Review

Bereits mit seiner Fortsetzung wirkt Regisseur Robert Halls Versuch, noch mehr Blut und Gekröse in eine leicht verfahrene Geschichte zu stopfen, als würde sich die Reihe als kleiner Bruder der zahlreichen „Saw“ Sequels entpuppen. Klar, denn zwei Killer bringen schließlich mehr Opfer um die Ecke und wer einige Hintergrundaspekte lediglich andeutet, hält sich immer eine Hintertür für weitere Fortsetzungen offen.

Eigentlich schien der Mann mit der Chrom-Maske sicher erledigt, doch hinter dem Killer steht offenbar eine Organisation, welche den Tunichtgut notdürftig zusammenflickt und ihn auf seine Rückkehr vorbereitet. Derweil versucht Emporkömmling Preston (Brian Austin Green) seinem „Chef“ nachzueifern und killt munter Menschen vor laufender Kamera, während die fast blinde Jess (Mimi Michaels) sein nächstes Opfer zu werden droht…

Die Figuren können im Vergleich zum Original, wo es zumindest ansatzweise Sympathieträger gab kaum mithalten. Tommy, der Überlebende aus dem ersten Teil ist beispielsweise als nervöses Wrack in seiner Opferrolle gefangen, während Jess auf Dauer zu hysterisch auftritt, als etwaige Stärken auszuspielen. Auch die ermittelnden Cops stellen sich nicht sonderlich geschickt an und hinken dem Geschehen mindestens einen Schritt hinterher.
Lediglich Preston erweist sich als angemessen fies, selbstgerecht und fanatisch gegenüber der Organisation.

Von jener erhält man leider kaum Hintergründe. Man erfährt nicht, zu welchem Zweck die Taten mitgefilmt werden, noch wodurch die Mitglieder zueinander fanden und auch nicht, welche Grundprinzipien sie verfolgen, zu denen auch die recht willkürlich anmutende Wahl ihrer Opfer zählt.
Allerdings erweist sich deren Affinität zu speziellen Waffen aus Chrom als Vorteil, denn diverse Verletzungen und Ableben stellen die Stärke des Streifens dar.

Hier fällt besonders auf, was mit scharfen Klingen so alles zu zerschneiden ist, denn neben einigen Kehlenschnitten, einer Enthauptung, einer geöffneten Brust und einer recht blutigen Operation werden Münder geradezu über das komplette Gesicht in die Breite gezogen, andere werden der Länge nach bis übers Ohr um ein Drittel abgetrennt und es knackt, zischt und platscht einige Male recht derbe. Auf technischer Ebene können sich die Effekte durch die Bank sehen lassen, was man allerdings nur mitbekommt, wenn man nicht gerade die um rund sieben Minuten erleichterte deutsche Fassung vorliegen hat.

Leider bietet der Verlauf der Erzählung nur wenige Höhepunkte und letztlich auch kaum Überraschungen. Zu konstruiert wirken einige Gegebenheiten und reichlich aus der Luft gegriffen kommen haltlose Fakten zusammen, die den Realitätsgehalt der Chose nachhaltig in Frage stellen, wie eine Entführung im Polizeirevier oder die unbedachte Durchsuchung einer Polizistin und auch die massive Sehschwäche von Jess wird dramaturgisch zu wenig ins Spiel gebracht.
Der Hauptschauplatz der Lagerhalle lässt zu selten Atmosphäre aufkommen, da die Ausstattung recht karg ausfällt, der Score keine Akzente setzen kann und lediglich die Kamera um ein paar schräge Perspektiven bemüht ist.

Demgegenüber sind die darstellerischen Leistungen im Schnitt ordentlich, da Brian Austin Green als Psychopath und Killer derbe aber wirkungsvoll übers Ziel hinaus prescht, Mimi Michaels als kreischendes Opfer recht glaubhaft alle Arten von Verzweiflung verkörpert und Camden Toy eine recht starke Sequenz als dubioser Arzt mit irrem Blick einbringt.
Zumindest sind die Performances im Schnitt besser, als die dazugehörigen, meistens reichlich vagen Charakterzeichnungen.

Rein inhaltlich hat diese Fortsetzung mit dem Original nicht viel mehr gemein als das derbe Abmurksen mit wahrlich sehenswerten Effekten, dem Killer mit der Chrom-Maske und erhöhtem Spannungsaufkommen im letzten Drittel. Demgegenüber wirkt das Drehbuch an vielen Stellen zu undurchdacht und inkonsequent und auch wenn es in absehbarer Zeit zu weiteren Sequels kommen dürfte, sollte sich Hall besser auf das Wesentliche konzentrieren, denn ansonsten wird ihm der Stoff auf kurz oder lang aus den Fugen geraten.
Knapp
6 von 10

Details
Ähnliche Filme