Es war einmal ein Gott namens George Lucas. In den 70er und 80ern war seine Fan-Basis ennorm und es gab absolut nichts, was den großen Meister hätte schaden können. Doch als er sich in den 90ern zum ersten mal an seiner Star Wars-Schöpfung "vergriff" und sie überarbeitete, wurde aus der großen Verehrung eine große Abscheu, die er mit den späteren Prequels zu seinen Star Wars-Filmen nur noch mehr schürte. Doch ist dies überhaupt gerechtfertigt? Regisseur Alexandre O. Philippe will dieser Frage auf den Grund gehen und die Hassliebe der Fans ergründen. In einer schier unendlichen Mühe hat er, in über 3 Jahren und aus über 634 Stunden an Filmmaterial, nun "The People vs. George Lucas" erschaffen. Doch leider ist das Endergebnis genauso zwiespältig ausgefallen, wie die Hasliebe der Fans zu George Lucas an sich.
Am Anfang sieht alles noch ganz gut aus. In den ersten Minuten erfährt der Zuschauer einiges darüber, wie es George Lucas am Anfang seiner Karriere erging und wie er die Idee zu "Star Wars" hatte, einer Filmreihe, die einen Fankreis nachsich zog, der bis heute mit nichts zu vergleichen ist. Selbst die ennormen Kreise der "Herr der Ringe"-Jünger oder die Trekkie-Fans von "Star Trek" können dem Fantum von "Star Wars" nicht das Wasser reichen. Dies macht der Film in seinen ersten Minuten bereits allzu deutlich und auch im weiteren Verlauf wird dies immer mehr und mehr untermauert. Für einen Star Wars-Fan ist "Star Wars" nicht nur ein Film, es ist eine Religion, ein Universum.
Und das dies so ist zeigt der Film auch anhand einer ennormen Fülle von Fanmaterial, welches immer wieder die Interviews visuell unterlegt bzw. unterbricht. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Unzählige Amateur-Schnippsel zeigen Fans, wie sie ihre Lieblingsfilme nachspielen, ja wie sie selbst in das Universum von "Star Wars" eintauchen. Wer jedenfalls schon immer einmal sehen will, was Fans so auf die Beine stellen können, der kriegt hier einen besonders guten Einblick darauf.
Das Hauptaugenmerk jedoch, auf das "The People vs. Star Wars" eigentlich zielen will, nämlich diese ennorme Hassliebe zu erklären, welche die Fans der Star Wars-Filme zu George Lucas haben, ist leider weniger gelungen. Wie in vielen Interviews betont, wollte Regisseur Alexandre O. Philippe ein objektives Bild dazu schaffen, das beide Seiten gerecht durchleuchtet. Doch was der Zuschauer hauptsächlich zu sehen bzw. zu hören bekommt, sind die Hasstiraden der Fans, wenn es um die Überarbeitung der Filme geht oder eben um die Prequels, welche vor allem bei den Ur-Fans der Reihe oft mehr als nur negativ angekommen sind. Positive Stimmen werden kaum erhoben, man hat förmlich immer wieder das Gefühl, dass es wirklich niemanden gibt, der sich auch nur im entferntesten mit den Gegebenheiten anfreunden oder sie zumindest tolerieren kann. Zwar schafft es der Film schon ab und an einmal auf die andere Seite zu blicken. Z. Bsp. wird kurz angerissen, dass Jar Jar Binks, welcher ja nun wirklich das Hassobjekt Nr. 1 bei vielen alten Fans ist, bei den Kindern von heute besonders gut ankommt und die Filme von heute eigentlich, genauso wie die Filme von damals, auch die Kids unterhalten soll und man ja damals auch Kind war und die, heute eher belächelten, Ewoks mochte. In diesem Moment wird die "alte Generation" und die "neue Generation" mal kurz an einen Tisch gesetzt. Doch nur wenige Sekunde später, gehen die, meist eher ungefiltert wiedergegebenen, Gefühlsausgaben der Fans wieder los und genau das ist es eigentlich, was der Film nicht sein wollte, aber letztendlich geworden ist. Eine Abrechnung mit George Lucas, welche nur ab und an mal einen Blick auf die andere Seite erlaubt.
Was letztendlich einfach viel zu kurz kommt, ist der Blick der neuen Fans. Auch wenn viele alte Fans sicherlich zu recht motzen, wenn sie ihre Objekte der Begierde mit neuen Effekten erleben müssen und Han Solos Charakter mal eben völlig umgekrempelt wird, wenn er in der Special Edition nicht mehr als erstes schießt, so bleibt es z. Bsp. Tatsache, dass auch diese Special Editions massenhaft neue Fans zum Vorschein gebracht haben und das die Prequels einfach keinerlei Chancen haben gut bewertet zu werten, wenn man die Originaltrilogie als das absolut Göttliche betrachtet. Wie schon erwähnt, versucht der Film es zwar immer wieder einmal, doch noch einen gerechten Blickwinkel zu prägen, vor allem in den letzten 5 Minuten geben viele der Meckerfritzen letztendlich zu, dass sie George Lucas lieben. Aber der letztendlich kritische Blick auf eben diese Fans, welcher in gewisser Form mit dazu gehört hätte (und ich bin selbst ein Fanboy) bleibt außen vor. Peinlicher Höhepunkt der ganzen Sache ist dann der fragwürdige Vergleich eines Fans, der meint, dass das ewige Anschauen von Episode I gleichzusetzen ist, mit der ständigen Rückkehr eines Vergewaltigungsopfers an den Tatort. Spätestens hier hätte Regisseur Philippe merken müssen, dass es mit der Objektivität dahin ist.
Schlussendlich bleibt der endgültige Eindruck von "The People vs. George Lucas" somit genauso zwiegespalten, wie eben die Gefühle der Fans gegenüber George Lucas. Auf der einen Seite kann man Regisseur Alexandre O. Philippe gar nicht genug dafür loben, mit wie viel Elan er hier an die Sache gegangen ist, wie viel Material er gesichtet und verarbeitet hat und auch die gute Absicht, welche letztendlich hinter dem ganzen Projekt steht. Auf der anderen Seite ist aber leider auch das ständige Gefühl, dass er seine persönliche Enttäuschung über Special Editions und Prequels einfach nicht genug ausblenden kann und daher zum Schluss dennoch mehr eine überschäumende, teils völlig übertriebene Ansammlung von Schimpfereien übrig bleibt, als eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Hassliebe der Fans und vielleicht sogar mit den Fans an sich. Der gute Wille ist spürbar vorhanden, doch das Endergebnis letztendlich genauso enttäuschend wie Hans Solos Charakterwandlung, als er plötzlich nicht mehr als erstes schiesst.
Wertung: 5/10 Punkte