Wolfgang Petersens "Outbreak" machte es 1995 vor, einen Katastrophenfilm über eine Epidemie zu drehen. Damals ging es um das Ebola-Virus, was ja aktuell war und den Menschen Angst einjagte.
Nun, 16 Jahre sind vergangen und unsere Menschheit durfte sich seitdem mit neuen gefährlichen Viren rumschlagen: Vogelgrippe, Schweinegrippe, Facebook, Rinderwahn und der 11. Staffel von Big Brother.
Steven Soderbergh verfilmt mit "Contagion" den Ausbruch eines fiktiven Virus, der sich aus dem Erbgut von Schweine- und Fledermausviren (warum denn nicht?) bildet. Die Erzählweise ist sehr hollywooduntypisch, und ist äußerst realistisch geraten. Da sich der Erreger sehr schnell um den ganzen Erdball verbreitet, liegt das Hauptaugenmerk auf der Vorgehensweise der Gesundheitsorganisation und vielen Einzelschicksalen. "Realismus" ist das Stichwort - und es wird nichts ausgelassen, was im Ernstfall nicht auch passieren würde: Die Gesellschaft zerfällt, Anarchie breitet sich immer weiter aus, Blogger im Internet sprechen von Verschwörungstheorien und schließlich wird Impfstoff gefunden, der jedoch nicht in ausreichenden Mengen hergestellt werden kann, so dass es zu Überfällen kommt.
Und der Film kann mit einem richtigen Staraufgebot angeben: Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Jude Law und Laurence Fishburne - die wohl einiges von den 60 Mio Dollar Produktionskosten verschlungen haben.
Jetzt habe ich nur ein einziges Problem mit dem Film: "Contagion" ist scheiß langweilig. Nicht, dass ich einen neuen "2012" erwartet hätte, aber die Story ist dermaßen lahmarschig erzählt, dass ich im Sessel fast weggeratzt wäre. Nachdenklich macht der Film schon, aber erzählt mir nichts neues, was ich nicht von einer N24-Doku kenne.
Ich habe nichts gegen ruhige Dramen, realistische Filme ohne dass mir die Welt um die Ohren fliegt, aber ich wurde nicht warm mit "Contagion" - und ich sehe ja an den ganzen ofdb-Bewertungen, dass ich da relativ alleine darstehe. Schade, für mich eine der großen Enttäuschungen des Jahres 2011.
2/10 Punkte