena-Klopper: Erst will er nicht kämpfen, wird aber durch Folter und Selbstschutz im Ring dazu gezwungen, wobei er seine Sache nicht schlecht macht, dann auf die nach zehn Siegen versprochene Freiheit und am besten noch Rache an seinen Peinigern hofft…
Ja, „Arena“ ist plotseitig vollends kalter Kaffee, den man aus zig bekannten Vorbildern zusammengeklöppelt hat. Neben den erwähnten Direct-to-video-Kloppern hört man mit den Gladiatoren-Bezügen an jeder Ecke die damals angesagte „Spartacus“-Serie trapsen. Was viele von den Actionvorbildern allerdings besser als „Arena“ wissen: Dass es bei so einer Sause immerhin zünftig aufs Fressbrett geben muss. Leider werden die meisten Kämpfe in einer Montage abgehandelt, weil irgendwer von den Machern wohl dachte, dass Actionfans lieber verarzten, labern und poppen als Action sehen wollen. Minutenlang lässt sich David von Milla pflegen, die aus mäßig gut erklärten Gründen zu seiner Verbündeten wird, ansonsten wird er von Logan über dessen Machenschaften vollgesülzt (wobei er einmal im Hannibal-Lecter-Style mit Gesichtsmaske gefesselt ist, damit er dem Schurken nichts tut) oder pflegt seine Fehde mit dem sadistische Henker Kaden (Johnny Messner), der die Vollstreckung der Zuschauerurteile übernimmt. Alles wird ausgewalzt, mit nichtssagenden, mäßig gescripteten Dialogen, so dass „Arena“ zwischenzeitlich zur Geduldsprobe wird.
Am Ende gibt es dann noch einen Twist, der so reichlich abgenutzt ist, dass ihn der erfahrene B-Actionfan schon kommen sieht. Aber an „Arena“ ist eh nichts originell und der farbentsättigte Look in Kombination mit mäßigen Billig-CGIs lässt Jonah Loops B-Filmchen dann auch noch richtig hässlich aussehen. Das Budget war eh sichtlich knapp: Logan verfügt nur über eine Handvoll Schergen, die sich größtenteils maskieren, damit Stuntmen bzw. Schauspieler gleich mehrere davon in verschiedenen Einstellungen spielen können. Ein Gipfel der unfreiwilligen Komik ist allerdings die Bebilderung der Zuschauerschaft: Abgesehen von ein paar Establishing Shots von Städten, in denen man Logans Death Games angeblich guckt, sieht man nur eine japanische Bürobelegschaft und einen Haufen amerikanischer College-Kids, die den Kram glotzen. Letztere schauen das Ganze sogar bei Studentenpartys (müssen das langweilige Feten sein), sind sich aber nie so ganz sicher, ob das Ganze denn echt ist, was sie ganz besonders hohlbirnig erscheinen lässt.
Als Stunt Coordinator war der recht talentierte Lin Oeding verantwortlich, die Fights choreographierte Arnold Chon, aber mehr als ganz okayes Klopper-Handwerk gelingt ihnen nicht. Die eher wenigen Kämpfe sind nicht besonders aufregend choreographiert, da mag es bei den Kills zwar schmaddern, aber der (kleine) Splatterfaktor reißt nicht zu Begeisterungsstürmen hin. Aus den verschiedenen Szenarien bei den Gladiatorenspielen (zweiter Weltkrieg, Samurai vs. Ninja, Cop vs. Gangster usw.) macht der Film wenig, zumal ja vieles eh nur in der erwähnten Montage abgehandelt wird. Am Ende gibt es ein kurzes Shoot-Out, aber auch das ist bloß Standardware. Außerdem scheint sich Johnny Messner im Endkampf arg zurückhalten zu müssen – vermutlich hätte ihm sonst keiner mehr geglaubt, dass er tatsächlich gegen Kellan Klotz, ähhh, Lutz verliert.
Dessen Actionstarambitionen mögen ja angesichts immer weniger werdender Actionstars durchaus lobenswert sein, hier ist er aber noch ziemlich blass und tumb, das war in manch späterem Film besser. Überraschend ist nur, wen er da alles als Unterstützung an die Seite gestellt bekommt. Samuel L. Jackson mag ja sehr produktiv sein, den hier hätte er aber getrost auslassen können, auch wenn er als Veranstalter-Pimp-Daddy ganz launig chargiert. Johnny Messner ist ganz cool, wird aber an der Leine gehalten, während James Remar leider vollkommen verschenkt ist. Ähnlich ergeht es Daniel Dae Kim in einer Nebenrolle als Zellennachbar, während die Darbietung der semi-apathischen Katia Winter nicht gerade Begeisterung auslöst – und die hat neben Lutz und Jackson die meiste Screentime.
Insofern mag „Arena“ zwar einem aussterbenden Genre, dem Untergrundfight-Film, seine späte Ehre erweisen, ist aber ein luschig inszenierter, trotz bekannter Gesichter eher mäßig gespielter und mit zahlreichen Längen versehener Klopper, der aus zahlreichen, meist besseren Vorbildern zusammengeklaut ist. Immerhin ist „Arena“ Film einigermaßen kurz und in den Actionszenen ansehbar, aber mehr aber auch nicht. Dann lieber noch einmal „American Samurai“ oder „Shootfighter“.