„Lady Dragon“ ist ein ganz nett gemachter Rothrock-Klopper, der aber leider viel Potential verschenkt.
Ex-CIA-Agentin Kathy Gallagher (Cynthia Rothrock) tritt bei illegalen Kampfsportturnieren an und verdient dabei auch einiges an Geld. So muss sie auch direkt bei der Auftaktszene in einem Hangar einen Kontrahenten in langem Kampf auf die Bretter schicken. Nach der atmosphärischen Creditsequenz inklusive Kamerafahrt über die verlassene Wüste startet der Film hier mit einem seiner beiden Highlights, denn der Fight ist sehr spektakulär und extrem gut choreographiert.
Nach dem Kampf trifft sie ihren ehemaligen Kollegen Gibson (Robert Ginty), der will, dass sie damit aufhört. Bei einem Gespräch in der Kneipe erfährt der Zuschauer nun die Hintergründe: Der Gangsterboss Ludwig Hauptmann (Richard Norton) ließ Kathys Ehemann und Arbeitskollegen John (Thomas Forcher) ermorden – seitdem sucht Kathy über diese Turniere nach dem unauffindbaren Supergangster. Macht zwar nur bedingt Sinn, aber hey: Wir sind hier schließlich im B-Actiongenre.
Tatsächlich kann Kathy Hauptmann aufspüren, doch das endet in einem Fiasko. Erniedrigt und halbtot geschlagen lässt man sie im Dschungel zurück, wo sie jedoch ein alter Kampfsportlehrmeister und sein Enkel finden. Sie päppeln Kathy wieder auf, die sich nach einigem Training wieder auf Hauptmanns Spur begibt…
Die Story von „Lady Dragon“ ist alles andere als ausgefeilt: Anfängliche Niederlage, Training, verdeckte Ermittlungen und der Sieg am Ende – alles die übliche Reihenfolge. So kommt wenig Spannung auf, zumal vieles auch unzulänglich dargestellt wird. Vor allem die Trainingssequenzen lassen einen kaum glauben, dass Kathy irgendwas Neues lernt, da der Meister ihr wenig beibringt und sie meist selbstständig übend durch die Gegend hüpft.
Auf die Logik achtet man auch kaum: Da erkennt Hauptmann sie nicht wieder, weil sie bei ihrer bei ersten Begegnung eine Perücke trug (die übrigens selbst im Kampfgetümmel perfekten Halt beibehält) usw. Viele Szenen erinnern auch noch an vergleichbare Filme, teilweise mit Frau Rothrock selber: So kommen bei ihrer Lagerhausdurchsuchung diverse Erinnerungen an „Born to Fight“ hoch, besonders weil sie nachher das gleiche Kompetenzgerangel mit der örtlichen Polizei hat.
Das alles wäre für den Genrefan ja noch in gewissen Maße verzeihlich, wenn wenigstens die Action Spitzenklasse wäre. Dieses Gütesiegel dürfen sich jedoch nur der Auftaktfight und der Showdown anstecken: Zwei sehr lange und top choreographierte Kampfszenen, die wirklich jeden Genrefan begeistern können. Ansonsten gibt es aber nur noch ein paar kleinere Kloppereien, eine Verfolgungsjagd sowie den ein oder anderen blutigen Einschuss. Auch dies ist ganz nett gemacht, aber nur gehobener B-Durchschnitt, zumal die Menge der Action alles in allem etwas gering ausfällt.
Cynthia Rothrock macht mal wieder klar, dass sie zwar kloppen, aber kaum schauspielern kann, denn in den persönlichen Szenen zwischen ihr und dem Meister mit seinem Neffen wirkt sie etwas verloren. Richard Norton hingegen ist ein erstklassiger Fiesling, während Robert Ginty eher mau agiert. Der Rest der Crew spielt auch relativ durchschnittlich.
Teilweise wirklich famose Fights und ein überzeugender Fiesling zeichnen „Lady Dragon“ aus – doch aufgrund der Standardstory und des Actionmangels bleibt nur gehobener Durchschnitt.