Review

"Wenn man ein Drehbuch schreibt, ohne Konflikte und Krisen, langweilt man seine Zuschauer zu Tode."

Für gewöhnlich werden Entstehungsgeschichten eines Films mittlerweile als Bonusmaterial in Form von Dokumentationen auf den jeweiligen Filmdatenträgern mit ausgeliefert. Bei "Adaption." ist dieser reale Entstehungsprozess ein Großteil der Handlung, vermischt mit fiktiven Ereignissen.

Nach seinem Durchbruch als Drehbuchautor mit der abgedrehten Groteske "Being John Malkovich" erhält Charlie Kaufman (Nicolas Cage) den Auftrag, eine Buchvorlage über Orchideen filmgerecht zu adaptieren. Ihn befällt allerdings eine Schreibblockade, denn der Roman von Susan Orlean (Meryl Streep), der von dem Orchideendieb John Laroche (Chris Cooper) handelt, enthält keinerlei konventionelle dramaturgische Steigerungen. Zudem ist Charlie von Selbstzweifeln befallen, die sein Zwillingsbruder Donald (Nicolas Cage) nicht hat. Dieser kommt mit seinem Durchschnittsdasein gut zurecht, feiert Erfolge bei Frauen und hat durch Charlie eine inspirierende Quelle für sein Skript um einen Serienkiller mit multipler Persönlichkeit. Aber dann hat Charlie eine ungewöhnliche Idee und schreibt kurzerhand seine kürzlichen Erlebnisse in das Drehbuch mit hinein.

Bereits mit "Being John Malkovich" haben Regisseur Spike Jonze und Drehbuchautor Charlie Kaufman einen gemeinschaftlichen Film erschaffen, der durch seine Verknüpfung zwischen realer Welt, surrealer Handlung und wahnwitzigen Einfällen innovativ und eigenständig war. "Adaption." markiert die zweite gemeinsame Arbeit und ist ähnlich abgedreht, ohne surreale Töne anzuwenden.

Allein schon die Handlung ist kurios, sobald sie erfasst wurde. Nach etwa dem ersten Drittel des Films wird klar, dass die Tragikomödie nicht ausschließlich von der Geschichte des Orchideendiebs John Laroche und der Autorin Susan Orlean handelt, sondern die geistige Reise des Charlie Kaufman, seine persönlichen Einschränkungen sowie den langwierigen Entstehungsprozess mit einfließen lässt. Der Film mischt dabei real existierende Personen und Ereignisse mit fiktiven.
Das Ergebnis ist beispielsweise eine später vorkommende Sequenz, die eine zu Beginn auftretende genau beschreibt. So beginnt "Adaption." mit einem kunterbunten Bilderreigen über die Entstehung der Welt bis hin zur Geburt von Charlie Kaufman, der später von Kaufman selbst in ein Diktiergerät gesprochen wird.

Leichtfüssig und ohne je den Anschluß zu verlieren erzählt "Adaption." seine Geschichte in verschachtelter Form. Rückblicke und Zeitsprünge kreuzen sich, sodass eine klare Strukturierung zunächst nicht erfasst werden kann. Ein Fakt, womit sich der Film nicht bei jedem Publikum einprägen wird, denn schnell ist der Faden verloren und das Interesse geschwunden.
Trotz subtilem Wortwitz und sanfter Melancholie hält sich die Abwechslung in Grenzen. Gerade im mittleren Teil geschieht es oft, dass "Adaption." auf der Stelle zu treten scheint. Erst gegen Ende wendet der Film eine dramaturgische Steigerung an, die sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr abzeichnet.

Beeindruckend ist die dynamische Darstellung von Nicolas Cage ("Stadt der Engel", "8MM"), der mit seiner Doppelrolle die wohl vielschichtigste Herausforderung meistert. Allein an Gestik und Mimik sind seine beiden verschiedenartigen Figuren sauber getrennt und erkennbar. Ähnlich wandlungsfähig erscheint Meryl Streep ("Die Teufelin", "Das Geisterhaus"), deren Begabung erst mit zunehmender Laufzeit genutzt wird. Chris Cooper ("American Beauty") dagegen belässt seine Figur ohne Wandlung, baut dafür auf eine umso emotionalere Ausdrucksstärke.

"Adaption." ist ein weiterer skurriler Film von Spike Jonze, der durch seine ungewöhnliche Handlung und nonlineare Erzählweise in kein Schema passen will. Die Tragikomödie erzählt seine eigentliche Geschichte nur nebenbei und bleibt primär bei der Entstehung des Drehbuchs und seiner ausgeklügelten, teils exzentrischen Figuren, die hervorragend verkörpert werden. Mangels Höhen und Abwechslung will im Hauppteil nichts wesentliches geschehen. Erst gegen Ende führen beide Handlungsfäden zu einem geschlossenen Finale, welches dann doch in die Klischeefalle tritt.

7 / 10

Details
Ähnliche Filme