Seann William Scott kennen wir alle ja noch als „Stiffler“ aus den „American Pie“-Filmen, doch inzwischen hat auch er erkannt, dass seine Tage in „Teenie“-Filmen gezählt sind, weshalb er sich in letzter Zeit verstärkt nach Rollen in anderen Genres umgesehen hat:
Die „Sidekick-Buddy“-Rolle verkörperte er daraufhin bei Ausflügen in den Actionbereich ganz gut, zum Beispiel neben Action-Ikone Chown Yun Fat in der Comic-Verfilmung „Bulletproof Monk“ oder neben „the Rock“ in „the Rundown“ – vor jenen Projekten spielte er jedoch schon die Hauptrolle in der kleineren Produktion „Stark Raving Mad“, und auch als „Leading-Man“ macht er eine unerwartet gute Figur...
Die Story des Films ist so banal wie nebensächlich, doch darauf kam es den zwei Regisseuren (Drew Daywalt & David Schneider) vermutlich auch nicht so sehr an, denn es geht hauptsächlich um die schrägen Charaktere und die aus der Handlung resultierenden abgedrehten Situationen – hier trotzdem eine kurze Zusammenfassung:
Ben (S.W.Scott) plant mit einigen Kumpels einen Einbruch in eine Bank, um dort eine in den Schließfächern gelagerte antike Chinesische Steinfigur für einen lokalen Gangsterboss (Lou Diamond Phillips) zu stehlen, bei dem Ben noch (stellvertretend für seinen getöteten Bruder) in der Schuld steht.
Mit den verschiedenen Alarmsystemen hat das Team keine Probleme, denn zum Überwinden derer sind sie in der Lage – nur bei einem System gibt es einen Haken: Jener Alarm schaltet sich zur Sicherheit nur dann selbst aus, wenn ein gewisses Maß an Vibrationen überschritten wird. Um das zu erzielen, veranstaltet Ben einen Rave im Gebäude nebenan, bei dem die Lautstärke derart hoch sein muss, dass sich das Alarmsystem während der Aktion abschaltet – die erzeugten Vibrationen dürfen also während der gesamten Aktion nicht unter ein bestimmtes Level sinken...
Doch plötzlich macht der Club-Manager (Alan Arkin („Halloween H20“) während eines „Bad Hair Days“) Stress, der Gangsterboss will lieber in der Nähe der Aktion auf die Übergabe der Figur warten, Undercover-FBI-Agenten tauchen beim Rave auf, und auch die örtliche Chinesische Mafia ist nicht gerade erfreut darüber, dass sich ein anderer in ihrem Revier bereichern will...
Wie bereits geschrieben – die Story ist alt, banal und vollkommen nebensächlich. Wer „Rave“-Musik nicht mag, wird nach wenigen Minuten sowieso abschalten, der jener Sound hämmert wirklich den gesamten Film hindurch – wer sich aber doch an „Stark Raving Mad“ heranwagt, bekommt eine aufs jugendliche Publikum zurecht getrimmte Gaunerkomödie zu sehen, die größtenteils wirklich unterhaltsam ist:
Alles an diesem Werk ist auf „hip“ und „cool“ getrimmt – von den Figuren (Seann William Scott ist natürlich ultra-lässig, seine skurrilen Kollegen doch ziemlich komisch in ihren Eigenarten), über die Musik (Techno und Rave) und die Ausstattung (der gesamte Club oder diverse japanische Anleihen (zur Zeit ja besonders „in“), wie gar Lou Diamond Phillips´ weißhaarige Frisur, die glatt aus einem „Anime“ stammen könnte), bis hin zu den Dialogen (viele „Tarantino“-typische „Popkultur“-Referenzen und „in your face“-gezeigte (innere) Monologe) und den skurrilen Ideen (Höhepunkt: Ein brünettes Rave-Girl beweist dem Türsteher, dass sie wirklich die Blondine auf ihrem Ausweisfoto ist – dass sie sich tatsächlich nur das Haupthaar gefärbt hat...).
Was ich an „Stark Raving Mad“ sehr mochte, waren die schrägen Einfälle des Drehbuchs (z.B. dass die Transvestiten der Show durch zu stark beanspruchte Steckdosen in ihrer Garderobe die Aktion gefährden, dass sich ihre Würgeschlange während der Show losreißt und einige Gäste befällt, oder dass ein chinesischer „Fortune-Fish“ mit seiner Wahrsagung die Teammitglieder unruhig werden lässt).
Es gibt noch viele solcher Situationen – beispielsweise hat einer der Teammitglieder Sex mit einer Minderjährigen (17) auf dem Klo, die sich als Tochter eines Undercover-Cops herausstellt, oder dass zwei Rave-Besucher einem Girl Drogen in ihren Drink mischen, dieses Glas jedoch aus Versehen gerade von dem Sprengmeister der Aktion vor seinem Einsatz getrunken wird...
Die Anfangssequenz ist auch schon ein stilistischer Hinweis auf den gesamten Filmverlauf: Da sieht man Seann William Scott irgendwo in der afrikanischen Savanne (echt atmosphärisch gefilmt!) bei einem surrealen Face/off mit einem Löwen – gerade im spannendsten Augenblick (also unmittelbar vor dem erwarteten Angriff des Löwen) erhebt Scott jedoch seine Hand und zeigt ihm den Mittelfinger, worauf die Anfangs-Credits beginnen ... klingt vielleicht (so beschrieben) doof, kommt aber wirklich gut rüber und stellt sich als ein Metapher heraus, das später noch aufgeklärt wird...
Insgesamt schafft es der Film in den ersten zwei Dritteln mit seinem Einfällen und Charakteren hervorragend zu unterhalten, doch im letzten Akt geht ihm dann doch leider noch die Puste etwas aus – den Ausgang kann man sich zwar von Anfang an denken, doch der Showdown (der Gangsterboss wird natürlich reingelegt und mit seinen Rivalen der chinesischen Mafia im Tresorbereich konfrontiert) entspricht dann wieder zu sehr dem Standard und enttäuscht deshalb.
Sean William Scott macht sich gut in der Hauptrolle und überragt die restliche solide Besetzung, während Lou Diamond Phillips („the Big Hit“) leider mal wieder einen klischeehaften B-Film-Bösewicht zum Besten gibt (ist aber (meiner Meinung nach) hier gar nicht so tragisch).
„Stark Raving Mad“ bietet insgesamt solide, auf „cool“ getrimmte Unterhaltung – mit schrägen Figuren und Situationen, sowie einigen wirklich einfallsreichen und witzigen Dialogen.
Leider gibt die Handlung nicht viel her, es kommt eigentlich nie Spannung auf (trotz der einigermaßen temporeichen Inszenierung), Klischees tauchen auch schon mal verstärkt auf, und gegen Ende fehlt der anfängliche Schwung...
Fazit: Kurzweilige und schräge „Ocean´s 11“-Variante für ein jugendliches Zielpublikum – unterhaltsam, aber nicht nachhaltig = 6 von 10.