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Der 28. Schimanski-„Tatort“ war gleichzeitig der 250. überhaupt, doch statt eine feierliche Jubiläumsfolge zu drehen, griff man das unappetitliche Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern auf. Ohne dieses auch nur ansatzweise spekulativ und somit fragwürdig zu bearbeiten, widmet sich Regisseurin Ilse Hoffmann sensibel und zugleich knallhart dem Fall eines unter der Eisschicht eines Sees etwas arg zufällig von Kommissar Schimanski entdeckten Leichnams eines vergewaltigten Kinds und zieht dabei sämtliche Register. Es ist alles enthalten: Wie unfassbar und empörend offen anscheinend seinerzeit wenig chiffriert für Kindersexvermittlung per Kleinanzeigen geworben werden konnte, dass dies nicht selten durch die eigenen Eltern geschah und dass die Kunden durchaus im privilegierten Teil der Gesellschaft zu finden sind und nach außen den Schein wahren, kein Wässerchen trüben zu können. „Kinderlieb“ vermittelt Einblicke in zerrüttete Familien, eine wegschauende Gesellschaft sowie eine sich gegen diverse Widerstände durchsetzen müssende Mordkommission und versucht gar nicht erst, den Eindruck zu erwecken, für die Opfer bestehe die Hoffnung, irgendwann ein normales Leben führen zu können. Neu war damals die Technik des genetischen Fingerabdrucks, die den Täter schließlich überführt, womit dieser nicht gerechnet hatte. Ein richtig guter, gesellschaftlich relevanter und zugleich trauriger, wütend und betroffen machender „Tatort“ mit einem einmal mehr brillanten, charismatischen Götz George in seiner Paraderolle.

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