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Das Sujet eines plötzlich verschwundenen, recht vertrauten Menschen fand sich bereits in ähnlich gelagerten Streifen wie „Breakdown“ mit Kurt Russel oder dem niederländischen „Spurlos verschwunden“. Der spannende Aspekt ist allerdings die Möglichkeit verschiedener Auflösungen, denn die vermisste Person muss ja nicht zwangsläufig entführt worden sein, was auch im vorliegenden Fall das Mitfiebern, trotz ruhiger Erzählweise latent aufrecht erhält.

Polizist Stéphane (Yvan Attal) und seine Frau Valerie haben enorme Eheprobleme wegen seines Jobs. Gemeinsam mit dem sechsjährigen Sohn Theo wollen sie raus aus Paris und für einige Zeit Urlaub machen, als ihr Wagen schlapp macht. Nachdem Stéphane und Theo mit dem Abschleppwagen aufbrechen, bleibt Valerie an der Tankstelle zurück, kurz darauf ist sie spurlos verschwunden. Stéphane muss zwangsläufig mit der hiesigen Gendarmerie kooperieren, doch dabei gerät er bald selbst ins Visier der Ermittler und muss während seiner Flucht auf eigene Faust ermitteln…

Für den suchenden Partner muss diese Situation der absolute Alptraum in Sachen Hilflosigkeit sein, denn ohne sonderliche Spuren oder Hinweise, Zeugen oder Anhaltpunkte ist man reichlich aufgeschmissen und je mehr Zeit vergeht, umso unwahrscheinlicher ist es in den meisten Fällen, die Vermisste noch lebend zu finden.
Immerhin ist Stéphane ein beherzt agierender Cop, wie uns die Eröffnungssequenz erörtert und auch im Folgenden erinnert sein oft rüdes Verhalten an einen wie Schimanski, der ohne mit der Wimper zu zucken Polizeigesetze außer Acht lässt und zuweilen recht impulsiv vorgeht. Anderweitig ist das ungestüme Verhalten in so einer Situation durchaus nachvollziehbar, zumal es noch einen Sohn gibt, der seine Mutter vermisst.

Regisseur Franck Mancuso war selbst Polizist und hat auch das Drehbuch verfasst, was der Glaubwürdigkeit in Sachen Polizeiarbeit ungemein zugute kommt.
Die Erzählung wird ruhig, manchmal fast besonnen vorgetragen und bleibt dabei stets auf dem Boden der Tatsachen, verknüpft die Problematik der eingeschränkten Zugriffsrechte der Gendarmerie mit den persönlichen Problemen Stéphanes, der natürlich weiß, wie die Kollegen auf dem Land so ticken und ist ihnen in Sachen Recherche oft zwei Schritte voraus.
Erst als Stéphane selbst ins Fadenkreuz gerät, nimmt die Handlung an Fahrt auf, obgleich sie zuvor ohne wirkliche Längen über die Runden kam.

Hauptdarsteller Yvan Attal meistert seine Rolle recht überzeugend mit zurückhaltendem und dennoch kraftvollen Spiel und verleiht seiner Figur einen leicht ambivalenten Touch, welche einerseits nur schwer Gefühle offenbart, andererseits jedoch auch ein wenig verschlagen auftritt. Aber auch die übrigen Mimen performen grundsolide.
Die Kamera fängt das Geschehen überwiegend sauber ein, nur während einiger Temposzenen fällt die leicht wackelige Handkamera ein wenig negativ auf. Die etwas blasse Farbgebung, mit fehlenden Kontrasten und leichter Überbelichtung geht einher mit den zurückhaltenden, fast sphärisch anmutenden Gitarrenklängen, welche als Melange die Schemenhaftigkeit der Grundsituation untermauern, - bis zuletzt rudert man wie Stéphane im Ungewissen, kann sich nur von vagen Hinweisen treiben lassen, während es mit der Physis aufgrund Schlafentzugs permanent bergab geht.

Da der geneigte Betrachter am Ende natürlich der Auflösung entgegenfiebert, da es mittlerweile ein halbes Dutzend Erklärungsansätze für das Verschwinden gibt, fällt die Enthüllung ein wenig unspektakulär aus. Allerdings bleibt sie innerhalb ihrer Nachvollziehbarkeit genauso sachlich und bodenständig wie der Weg dorthin, was wiederum für die einheitliche Stimmung der Geschichte spricht.
Am Ende sollten also Freunde des „Disappearance“ - Thrillers von einer ruhig erzählten Story ausgehen, die weniger auf Tempo und Action setzt, sondern viel Wert auf Ermittlungsdetails legt und trotzdem die Bedürfnisse seiner Figuren in den Vordergrund stellt.
Von daher: Kein Reißer, aber grundsolide Krimikost.
6,5 von 10

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