Achtung: wer sich auf ein reißerische Finale mit flammenwerfenden Hubschraubern wie in Outbreak freut, wird in Cotagion nicht fündig.
Und das ist auch gut so!
Der nüchterne, fast dokumentarische Stil verstärkt eher noch die beklemmende Spannung, die diesen Film von Beginn an ausmacht und in dem die Menschheit durch einen hoch ansteckenden Killervirus nahezu unaufhaltsam auf eine Apokalypse zuzusteuern scheint.
Ohne Exposition kommt der Film sofort zur Sache. Denn gleich in den ersten Sekunden wird deutlich, um was es geht: ein trockener Husten, ein Close-up auf ein Wasserglas, eine Schale mit Nüssen in einer Bar, einen Handgriff in der U-Bahn, einen Aufzugknopf... Der Virus beginnt seinen tödlichen Feldzug und Wissenschftler, Ärzte, Regierung und Behörden nehmen den Kampf auf.
Das alles wird chronologisch und straight erzählt.
Wenn schließlich angesichts von Millionen Toten das öffentliche Leben zum Erliegen kommt, die Kamera verwaiste Straßen oder eine menschenleere Abfertigungshalle am Flugahfen zeigt; wenn Bulldozer am Stadtrand Massengräber ausheben und maskierte Plünderer durch Supermärkte und gutsituierte Wohnviertel marodieren; wenn ein Familienvater in die leeren Häuser von Bekannten eindringt auf der Suche nach Lebensmitteln und einer Waffe; wenn panische Menschen mit Mundschutz die Impfausgabestellen überfallen, dann ist das nichts weniger als ungeheuer fesselnd.
Dass die Spannungskurve im letzten Viertel, als der Impfstoff endlich gefunden ist, ein wenig abflacht, trübt den positiven Gesamteindruck kaum.
Mindestens ebenso beeindruckend ist aber die Besetzungsliste, die sich mit Jude Law, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Matt Damon und Marion Cotillard nicht weniger als 5 Oscarpreisträger leistet.
Das Frau Paltrow hier allerdings die "Patientin Null" spielt, hat zur Folge, dass sie auch die erste ist, die dem Virus zum Opfer fällt.
Es paßt zum schnörkellosen Stil von Contagion, dass das schon gleich zu Beginn des Films geschieht. So muß sich der Zuschauer schon in Miute sieben von ihr verabschieden, als sie mit aufgeklappter Schädeldecke auf dem Tisch in der Autopsie liegt. Danach taucht sie nur noch in Rückblenden auf - so auch ganz am Ende, als dem Zuschauer klar wird, wie alles begonnen hat.
Fazit: unbedingt ansehen!
P.S.:
Vergessen Sie Ehec, vergessen sie SARS und die Vogelgrippe. Fassen Sie sich nicht dauernd mit Ihren Fingern ins Gesicht (Filmzitat!) und wenn Ihr Nachbar im Kinosessel neben Ihnen die Nase hochzieht oder trocken hüstelt, ziehen Sie sich Ihren Pullover über den Kopf, beamen Sie sich weg und beten Sie! 9/10