Der Name "Kevin Williamson" ist trotz seines Rufes noch kein Garant für einen guten Film, zumindest muß es nicht so sein. Bestes Beispiel: das von ihm selbst geschriebene Regiedebut "Tötet Mrs.Tingle".
Dabei muß man erst mal die Aufregung, die sich um den Film zum Zeitpunkt seiner Kinoauswertung und bei seinem geplanten ersten TV-Einsatz zusammengezogen hat, mal geschwind beiseite lassen, denn der Film hat außer seinem Ruf nichts wahrhaft Aufregendes zu bieten. Überhaupt nichts. Und das ist schon mal eine ganze Menge.
Man tut dem Streifen unrecht, wenn man ihm ständig vorrechnet, wie viele Schüler rund um ihn herum ihre Mitschüler oder Lehrer umgebracht haben. Denn in diesem Film wird niemand umgebracht, auch wenn uns der Titel das glauben machen will. Zumindest der Originaltitel, bevor auch dieser geändert wurde. Was man schließlich zu sehen bekommt, ist eine wenig unterhaltsame Belanglosigkeit, deren Storyline so papierdünn ist, daß es schon ein Wunder ist, daß man dieses Skript verfilmt hat.
Williamson verarbeitete eigene Erlebnisse (und Traumata) aus seiner eigenen Schulzeit, wenn er die überall (und ich meine überall) verhaßte Geschichtslehrerin Mrs.Tingle drei ihrer Schüler durchfallen zu lassen plant, weil die die Abschlußprüfungsaufgaben in der Tasche hatten. Die drei versuchen es mit einem Heimappell und der eskaliert soweit, daß sie die Lehrerin an ihr Bett ketten, um ihre Noten noch schnell unter Dach und Fach zu bringen, bzw. das Stipendium zu sichern.
Das Hinterhältige an diesem Film ist, daß er uns per Trailer mehr Dramatik verspricht, als er schließlich halten kann. Nach einigermaßen akzeptablen ersten 20 Minuten ist die Lehrerin im Bett und unsere drei "Helden" überlegen, wie sie da wieder rauskommen.
Und seltsamerweise hat es sich damit.
Denn von nun an passiert im Film nur noch so wenig, daß es auch in einem 45-Minüter (sprich: jeder beliebigen "Dawsons Creek"-Folge) Platz hätte. Die böse Lehrerin versucht natürlich, sich zu befreien und als das nicht funktioniert, die drei Schüler gegeneinander auszuspielen. Und das klappt auch noch beinahe, denn wir haben es hier mit einem zaudernden Notenstrahlemax (Katie Holmes bemüht sich als einzige, einen Hauch von Profil zu entwickeln), einem Gewohnheitsverweigerer (aber natürlich gutaussehend: Barry Watson) und der besten, aber arg debil gezeichneten Freundin mit Schauspieltick (total aus der Kurve: Marisa Coughlan) zu tun, drei Typen, die nun so gar nicht harmonieren wollen.
Und so plätschert der Film dahin, bringt gefühlsmäßige Wallungen auf, eine Liebesszene (Holmes kommt hier immerhin schon bis zum BH) und ein albernes Intermezzo mit einem verliebten Coach, der besoffen für kompromitierende Fotos herhalten muß. Da kommen fast die Tränen, wenn man bedenkt, was für wahnwitziges Potential aus der Situation zu schlagen gewesen wäre, schön überdreht und fern der Realität. Aber abgesehen von der Ausgangssituation ist Williamson nichts Brauchbares eingefallen.
Erst auf den letzten 10 Minuten kommt wieder Fahrt in den Film und etwas Action, die man zwischendurch eine volle Stunde vermißt hatte (weswegen man sich den kompletten Mittelteil auch sparen kann), doch retten kann dieses gewollte herbeigeführte Happy End, das grotesker ausfällt als der Rest des Films die Niete auch nicht.
Das liegt nicht zuletzt an der Figurenzeichnung, die uns nur verrät, das die drei Schüler irgendwie ganz lieb sind (wenn man sie nur läßt) und Mrs.Tingle eben bitterböse. Und das in jeder Szene, jeder Minute, bis zum Schluß. Ein leichter Funken Sozialkritik (raus aus der Kleinstadt ist Holmes erklärtes Ziel) klingt zwar an, verliert sich aber unpassend im faden Ganzen.
Und dann sind da noch haufenweise Fehler und Ungeklärtes, die den Eintopf auch nicht schmackhafter machen.
Mrs.Tingles Attacke auf Holmes am Schluß ist da ebenso übertrieben, wie die Ankettung von Luke am bereits zerstörten Bett. Daß die Lehrerin auch weiterhin in ihrem Haus bleibt, ist ebenso deppert wie die Abänderung der Streberinnennote, die das Lügengebilde zum Einsturz bringen muß. Noch seltsamer (aber immerhin irgendwie lustig) ist Coughlans Exorzisten-Parodie auf dem Bett, die nun gar keinen Sinn macht. Genauso wie der unnötige Einsatz der recht namhaften Molly Ringwald als Tingle-Vertreterin, die sonst im Sekretariat arbeitet (!!!)
Damit können wir nur resumieren, daß Helen Mirren als komplette Rabenaas hier total verschenkt wird - in einem Skandalfilm ohne Skandal. Der Vollständigkeit halber konsumieren, an Unterhaltung gibt es hier nichts zu gewinnen. Außer man geiert gern Katie Holmes hinterher. (4/10)