CONTAGION ist ein guter und außergewöhnlicher Film und lässt sich nicht ohne weiteres mit den üblichen Kategorien ""Katastrophenfilm", "Seuchendrama" oder gar "Science-Fiction" beschreiben. Er ist von allem ein wenig, vor allem aber in Form einer faktenbasierten Dokumentation gestaltet. Daher rühren leider auch einige Längen in der Handlung in der zweiten Hälfte des Films. Rein dokumentarisch wie andernorts geschrieben ist er aber nicht, da schon eine relativ konsistente und personenbezogene Geschichte um die handelnde Star-Riege besteht.
Kurz zur Story ohne Spoiler: Beth (Gwyneth Paltrow) kommt erkrankt von einem Trip nach Hongkong mit Fieber und Schmerzen zur ihrem Mann Mitch (Matt Damon) und stirbt am nächsten Tag, einige Tage später auch der kleine Sohn. Schnell wird klar, daß es sich um eine Seuche handelt. Vor allem der Journalist Allen (Jude Law) blogged diesen Umstand so breit er kann und Dr. Elliot Carver (Laurence Fishburne) nimmt den Kampf gegen den hochgradig infektiösen Virus auf....
Das oben genannte Staraufgebot trägt sicherlich dazu bei den Film durch gute persönliche Präsenz und schauspielerisches Handwerk qualitätsmäßig zu tragen. Für mich ist Matt Damon eine sehr positive Überraschung, er spielt sehr reif spielt und bringt die Emotionen wirklich über die Leinwand. Laurence Fishburne hingegen wird nicht wirklich gefordert und spielt sich mit aller Routine durch, Jude Law ist bemüht, aber bleibt für mich leider etwas blass in einer quasi Nebenrolle in Form eines Julian Assange.
CONTAGION besticht durch seine kleinliche, eben dokumentarische Aufarbeitung aller Details des Ablaufs der Ereignisse und ist auch technisch-biologisch sehr bedacht realistisch zu sein. Befreundete Biologen haben dies bestätigt. Dazu trägt auch bei, daß der Film in Kapitel "Day 2" bis "Day xxx" im chronologischen Ablauf der Verbreitung der Seuche gestaltet ist und damit eiskalt das steigende Grauen und die wachsenden Totenzahlen dokumentiert. Viele Szenen mit Kunstlicht sind in ein grün- bis gelbstichiges Bild getaucht und machen das ganze noch etwas gespenstischer.
Der Film ist dort am meisten schockierend wenn man sieht wie die Menschen sich untereinander bekriegen um an Lebensmittel oder Impfstoff zu kommen. Ich befürchte, daß dies im realen Leben noch schlimmer ablaufen würde. Die extreme Sachlichkeit des Films trotz dem dramatischen Verlaufs sorgt gerade im zweiten Teils des Films unerwarteterweise für einige Längen. Das Ende finde ich persönlich nicht gut und zu konservativ.
Dennoch ist es beachtenswert wie ohne Action, Lovestory oder ähnliches ein packendes Drama - über das man hinterher noch länger nachdenkt - kreiert wurde. Die Angst wird eben nicht vordergründig erzeugt, sondern im Subtext der immer bedrohlicheren Bilder. Die Promi-Riege wäre gar nicht nötig gewesen, stört aber auch nicht, den alle machen ihren Job gut bis sehr gut wie oben beschrieben. Ich kann den Film nur empfehlen, den er zeigt realistisch was passieren kann und wie sich die Menschheit dabei im Ernstfall verhalten kann und wird. Dies sollte uns alle aufrütteln und ggfs. sollten wir unser Konsum- oder Essverhalten überdenken.....
7/10 Punkten