Regisseur Stephen Daldry bescherte uns schon so geniale lebensechte Filme wie "Billy Elliott - I will dance" und wurde dafür auch für den Oscar nominiert. Dass Oscar-Nominierungen aber nicht immer etwas mit der Klasse des Films zu tun haben ist altbekannt und "The Hours" ist ein Beispiel dafür. So erhielt der Film 2002 7 Oscar-Nominierungen und einen Oscar (für Nicole Kidman als beste Hauptdarstellerin), ist aber bis auf die zugegebenermaßen guten bis grandiosen Schauspielerleistungen ziemlich belanglos.
Geschildert wird die Geschichte von Virginia Woolfe (dargestellt von Nicole Kidman mit schiefer Nase), welche 1923 einen Roman schreibt, welcher eine schwangere Hausfrau in den 1950er Jahren (Julianne Moore) und eine Verlegerin im Jahr 2001 (Meryl Streep) beeinflusst. Alle streb(t)en nach Selbstverwirklichung und nach Befreiung aus dem Käfig ihres nicht gewollten und unerfüllten Lebens...
Der Film will mit dieser Story tiefgründig und poetisch sein, was ihm aber nicht gelingt. Die ganze Pseudo-Selbstfindungsgeschichte der Hauptfiguren ist auf vielfältige Weise miteinander verwoben, wie wird hier nicht verraten. Verraten wird aber, dass sich dieser bedeutungsschwangere und schmierige Selbstfindungsquark nur durch die klasse Darstellerleistungen von fernsehüblichen Rosamunde Pilcher-Tränenziehern unterscheidet. Durch die ganze Undurchsichtigkeit der Figuren und die platte Melodramatik des Plots vermag es der Film nur selten, bewegend oder mitreißend zu sein.
Auch wenn "The Hours" ein Ensemble-Film sein soll, hätte man sich doch nicht mit schönen Bildern und einer oberflächlichen und statischen Inszenierung vom eigentlichen tiefschürfenden Thema ablenken lassen sollen. Diesmal hat Regisseur Stephen Daldry versagt, auch weil er den teilweise seltsamen und in ihrer Art befremdlichen Figuren kaum (durch die Inszenierung bedingt) Sympathie und Leben einhauchen konnte. Eine Sezierung der Beweggründe und die sorgfältige Herausstellung der Motive für die Unzufriedenheit mit dem Leben der Protagonisten hätte Wunder gewirkt für die Ausbreitung und Entfaltung philosophischen Fragen, die so jedoch nur am Rande angerissen und nicht vertieft wurden. So lassen den Zuschauer die Lebenskrisen der Protagonisten sprichwörtlich kalt.
Wie schon erwähnt ist die Ensemble-Leistung das Einzige, was "The Hours" vor dem Absturz in die Belanglosigkeit bewahrt. Doch nicht Nicole Kidman und Meryl Streep liefern die beste Performance, sondern Julianne Moore als bisexuelle Hausfrau und Ed Harris als dahinsiechender Aidskranker. Letzterer ist für einen Oscar längst überfällig (spätestens seit "Pollock") und es ist eine Schande, dass er permanent übergangen wurde. Soviel zum Thema Gerechtigkeit bei der Oscar-Verleihung.
Dieser Käse ist also letztendlich nur Philosophie- oder Literatur-Studenten zu empfehlen, die mal wieder gepflegt schlafen wollen, denn bis auf hübsche Bilder und geniale Darsteller ist "The Hours" inhaltlich so platt wie eine Flunder und kann die (zugegebenermaßen hohen) Erwartungen dessen Intellektuellen-Publikums nicht einmal annähernd befriedigen. Nur aufgrund von Ed Harris und Co. vergebe ich 6 von 10 Punkten.