Es gab bereits einige ehemalige Wrestler, die sich im ernsten Fach außerhalb von Prügelfilmen versucht haben und damit gnadenlos gescheitert sind. Leute wie Steve Austin, Dwayne Johnson oder Hulk Hogan bringen zwar einige Präsenz mit, doch tief gehende Emotionen nimmt man den Hünen nur selten ab. Auch Paul Levesque ist so ein Typ: Tolle Ausstrahlung, aber nicht mehr als drei Gesichtsausdrücke drauf.
AJ (Levesque) kommt nach dreizehn Jahren aus dem Knast und wird von seinem alten Freund Jack (Michael Rapaport) in Empfang genommen, der für seinen Dad Vic (Bruce Dern) Gelder aus dessen Zigarettenschmuggel einkassiert. Bei einem Deal erschießt Jack versehentlich einen Klienten und schon ist AJ wieder mittendrin im Chaos...
Die Geschichte klingt auf den ersten Blick weitaus turbulenter als sie sich letztlich gibt, vor allem für eine WWE-Produktion, bei der man von Natur aus von einiger Prügelaction ausgehen würde. AJ ist als ruhender Pol mit Hang zu selbst hergestellten Gewürzgurken zwar rasch als Sympathieträger etabliert, doch sein Pendant Jack, wenn auch von dem großartigen Oliver Rohrbeck synchronisiert, stellt einen immensen Nervfaktor dar, da das unentwegte Schnattern und Gejammer bereits nach wenigen Minuten unerträglich wird.
Die Geschichte benötigt nur eine kurze Anlaufzeit, dann fällt der tödliche Schuss in einer verlassenen Bar. AJ wollte eigentlich nichts mehr mit kriminellen Machenschaften zu tun haben, doch wer sogleich in die alte Umgebung hinein schliddert, sollte im Endeffekt nichts anderes erwarten. So gerät AJ zwischen die Fronten, wird von der Finanzbehörde und den Cops überwacht, trifft seine alte Liebe Claire und dessen Tochter Pepper, wird von seinem väterlichen Freund Vic unter Druck gesetzt und versucht anbei, einen Mord zu vertuschen, welcher jedoch weitere Kreise nach sich zieht.
Leider ist die Sache viel zu dröge inszeniert und zu stark von Dramenanteilen beeinflusst, welche ein Mann wie Levesque eben nicht überzeugend transportieren kann. Die Figurenkonstellation ist zwar weitgehend sympathisch, teilweise fast schon naiv altmodisch aufgezogen, doch auf mitreißende Momente wartet man nahezu vergeblich. Zwei okay in Szene gesetzte Explosionen, das Schmachmattsetzen zweier Schnüffler und eine minimale Prügelei gegen Showdown sind nicht viel für einen Beitrag der World Wrestling Entertainment.
So geht der Stoff zu keiner Zeit in die Tiefe, sämtliche Wendungen sind erahnbar und überraschen somit kaum, während die Auflösung reichlich weichgespült daherkommt. Zwar können Mimen wie Bruce Dern oder Parker Posey noch ein paar Schwachstellen kaschieren, doch von einem verzwickten Thriller mit dichter Atmosphäre und mitreißenden Momenten ist die Erzählung weit entfernt.
"Inside Out" ginge auch als Relikt der Achtziger durch, selbst die Kleidung in Louisiana nebst der alten Fahrzeuge deutet ein wenig darauf hin. Aber der Streifen ist weder als Hommage gedacht, noch bedient er ein spezielles Publikum, da er für einen Thriller zu eindimensional altbacken gestrickt ist und für ein Drama zu keiner Zeit an die Nieren geht. Er hat zwar seine charmanten Eigenheiten und unterhält dadurch auch phasenweise ganz okay, doch Action, Härte und Drive sollte man an dieser Stelle nicht erwarten.
4,5 von 10