Review

Great Movies hat mal wieder zugeschlagen.
Nachdem Eli Roth mit "Hostel" im Jahr 2006 das Torture Porn-Genre wiederbelebte und daraufhin im Laufe der letzten Jahre zahlreiche gute und vorallem auch schlechte Nachahmer  an den Mann gebracht worden sind, dachte man sich bei Ungreat Movies: "Och, da könne mia ja auch noch einen raushauen". Was dabei rausgekommen ist, erfährt ihr nach der Inhaltsangabe.


Dass die schüchterne Julia (Saskia Gonzalez) sich nachts mit Prostitution Geld verdient, wissen ihre Eltern nicht. Als sie jedoch eines Abends von einem irren Serienmörder (Terry West) auf offener Straße entführt und tagelang in einem Kellerloch gefangen gehalten wird, heuert ihr Vater Robert  (Ron Sheppard) einen Detektiv an und lässt die Polizei außen vor. Robert will nicht, dass sein Privatleben an die Öffentlichkeit gelangt, da er als Kongressabgeordneter mitten im Wahlkampf steckt und sich keine Pannen erlauben kann. Während der Privatdetektiv sich auf die Suche nach Julia macht (oder auch nicht), ist sich die Gefangene bewusst, dass sie schrecklichen Qualen erleiden muss und vielleicht nicht mehr lange am Leben sein wird...




 Tja, vor lauter Baustellen weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Denn wirklich jeder Weg endet in einer Sackgasse. Ich will euch einfach mal mit sämtlichen Zutaten den Film schmackhaft machen: Fangen wir einfach bei der Geschichte und ihren Darstellern an. Kidnapper-Opfer Julia steht neben zwei Prostituierten und bekommt nachgesagt, dass sie mit ihrer Schüchternheit niemals Geld verdienen könnte. Julia glubscht doof. Und fertig ist die Charaktertiefe unserer Hauptdarstellerin. Really? Ja, ohne scheiß. So wird sie komplett ohne Background von unserem Psychopathen gekidnappt und landet in einem Kellerverließ, in dem sich dann knapp 3/4 dieser Film abspielt. Aber hey, Regisseur Joseph M. Monks (Der Name ist Programm) hat sich vor keinen Kosten gescheut, so dass enorme Atmosphäre in diesem Kerker, Bunker oder was auch immer, herrscht.  Ausgestattet mit einem Bett, ausgeschnittenen Zeitungsartikeln von früheren Opfern und grellem Neonlicht kommt mächtig Stimmung auf. Dass es so richtig fies und böse aussieht, hat Monks den Raum (wahrscheinlich seine private Garage) mit einer Plane zugedeckt. Really? Jepp.

Während wir also zu Julia überhaupt keinen Draht finden, beschwert sich der Kidnapper zuerst einmal darüber, dass Julia ihr Essen nicht isst und scheinbar sonst keine Probleme hat. An den ersten fünf Dialogen merkt man schon: Oh Gott, was für ein Scheiß ist da schon wieder in meinem DVD-Player gelandet. Der Entführer ohne Namen gibt sich keine Blöße in Sachen Sprachschatz und labert nur wirres Zeugs, ohne auch nur eine Sekunde angsteinflößend zu wirken. Julia´s Wortschatz begrenzt sich auf "F*ck Dich", was sie gefühlte zwanzig Mal in ihren dreißig Mono- und Dialogen sagen darf. Mitfühlen oder Spannung? Fehlanzeige. Es kommt schon eher unfreiwillige Komik auf wie bei "Violent Shit 3" dank der deutschen, total verhunzten Synchro.

Dass ihr Vater Kongressabgeordneter und kein Kellner oder Bergsteiger ist, spielt überhaupt keine Rolle, da auf diesen Nebenstrang überhaupt nicht eingegangen wird. Schlimmer wird es eigentlich nur noch für die Rolle des Privatdetektivs. Der labert in einer Szene mit Big Papi und schwupps - ist er aus dem kompletten Plot verschwunden. Eine spannungsvolle Suche? Fehlanzeige. Der Schnüffler verschwindet einfach komplett aus dem Film (vielleicht hatte er auch keine Lust mehr, weiterhin mitzuspielen) und mir kommt es so vor, dass man den jämmerlichen Haufen von Film zumindest auf 70 Minuten Netto-Laufzeit strecken wollte. Höhepunkt dieser sinnlosen Nebenplots ist ein Boxer, der sich von einer Domina auspeitschen lässt. Really? Ja, ohne scheiß.Grund und Zusammenhang mit der eigentlichen Geschichte? Fehlanzeige.
Es sei mir verziehen, falls der Detektiv oder der Boxer doch noch einmal irgendwo im bunten Treiben auftauchen - aber ich glaube, mittendrin bin ich irgendwann mit dem Kopf auf der Tischplatte eingepennt. Oder bin ich ohnmächtig geworden?

Tja, nachdem man der Story, den miesen Schauspielern die obermiese Charaktere verkörpern und der Atmosphäre eine Bankrotterklärung zugestehen kann, hat Monks (Der Regisseur) ja noch ein Ass im Ärmel: Den Torture Porn. Blut geht immer.
Diese Ecke  kann man unter folgenden Sachen abhaken: Ein paar Faustschläge für Julia im Off und tatsächlich wird sogar einmal ein Elektroschocker eingesetzt. Der pure Wahnsinn. Eine Bohrmaschine (defintiv die beste Szene) wäre auch fast zum Einsatz gekommen wenn der beschissene Lidl-Akku nicht alle gegangen wäre. So ein Mist aber auch.
Also, selbst für Gorehounds, denen alles Latte ist, gibt es hier nichts zu holen. Der Blutgehalt tendiert zu Null, wobei man bei Great Movies ja nie weiß, ob die "German Edition" überhaupt ungeschnitten ist. Vom Härtegrad könnte man den Dreck ab 12 Jahren freigeben. Wegen dem frauenfeindlichen Thema von mir aus auch ab 16, wenn ich jetzt meine katholische Seite auspacken würde. Aber wie so oft, pusht man diesen Abfall mit Bonus-Material auf die KJ-Freigabe. Ein roter Flatschen auf dem Cover zieht eben immer.


Summa Summarum haben wir es bei "Pray for Down - Bunker der Schmerzen" tatsächlich mit einem schmerzhaften Film zu tun. Allerdings begrenzen sich die Schmerzen lediglich auf den Zuschauer so nach dem Motto: Wer hält bis zum Abspann durch. Story, Inszenierung, die deutsche Synchro, Charaktere, Gore - das ist alles an der Grenze zum schlechten Amateurscherz.
Wer Torture Porn am eigenen Leib spüren will, sollte bei diesem Hit zuschlagen.

1/10

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