Mehr als einmal hat wohl jeder Zuschauer beim Ansehen eines Films schon das Gefühl erfahren müssen, das vorliegende Material in ähnlicher Weise bereits an anderer Stelle schon mal besser präsentiert bekommen zu haben (Fans von Hauptdarsteller Freddie Prinze Jr wissen ganz besonders, was ich meine). „Summer Catch“ ist solch ein Fall – einer, bei dem man sich wundert, ob es sich nicht vielleicht um ein Remake oder eine Fortsetzung handelt, dessen Original man wohlmöglich kennt. Leider nicht – und so muss man sich zwangsläufig damit abfinden, eine College der üblichen Teeny-Bopper-Streifen-Inhalte, Sportklischees und gesellschaftliche Konfliktherde zu betrachten, die sich ausgiebig bei Vorbildern wie „Bull Durham“ (Sport), „American Pie“ (Humor) oder „Boys, Girls & a Kiss“ (Rest) bedient…
Ryan Dunne (Prinze) ist ein charmanter Pitcher der „Chatham A´s“, einem Baseball-Team, welches unter der Führung von Coach Schiffner (Brian Dennehy) in der „Cape Cod Summer League“ spielt. Wenn Ryan mal nicht auf dem Feld steht, mäht er meist zusammen mit seinem Dad (Fred Ward) die Rasen der reichen Nachbarschaft oder schwärmt für die schöne Tenley (Jessica Biehl), deren vermögender Vater (Bruce Davidson) diese Verbindung natürlich weniger gerne sieht – vor allem da Ryan seit einem öffentlichen Zusammenbruch (mitsamt Rauswurf aus dem Collage) im Zusammenhang mit dem Tod seiner Mutter nicht unbedingt das beste Ansehen genießt. Inzwischen ist für ihn jedoch die Zeit gekommen, endlich seinen Traum zu verwirklichen, den verlorenen Respekt seiner Familie und Mitmenschen zurück zu gewinnen sowie das Herz der Angebeteten ein für alle Mal zu erobern…
Zusätzlich zu Ryans Problemen bietet der Film noch eine ganze Reihe weiterer (Neben-) Handlungsstränge, die sich um andere Teammitglieder drehen: Ein Fänger (Matthew Lillard) hat Probleme damit, seinen Aluminiumschläger gegen einen aus Holz auszutauschen, ein Infielder (Wilmer Valderrama) wird ständig von der Gastmutter angemacht, bei der er einquartiert wurde, ein Outfielder (Marc Blucas) muss gestehen, dass er eigentlich auf korpulentere Frauen steht, und ein arroganter Pitcher (Corey Pearson) hält sich für einen unterbewerteten Star, weshalb er ein Angebot über zwei Millionen Dollar der „Dodgers“ erst einmal abgelehnt hat.
Das Problem ist, dass Regisseur Michael Tollin („Radio“) es nicht einmal schafft, die Grundstory vernünftig aufzubereiten, geschweige denn jene Subplots. Natürlich ist das nicht bloß seine Schuld, sondern auch die der beiden Drehbuchautoren Kevin Falls und John Gatins – letzterer zeichnete sich in den folgenden Jahren übrigens auch für die ähnlich klischeehaften Skripts zu „Hardball“ und „Coach Carter“ verantwortlich. Die gebotenen Dialoge sind müde und verbraucht, die Handlung ist selbst für einen „Freddie Prinze Jr“-Streifen erschreckend banal. Hinzu kommen einige sentimentale Momente, die im Zusammenhang leider nicht wirklich den gewünschten Effekt erzielen und sich der Grenze zur unfreiwilligen Komik bedrohlich nähern. Die Emotionen übertragen sich zu keiner Zeit auf den Zuschauer, der sich seinerseits über ständig nervende Kleinigkeiten ärgern muss: Tenley läuft Ryan extrem (!) oft zu dessen Pick-Up-Truck nach, und ich bin mir zudem sicher, dass man Freddie beim Pitchen gedoubled hat, da die Kamera bei jedem seiner Würfe wegschwenkt oder zu einer anderen Ansicht geschnitten wird.
Die Besetzung des Films ist hingegen überdurchschnittlich gut ausgefallen: Freddie Prinze Jr (“She´s all that“/“Wing Commander“) schafft es zumindest, im direkten darstellerischen Vergleich mit seinem Baseballschläger ein Unentschieden zu erreichen – im Prinzip spielt er einfach jedes Mal dieselbe Rolle, weshalb seine Karriere trotz etlicher Hits noch immer nicht durchstarten konnte. In dieser Beziehung ist ihm Jessica Biehl („TCM“/“Blade 3“) inzwischen voraus, denn für sie sieht die Zukunft mit Projekten wie “Stealth“ oder “Elizabethtown“ absolut rosig aus. Ihre Leistung hier ist durchweg solide, wird aber von ihrer ansprechenden optischen Erscheinung deutlich in den Schatten gestellt. Brian Dennehy (“Rambo“/“Assault on Pre.13“ 2005) sieht man immer gern, Matthew Lillard (“Scream“/“13 Ghosts“) spielt mal wieder seine Standard-Rolle, ebenso wie Bruce Davidson (“X-Men“/“High Crimes“), während Fred Ward (“Tremors“/“Last Ride“) mit den Klischees zu kämpfen hat. Besonders schade ist es um die talentierte Brittany Murphy (“8 Mile“/“Sin City“), welche durchs Typecasting (als „slutty Chick“) schlichtweg verheizt wurde. Hinzu kommt noch eine Reihe belangloser Cameos (John C.McGinley („Wall Street“), Beverly D´Angelo sowie einige echte Profispieler).
Der Film liefert das Gefühl (mitsamt aller Zutaten) eines „Made for TV“-Movies, lief aber tatsächlich in den US-Kinos, wo das (nicht unerhebliche) Budget von 15 Millionen Dollar sogar mit Gewinn eingespielt wurde. Die Stärken liegen eindeutig in den Spiel-Sequenzen, die Spaß machen und nett anzusehen sind, wohingegen der Rest (nicht nur im Vergleich) ziemlich dröge wirkt. Die Ausgangssituation der Sommerliga, wo sich die besten jungen Amateure des Landes treffen und sich unter den Augen der Talentscouts messen, war interessant und bot Potential, welches man leider nur oberflächlich zu nutzen wusste. Die Liebesgeschichte sowie die Verbindung zu Bruder und Vater (seitens Ryan) sind recht gut gelungen – jene anfangs eindimensionalen Charaktere wurden im Verlauf überraschend gut ausgebaut. An sich hätte der Film locker-flockige Unterhaltung bieten können, doch vor allem die gehäuften Klischees (Männer in Frauenunterwäsche, Flashbacks in Schwarzweiß, die Wendung zugunsten von Ryans Chance, das gemeinsame Gruppenfinale, die absolute Vorhersehbarkeit etc) mindern das Sehvergnügen entscheidend, was irgendwie schade ist.
Fazit: „Summer Catch“ ist eine anständig besetzte, kurzweilige romantische Sportkomödie, die an zu vielen Klischees und einem schwachen Drehbuch leidet, weshalb man sie fast unmittelbar nach dem Abspann bereits wieder vergessen hat … 4 von 10.