Review

Wenn in einem Film die Protagonisten Igby Slocumb oder Sookie Sapperstein heißen, kann es sich wohl nur um eine skurrile Komödie handeln.
Und in der Tat ist der Film ein frecher schwarzhumoriger Blick auf eine Upperclass-Familie.
Igby (Kieran Culkin) ist ein Tennager, klein, blass und aufmüpfig. Er fliegt von sämtlichen Elite-Schulen und auch auf der Militärakademie, auf den ihn seine Mutter schickt, bleibt er nicht lange. Er flieht nach New York, trifft die flippige Sookie (Claire Danes) und bricht aus dem bürgerlichen Leben aus.
Ganz anders sein älterer Bruder Oliver (Ryan Phillippe), ein arroganter “Nerd”, zielstrebig und karrieregeil schleimt er sich nach dem Wirtschaftsstudium bei seinem steinreichen Patenonkel D.H. Banes (Jeff Goldblum) ein.
Der wiederum betrügt seine Ehefrau mit der drogensüchtigen Luxusschlampe Rachel (Amanda Peet) und finanziert ihr mondänes Leben.
Die Mutter (Susan Sarandon) ist tablettensüchtig, der Vater (Bill Pullman) wird schizophren und landet in einer Anstalt.
So gesehen sind die Slocumbs mindestens genauso durchgeknallt wie die Tenenbaums.
Auch wenn die Figuren z.T. etwas überzeichnet sind, so wirken sie doch niemals unglaubwürdig oder platt.
Die größte Überraschung ist zweifellos Kieran Culkin (der kleine Bruder von Macaulay Culkin). Er spielt sich, mit einer gewissen melancholischen Lässigkeit und um keine sarkastische Bemerkung verlegen, in das Herz des Zuschauers.
Es wäre nicht verwunderlich, wenn er eines Tages Schauspielerkollegen wie Leonardo Di Caprio den Rang abläuft.
Sein Igby ähnelt wohl auch nicht zufällig “Holden Caulfield” aus Salinger’s “Der Fänger im Roggen”.
Auch die anderen Darsteller wie Jeff Goldblum als öliger Millionär oder Bill Pullman als sanftmütiger Vater, der langsam in den Wahnsinn hinübergleitet, machen eine sehr gute Figur.
Regiedebütant Burr Steers besticht eher durch gute Schauspielerführung als durch raffinierte Inszenierung. Aber anders als seine Regiekollegen, wie beispielsweise
P.T. Anderson, prasseln hier keine Bilderfluten auf den Zuschauer ein.
Etwas mehr Schwung und Raffinesse hätten dem ganzen jedoch gut getan.
Die Kamera ist (ob beabsichtigt oder nicht) teilweise sehr wackelig, die Musik ist eingängig und passend.
Igby goes down, so der Originaltitel, ging in den USA trotz überwiegend guten Kritiken unter.
Man kann nur hoffen das ihm dieses Schicksal hierzulande erspart bleibt.

Fazit:
Es gibt viele Filme über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, dieser hier macht Spaß und regt zum Nachdenken an. Gelungen!
7/10

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